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Kirche in WDR 5 | 04.06.2018 | 06:55 Uhr

Lachen erlaubt

Guten Morgen! Darf man in der Kirche lachen? Das ist eigentlich keine Frage. Das ist ein Witz! Ungefähr genauso spaßig wie die Frage: Darf man in der Kirche atmen?

Atmen, lachen, weinen, sich ärgern, das sind alles spontane Regungen. Man kann versuchen sie zu verbieten, aber es nützt nicht viel. Lachen zu verbieten, macht die Menschen nicht ernsthafter, es macht sie nur verkniffener.

Trotzdem hat die Frage, ob man in der Kirche lachen darf, oft genauso viel Empörung geerntet wie die Frage, ob man in der Kirche rauchen darf.

Diese Frage übrigens verhandeln in abgewandelter Form zwei jüdische Talmudschüler. Sagt der eine: "Ich habe den Rabbi gefragt: Darf ich beim Beten eine Zigarette rauchen? Der Rabbi war entsetzt!“ „Das musst du anders machen“, erwidert sein Kollege: „Als ich zum Rabbi gegangen bin, war er hocherfreut. Ich habe ihn gefragt: „Rabbi, darf ich beten, wenn ich eine Zigarette rauche?“

Die Juden haben die Frage nach dem Rauchen in Humor aufgelöst. Christliche Theologen haben sich der Frage nach dem Lachen mit großem Ernst gewidmet. Dabei wurde oft mit Fingerzeig auf Jesu Leiden alles verachtet, was mit Witz und Humor zu tun hatte. Umberto Eco hat in seinem Buch „Der Name der Rose“ dem Theologen, der keinen Spaß versteht, einen Namen gegeben: Jorge von Burgos. Jorge meint: „Das Lachen (...) schüttelt den Körper, entstellt die Gesichtszüge und macht die Menschen den Affen gleich.“

Bei manchen Gottesdienstteilnehmern wirkt diese freudlose Theologie noch immer beharrlich nach. Sie verziehen keinen Mundwinkel, wenn es mal lustig wird. Dennoch: Der Vorwurf, dass der Gottesdienst ein Leidensmienenfeld ist, ist mittlerweile mehr Klischee als Wirklichkeit. Heute kommt in vielen Gottesdiensten der Unterhaltungswert nicht zu kurz. Dass dieser oder jener Gottesdienst locker gewesen ist, ist ein Spitzenlob, das ich öfter höre. Mit „locker“ meint man, dass gelacht wird und auch mal geklatscht, dass man die Predigt gut verstehen kann, weil auf Kirchenjargon verzichtet wird, kurzum: dass man sich wohlfühlt.

Man kann nur ein großes Halleluja oder auch Hurra darüber ausstoßen, dass die Gottesdienste meist nicht mehr steif und sauertöpfisch daherkommen.

Trotzdem stellen sich mir die Härchen auf beim Wort „locker“. Ergebnis des Bemühens um Humor ist manchmal eben genau dies: bemühter Humor. Von locker bis lächerlich ist es oft nicht weit. In der Skepsis gegen den Humor liegt ja ein kleines Körnchen Wahrheit. Dieses Körnchen darf man nicht wegsaugen lassen vom Sog des „Ich will Spaß!“ Wir leben nicht mehr in den Zeiten des Lachverbots, sondern eher in Zeiten des Lachzwangs. Es fehlt gewiss nicht an Comedy und Gute-Laune-Events. Wo aber darf man schlecht drauf sein und sich trotzdem willkommen wissen?

Im Gottesdienst suchen die Menschen Klarheit und nicht Klamauk. Sie suchen Halt und nicht Unterhaltung. Er ist eben nicht Teil des großen Gelächters der Spaßgesellschaft. Orte, an denen öffentlich gelacht werden kann, gibt es zuhauf. Orte aber, an denen öffentlich geweint werden darf, ohne Schadenfreude zu ernten, sind Mangelware. Eine Kirche, ein Gottesdienst, ist solch ein Ort. Lachen oder Weinen wird gesegnet sein.

Einen gesegneten Tag wünscht Ihnen Silke Niemeyer, Pfarrerin in Lüdinghausen.

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