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Kirche in WDR 4 | 20.08.2015 | 08:55 Uhr

Lebensläufe

Autor: Guten Morgen,

wie verschieden sind die Lebensläufe der Menschen! Selbst in den vorangegangenen Jahrhunderten, als es weniger Wahlmöglichkeiten gab als heute, als der Sohn eines Schusters auch Schuster wurde und die Tochter wie die Mutter lebte, gab es kein Leben, das einem andern glich. Immer zeichneten sich auch die äußeren Lebensumstände in die Biographien ein. Da gab es Kriege, die das Leben gefährdeten oder lange Friedenszeiten. Da gab es Missernten oder gute und milde Jahre. Es gab Epidemien, die weite Landstriche fast vollständig entvölkerten und die Entwicklung von Arzneien, die Heilung und Schutz möglich machten.

Bei aller Verschiedenheit gibt es aber auch vieles, das ich in allen Lebensläufen finde. Jeder Mensch wird geboren – und einmal stirbt er auch. Jeder war mal Kind und wächst heran. Wir alle brauchen die Erfahrung, geliebt zu werden. Nachweislich. Kaiser Friedrich II. von Hohenstaufen machte dazu im 13. Jahrhundert einen merkwürdigen Versuch. Eigentlich wollte er die ursprüngliche Sprache der Menschheit herausfinden. Er meinte, dass der Mensch, wenn niemand mit ihm spricht, von selbst anfängt zu reden, und zwar Hebräisch. Das sei die menschliche Ursprache. Deshalb ließ er Neugeborene seinen Müttern wegnehmen und von Ammen ernähren. Diese durften aber auf keinen Fall mit den Babys sprechen. Das Ergebnis war schrecklich: Die Kinder begannen gar nicht zu sprechen, sie starben bald. Der Kaiser erkannte, was wir heute wissen. Ohne Zuwendung und ohne liebevolle Worte wächst kein Mensch heran.

Wenn ein Mensch achtzig oder sogar neunzig Jahre alt ist und einen erfüllten Lebenslauf hatte, kommt uns das lange vor. Was aber sind schon neun Jahrzehnte, wenn ich es vergleiche mit der Geschichte der Welt oder sogar der Ewigkeit Gottes? Da könnte man resignieren: Das ist wenig Zeit, das ist ja nur ein Augenblick, wie der Flügelschlag eines Vogels. Ein altes Gebet der Bibel, das Mose zugeschrieben wird, fasst diese Gedanken in Worte. Es fragt nach der Hoffnung angesichts unserer Vergänglichkeit. So betet Mose:

Sprecher/in: „Herr, du warst unsere Zuflucht von Geschlecht zu Geschlecht. Ehe die Berge geboren wurden, die Erde entstand und das Weltall, bist du, o Gott, von Ewigkeit zu Ewigkeit. Du lässt die Menschen zurückkehren zu dir und sprichst: ‚Kommt wieder, ihr Menschen’. Denn tausend Jahre sind für dich wie der Tag, der gestern vergangen ist, wie eine Wache in der Nacht.“ (Psalm 90,1f.)

Autor: Für Gott sind tausend Jahre wie für uns ein Tag. Bei ihm gibt es ein anderes Zeitmaß. So betet Mose weiter und bittet Gott, den Herrn der Zeit: Lehre mich, die Vergänglichkeit des Lebens zu bedenken. Erinnere mich immer wieder daran, damit ich klug werde und nicht vergesse, dass ich am Ende zu Gott zurückkehre.

Wer weiß, vielleicht hat Gott selbst dreitausend Jahre später dem evangelischen Dichter Matthias Claudius die Feder geführt bei seinem Gedicht über den typischen Lebenslauf des Menschen. Eine Erinnerung:

Sprecher/in:

Empfangen und genähret

Vom Weibe wunderbar

Kömmt er und sieht und höret,

Und nimmt des Trugs nicht wahr:

Gelüstet und begehret,

Und bringt sein Tränlein dar;

Verachtet, und verehret;

Hat Freude, und Gefahr;

Glaubt, zweifelt, wähnt und lehret,

Hält nichts, und alles wahr;

Erbauet, und zerstöret;

Und quält sich immerdar;

Schläft, wachet, wächst, und zehret;

Trägt braun und graues Haar.

Und alles dieses währet,

Wenn's hoch kommt, achtzig Jahr.

Denn legt er sich zu seinen Vätern nieder,

Und er kömmt nimmer wieder.

(Der Mensch, Matthias Claudius, Sämtliche Werke, Wissenschaftliche Buchgesellschaft Darmstadt 1996, Seite 248)

Autor: Kommen Sie heute gut durch Ihren Tageslauf. Das wünscht Ihnen Albrecht Philipps, Pfarrer in Ochtrup und Metelen.

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