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Hörmal | 13.12.2015 | 07:45 Uhr

Lach doch mal

Letztes Wochenende auf dem Kölner Weihnachtsmarkt: Plötzliche Unruhe, die Leute drehen sich um, dann schallt es unüberhörbar bis zum Glühweinstand: Gelächter! Und was für eins! Eine kleine Gruppe von Menschen lacht was das Zeug hält und hört dabei gar nicht mehr auf. Sie tragen bunte Klamotten, als sei schon Karneval. Sie lachen und lachen, schlagen sich auf die Schenkel, reißen die Augen auf und stupsen die Umherstehenden an. Einige lassen sich anstecken und lachen mit. Andere drehen sich peinlich berührt zu Seite. Dazu habe ich gehört.

Was auf dem Weihnachtsmarkt da hereinplatzte, war eine Lachyoga-Gruppe aus Ehrenfeld…auch das gibt es. Die Lach-Yogis haben zum Ziel, durchs Lachen sich und ihre Umgebung in positive Stimmung zu versetzen. Denn, das ist ihre Philosophie: Lachen gehört zu den selbstreinigenden Kräften des Körpers. „Lachen ohne Grund“ ist ihr Motto – einfach Lachen, auf Knopfdruck, dann kommt die Freude schon von allein.

Ich muss gestehen, dass ich mich mit dem Lachen auf Knopfdruck schwer tue. Nicht nur auf Weihnachtsmärkten, wenn plötzlich Lach-Yogis auftauchen. Meine Frau verzweifelt jede Mal im Urlaub, wenn ich mich da fürs Foto aufbauen soll: „Lach doch mal!“ Irgendwie funktioniert das nicht bei mir. Entweder lächle ich schief oder schaue dämlich in die Kamera. So spontan lachen – ohne echten Anlass – da komme ich mir jedes Mal blöd vor. Ich befürchte, das ist typisch für Erwachsene. Kinder können noch einfach so lachen, manchmal minutenlang und es ist schön das zu sehen. Ich dagegen brauche einen Grund zu Lachen, einen Grund zu Freude. Begründete Freude also.

Darum geht es beim heute, am dritten Advent der katholischen Kirche. Wie jeder Adventssonntag trägt nach alter Tradition ein lateinisches Motto. Und das ist heute: „Gaudete“, zu Deutsch: „Freut Euch!“ – Freude im Imperativ also. Und weil dieser Sonntag im Kirchenjahr so besonders ist, holt der Priester aus den Sakristei-Schränken ein meist quietschrosa Messgewand hervor und trägt das während des Gottesdienstes. In der Liturgie ist das rosa Messgewand quasi der „Running Gag“ für diesen Tag. Rosa als Ausdruck der Freude, des christlichen Frohsinns – wenn man so will.

Was das Lachyoga unterscheidet vom Frohsinn an „Gaudete“? Lachyoga sagt: Freude braucht keinen Grund, die kommt schon von allein, wenn ich genug die Lachmuskeln trainiere. Der christliche Frohsinn kennt seinen Grund. Denn mit der Freude am Festtag „Gaudete“ ist natürlich die Vorfreude auf Weihnachten gemeint. Und christlich gesprochen ist Weihnachten das Fest der begründeten Freude. Grund zum Feiern gibt es, weil Gott Mensch geworden ist in dem Kind von Bethlehem. Weihnachten ist das Fest, an dem gefeiert wird, dass die Hoffnung trägt, dass nicht das Dunkle im Leben siegt, das Traurige, letztendlich nicht das Böse, sondern das Licht, der Sinn, das Gute im Leben. Und dieser Hoffnung sollten die Christen nicht nur trauen können, sondern die kann auch froh machen. Daher heute „Gaudete“ – „Freut euch“.

Wie gesagt, ich tue mich meist schwer damit, mit Freude auf Knopfdruck. Vielleicht auch, weil ich schon oft erfahren musste, dass das Leben nicht nur eine Gaudi ist. Und dennoch kann ich sagen, dass mein Glaube mir gerade hier geholfen hat, wenn die Gaudi vorbei war. Wenn ich dann nur

Umso mehr ist der Advent für mich die Zeit, meiner Hoffnung neu auf den Grund zu gehen. Ich halte Ausschau nach ihr und trage dabei auf Herzen auch all das, was in diesem Jahr an Dunklem passiert ist. Den Grund zur Freude, dieses Licht von Weihnachten, den möchte ich jedenfalls nicht aus den Augen verlieren.

Daher ist es auch mal mehr oder weniger leicht, dieser begründeten Hoffnung zu trauen. Das ist eine Frage von Vertrauen, letztlich eine Frage des Glaubens.

Vielen Christen jedenfalls, und da schließe ich mich ein, würde es gut zu Gesicht stehen, wenn dieses „Freut Euch“ ihnen mal mehr anzusehen wäre: Frei nach dem Nietzsche, der mal spöttisch bemerkte: „die Christen sollten erlöster ausschauen“.

Bildrechte: Klaus Nelißen

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