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Kirche in WDR 2 | 19.08.2015 | 05:55 Uhr

Leben einhauchen

Es hat ein bisschen gedauert bis es bei mir angekommen ist, dann hab ich es endlich gecheckt. Ich hatte ein Kompliment bekommen, eins, das mich sehr berührt hat.

Und zwar hatte meine Freundin Dagmar Rückenschmerzen. Das hat sie immer mal wieder. Diesmal zogen sie in die Füße. „Ich fühl schon nichts mehr“, sagte sie. Kein Wunder: Die Füße waren blau, mit ihren Rückenschmerzen kam sie kaum dran. Massieren fand sie gut, also hab ich massiert.

Es machte Spaß, die Füße zu kneten und zu reiben, zu sehen wie mehr und mehr Öl von der Haut aufgesogen wurde, zu fühlen wie die Füße wärmer und geschmeidiger wurden. Als ich aufhörte, lag Dagmar noch eine Zeitlang bewegungslos da, bevor sie ihre Füße langsam bewegte. „Wow“, sagte sie, „Du hast meinen Füssen wieder Leben eingehaucht.“ Und „wow“ dachte ich, das ist eine der besten Rückmeldungen, die ich je bekommen habe.

Denn bis dahin war mir gar nicht bewusst, dass ich zu so etwas Großartigem überhaupt in der Lage bin, etwas zum Leben zu erwecken – noch dazu ohne mich groß anzustrengen. Zum anderen fiel mir sofort der biblische Hintergrund ein. Ganz am Anfang in der Schöpfungserzählung wird berichtet, wie Gott den Menschen erschafft. Aus Lehm formt er eine Gestalt, alles dran, alles drin, nur kein Leben. Bis Gott ihr lebendigen Odem einhaucht und die Gestalt lebendig wird. Er schafft so eine enge Beziehung zwischen Gott und Mensch. „Gott schuf den Menschen zu seinem Bild“, heißt es später, wir sind Ebenbilder Gottes.

Einmal auf die Spur gebracht, verstehe ich diese Aussage neu.

Zum einen; wir sind phantasiebegabte Wesen, willens und in der Lage zu gestalten, schöpferisch tätig zu sein; (auch) etwas Altem neues Leben einzuhauchen , etwas lebendig werden zu lassen. In unserem Sprachgebrauch sind das oft erst mal Gegenstände aber auch einer Idee kann Leben eingehaucht werden, ein Musiker kann ein Instrument lebendig werden lassen, ein Sprecher einen Text.

Und: Wir können mit unserer Lebendigkeit jemand anderen anstecken. Energie und Wärme übertragen, manchmal einfach nur durch unser Dasein, durch ein Wort, durch eine Handlung. Jemanden, der sich zurückgezogen hat, dazu bewegen, sich ein wenig zu öffnen. „Jemanden wach küssen“, sagt der Volksmund, etwas wecken, das in Vergessenheit geraten war. oder im Alltag untergegangen. Wir können dafür sorgen, dass sich jemand kraftvoller und lebendiger fühlt. Wenn das geschieht, sind das manchmal sehr fröhliche Momente, manchmal solche in der wir eine tiefe Verbundenheit spüren. Es stimmt, wir können das; „Leben einhauchen“, weiter-geben, was wir empfangen haben.

Doch noch etwas anderes wird mir klar: Ich kann, wir können wieder beleben, aktivieren, Verborgenem zur Entfaltung verhelfen. Neues Leben schaffen, das können wir nicht. Deshalb möchte ich mit meinem Leben, mit dem von Mensch, Pflanze und Tier sorgsam umgehen. Und ich erfreue mich, an der wieder entdeckten menschlichen Kernkompetenz, wenn ich anderen Leben einhauchen kann oder andere in mich.

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