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Kirche in WDR 3 | 07.06.2017 | 07:50 Uhr

Lebensbuch

Guten Morgen,

manchmal wenn ich an einem dieser Passbildautomaten am Bahnhof vorbeikomme, fällt mir eine Szene aus dem Film „Die fabelhafte Welt der Amélie“ ein. Das ist dieser wunderbar verrückte Film über eine junge Frau in Paris. Gleich zu Anfang gerät Amelie in einer Bahnhofshalle ein Buch in die Hände. Es gehört einem jungen Mann. Doch kaum dass die zwei den berühmten „ersten Blick“ gewechselt haben – verschwindet er wieder und lässt das Buch zurück. Es ist ein Fotoalbum mit zerknickten und zerrissenen Passfotos von verschiedenen Personen. Jedes mühsam zusammengepuzzelt, bevor es eingeklebt werden konnte. Es sind allesamt misslungene Fotos. Zu irgendeinem Zweck aufgenommen und dann an Ort und Stelle weggeworfen. Aussortiert weil das Bild nicht gefiel. Weil es einfach nicht passte, weil man so ein Bild nun wirklich keinem zumuten konnte - schon gar nicht sich selbst.

So zerrissen und wieder zusammengepuzzelt wie sie jetzt in dem Album kleben, da sind die Fotos alle schön. Sie sind schön, obwohl - nein weil, die Gesichter mit ihren Rissen und Knicken vom Leben erzählen. Von Mühe und Scheitern. Von Hoffnung und Pech. Und sie sind schön, weil sie von der Mühe erzählen, die der Besitzer des Buches für die Bilder aufgebracht hat. Wieviel Geduld muss es gekostet haben, sie zu finden und aufzusammeln aus dem Mülleimer neben den Passbildautomaten, sie zu säubern und zu glätten, und schließlich die Schnipsel zusammenzusetzen, bis ein Gesicht entsteht. Eines, das mit seinen Rissen und Knicken von der Schönheit und Würde des Lebens erzählt.

In der Bibel lese ich von einem „Buch Gottes“, das im Himmel ist. Alle Tage unseres Lebens heißt es, seien darin aufgeschrieben (Psalm 139,16). Da denkt man vielleicht zuerst an so ein Buch wie es früher der Nikolaus dabei hatte und nachschlug, ob man auch artig war.

Und wie nun, wenn ich mir Gottes Buch, als so ein fabelhaftes Fotoalbum wie das im Film vorstellen darf? Ein Buch in dem gerade die Bilder von mir aufbewahrt sind, die in meinen Augen nur zum Wegwerfen und Zerreißen taugen? Ein Buch in dem auch die Bilder Platz haben, die ich aus der Hand geben musste oder die aus dem Rahmen fielen? Ein Buch in dem sie Recht und Würde und Schönheit finden?

So jedenfalls verstehe ich Jesus. Einmal erzählen ihm seine Jünger, was ihnen gerade Großartiges und Glänzendes gelungen ist. Sie schneiden ziemlich auf. Da sagt Jesus: Es kommt auf etwas ganz anderes an. Freut euch nicht darüber, „freut euch aber, dass Eure Namen im Himmel aufgeschrieben sind.“ (Lukas 10,20)

Und wenn ich wieder mal an so einem Passbildautomaten vorbeikomme, stelle ich mir Gott wie diesen jungen Mann im Film vor: Einen, der sich die Mühe macht, die Fetzen meiner Selbstbilder und Fehlentwicklungen aufzuheben. Der sie ordnet und mit Liebe zusammenfügt, was mir zerrissen, verloren und verworfen vorkommt. Und ich stelle mir vor, dass ich einmal in diesem Buch des Lebens blättern darf.

Ich glaube, dann werde ich mich nicht wiedererkennen; aber ich werde mich anders kennen. Ich werde mich erkennen, wie Gott mich kennt – und ich werde mich freuen.

Einen fabelhaften Tag wünscht Ihnen Ihr Jan-Dirk Döhling aus Bielefeld.

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