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Sonntagskirche | 25.05.2014 | 08:55 Uhr

Lebensgespräch mit Gott

Bauer Schulte kniete unter dem Apfelbaum nieder. Seine Frau war schwer erkrankt. So begab er sich in seinen Garten, legte unter freiem Himmel seine kräftigen Hände zusammen und sprach: „Herrgott, du weißt, ich bete sonst nicht. Aber nun werde ich dazu getrieben. Ich habe große Angst, dass meine Frau stirbt. Mach, dass sie wieder gesund wird. Wenn du das tust – das verspreche ich dir – werde ich dich so bald nicht wieder mit einem Gebet belästigen. Amen.“

Ein Bauer und sein Gott. Die höheren Herrschaften soll man möglichst in Ruhe lassen. Und den Allerhöchsten allemal. „Gehe nicht zu deinem Fürsten, wenn du nicht gerufen wirst“ – sagt eine alte Bauernweisheit. Das ist nicht ohne Logik. Je seltener man seinen Fürsten mit Bitten nervt, desto eher wird eine Bitte erfüllt. Das gilt für alle Chefs. Doch - ist das auch die Logik bei Gott?

Liebe Hörerin, lieber Hörer, letztes Jahr war ich in einem weltlichen Kloster, säkularisiert seit mehr als 200 Jahren. Heute ist das eher ein Ort für Kultur, Tagungen und Seminare. So hatte auch die Industrie- und Handelskammer zum „Klosterforum“ eingeladen, nicht ein klösterlicher Orden. Spitzenleute aus der Wirtschaft waren da. Es ging um „Vertrauen und Kontrolle“. Wir hielten Referate mit anschließenden Diskussionen. Doch wie intensiv die Debatte auch war, plötzlich wurde der Redefluss unterbrochen. Die Klosterglocke läutete zur Hora. Musikfreunde der Abtei gestalteten das Stundengebet für uns.

Unterbrechung also. Ohne Spannung ging das nicht ab. Es fällt richtig schwer, still zu werden, wenn man noch so viel zu sagen hätte. Doch so will es die Klosterregel. Das Gebet unterbricht die Tagesordnung der Welt. Und unterbricht auch jeden Redefluss –mag der noch so wichtig erscheinen. Vorrang hat das Gebet. So wollten es auch die Leute aus der Wirtschaft. Das Läuten der Glocke verschaffte dem Gebet Zeit und Raum. Und auch den Menschen. Firmenchefinnen und chefs spüren alltäglich den Schraubstock der Zeit. Hier wurde die Spannung gelöst. Gebet ist heilsame Unterbrechung.

Diese heilsame Unterbrechung habe ihnen richtig gut getan, sagten die Wirtschaftsleute zum Abschluss. Und fragten – mehr sich selbst als in die Runde: Warum unterbrechen wir unseren normalen Alltag nicht? Warum nehmen wir nicht jeden Tag ins Gebet?

Beten kann man doch jederzeit: beim Essen, vor einem Gespräch oder danach, bei einer wichtigen Entscheidung, wenn etwas gelingt oder fehlschlägt, bei Streit und Auseinandersetzungen, wenn man erst mal Luft holen muss oder auch Kraft braucht für eine Entschuldigung.

Jeden Tag ins Gebet nehmen. So wird Beten zum Lebensgespräch mit Gott. Alles kann ich vor Gott bringen. Zu jeder Zeit. Auch das, was ich keinem Menschen erzählen würde. Mit meinem Gebet gehe ich ja nicht zum Fürsten oder einem anderen hohen Tier, wie der Bauer meinte. Mit meinem Gebet wende ich mich an Gott. Zu dem ich - mit Jesus - Du sagen kann und Abba, lieber Vater. Wer sich so anreden lässt, der wird auch hören und verstehen, was ich auf dem Herzen habe.

Einen gesegneten Sonntag als heilsame Unterbrechung wünscht Ihnen Ihr Pfarrer Alfred Buß aus Unna.

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