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Kirche in WDR 2 | 17.03.2014 | 05:55 Uhr

Lebensbilder in Auschwitz

Autor: Sie sind Skilaufen, Vater und Sohn wie mir scheint: Benjamin und Beniamin Cukierman. Der eine mit j, der andere mit i. Ihre Namen stehen unter dem Foto. Es könnte Oberjoch im Allgäu sein, da, wo auch ich als Kind mit meinen Eltern oft war. Ich glaube sogar, den Skihang und die Berge wiederzuerkennen.

Unzählige Bilder finden sich auf dieser Wand: Ich sehe Hochzeitsfotos, ein kleines Kind, wenige Monate alt, auf einem Schaffell, Urlaubsschnappschüsse vom Baden im See. Hunderte aber hunderte Gesichter – alle sind unbeschwert, fröhlich, ausgelassen, manche liebevoll richtig zärtlich. Auf vielen Fotos stehen Namen, auf manchen auch ein Stück Familiengeschichte.

Die Fotos wurden im KZ Auschwitz-Birkenau gefunden – nach der Befreiung. Die Zwangsdeportieren – meist Juden - hatten sie mit ihrem letzten Hab und Gut mitgebracht, hier ins KZ. Nun hängen sie dort an der Fotowand, da wo früher die Gaskammern waren. Die Bilder sprechen für sich. Ich lausche gebannt einer Frau aus Polen, die eine Gruppe von Schülern aus NRW durch das Vernichtungslager führt:

O-Ton: Das sind Privatfotos der ermordeten Juden. Das sind Juden aus Schlesien (…) Da waren viele Ghettos (…) und von Ghettos kamen Abtransport in die Vernichtungsslager. Ungefähr 2.000 Fotos wurden in einem Koffer auf dem Gelände der sogenannten Canada-Barracken nach dem Krieg gefunden.

Autor: Die Nazis wollten die Erinnerung an diese Menschen unwiderruflich auslöschen. Nun haben zumindest einige der 1,1 Millionen Menschen, die hier äußerst brutal umgebracht wurden, wieder ein Gesicht, einen Namen. 1,1 Millionen Menschen, die hier vergast und verbrannt wurden, Menschen, so wie ich. Voller Lebensglück, Pläne und Träume. Und ich überlege mir: Welche Fotos hätte ich in meinen Koffer gepackt auf einer Reise, wo ich nicht weiß, wo sie hinführt? Diese Fotowand lässt einen urplötzlich spüren, was im Leben wirklich wichtig ist. Familie, die eigenen Kinder, ein Partner, der einen liebt und auch der ganz normale Alltag. Das alles ist so unendlich viel wert!

O-Ton: Und das sind schöne Fotos aus dem Alltagsleben. Sie zeigen normale, lebende Juden. Juden auf diesen Fotos, man kann erkennen, führen eigenes Leben, sie sind verliebt, sie feiern Hochzeit, Geburtstag, sie bewundern Schönheit der Natur (…) 700 Juden auf den Fotos ließen sich identifizieren. Wir kennen ihren Namen, ihre Adresse. Also, diese Ausstellung ist sehr wichtig, weil das sind konkrete Gesichter und wenn Namen sind zusätzlich bekannt, keine namenlosen Opfer.

Autor: Ich denke an den Propheten Jesaja im Alten Testament. Da heißt es: „Gott spricht: Ich habe dich bei deinem Namen gerufen, du bist mein.“ Vielleicht ist diese Fotowand in Auschwitz-Birkenau ein Zeichen dafür, dass Gottes Wort, nach dem so viele an diesem Ort vergeblich riefen, doch Bestand hat. „Ich habe dich bei deinem Namen gerufen, du bist mein.“ Keiner ist vergessen – zumindest bei Gott. Und mit Blick auf die Opfer höre ich die Botschaft: Dass, was Menschen hier anderen angetan haben, das darf sich niemals wiederholen!

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