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Kirche in WDR 4 | 15.09.2017 | 08:55 Uhr

Lasten tragen

Guten Morgen,

manchmal werde ich zufällig Zeuge von Gesprächen, die zunächst sehr alltäglich wirken, in denen es dann aber doch um viel mehr geht. So ging es mir neulich in einem Café: Offenkundig kam der ältere Herr jeden Tag hierher. Er saß in einer Runde mit verschiedenen anderen älteren Männern und Frauen. Eine sprach ihn an: „Du hast ja wohl ziemlich viel Zeit, wenn du immer regelmäßig hierher kommen kannst.“ Er antwortete: „Zu Hause fällt mir die Decke auf den Kopf. Meine Frau ist vor drei Jahren gestorben.“ Sie antwortet nach einem kurzen Moment des Schweigens: „Ist nicht schön!“ Er: „Nee, ist nicht schön“.

Als Seelsorger war ich zunächst etwas irritiert über diese nicht so ganz einfühlsam klingende Reaktion auf die Worte eines Mannes, der auch nach drei Jahren immer noch sehr unter dem Verlust seiner Frau leidet. „Ist nicht schön.“, klingt erst einmal nicht sehr anteilnehmend und feinfühlig. Doch ist nicht eine etwas unbeholfene Reaktion oder nicht ganz treffend gewählte Worte besser, als einen Bogen um trauernde Menschen zu machen und ihnen auszuweichen? Und in der Reaktion „Ist nicht schön“ steckt schließlich – wenn auch wortkarg ausgedrückt - viel Verständnis für die Situation des Witwers.

Ich denke wichtiger als die Worte ist das, was hier geschieht: Die Kaffeerunde in diesem Café schafft Gemeinschaft und bietet Platz auch für den, der an seinem Schicksal schwer zu tragen hat. Wie gut, wenn jemand hier wenigstens einmal am Tag für einige Zeit mit anderen Menschen zusammentreffen kann. Der Witwer findet hier regelmäßig Gesprächspartnerinnen und -partner. Gut, dass es solche Orte gibt. Und gut, dass es so gesprächsbereite Menschen gibt.

Vielleicht ist es genau das, was Kirche und Gemeinde oft schon sind und noch häufiger sein sollten: Orte, an denen ich erzählen kann, was mich freut oder was mir Mühe macht. Manchmal erlebe ich das sonntags in der Kirche vor dem Gottesdienst. Menschen kommen lange vor Beginn des Gottesdienstes und reden zum Teil sehr intensiv miteinander. Oder sie tun das beim Kirchenkaffee nach dem Gottesdienst. So ist der Gottesdienst für einige der Ort, wo sie wenigstens einmal in der Woche mit ihrem Namen angesprochen werden.

In der Bibel heißt es: „Einer trage des anderen Last.“ (1) Das geschieht innerhalb und außerhalb der Kirchengemeinde - in einem Café und in einer Kirche. Ich bin davon überzeugt: Jede und jeder braucht Menschen, die seine Last mittragen. Und jede und jeder kann anderen auch am heutigen Tag zum Lastenträger werden.

Ich wünsche Ihnen, liebe Hörerin, lieber Hörer, einen offenen Blick und ein offenes Ohr für die Menschen neben Ihnen. Präses Manfred Rekowski aus Düsseldorf.

(1) Galater 6,2

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