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Kirche in WDR 4 | 15.04.2014 | 08:55 Uhr

Lebensspuren

„Wie jede Blüte welkt und jede Jugend / Dem Alter weicht, blüht jede Lebensstufe, / Blüht jede Weisheit auch und jede Tugend / Zu Ihrer Zeit und darf nicht ewig dauern.“ So beginnt ein Gedicht von Hermann Hesse. Und manchmal denke ich, in dieser Woche vor Ostern, der Karwoche – da sind alle diese Lebensstufen drin. Ganz komprimiert wie in einer Nussschale.

Gestern war Montag, der Anfang, die Kindheit, die Jugend, der Beginn. Kein Leben ist auf Anhieb erfüllt und perfekt. Alles muss wachsen, und reifen und sich entwickeln. So wie diese Woche, die noch jung und neu ist und erwartungsfroh macht. Es muss diese Zeiten im Leben geben: Da sind noch viele Träume unerfüllt und es ist noch Zeit, einfach mal was auszuprobieren: ein Studium, eine Ausbildung, ein neues Land, Freundschaften.

Denken Sie einmal, liebe Hörerinnen und Hörer, an Ihre eigene Kindheit und Jugend: Wie gut, wenn es Menschen gab, die Ihnen Freiräume zum Ausprobieren gaben. Schmerzlich aber auch, wenn man schon früh festgelegt und eingeengt wurde. Jesus hat als Jugendlicher dieses Wachsen und Reifen auch gebraucht. Auch er war noch nicht von Anfang an der, der er gegen Ende seiner letzten Lebenswoche werden sollte. Es gibt wenige Geschichten über ihn aus seiner Jugend. Aber eine erzählt ausführlich davon, wie Jesus sich selbst im Tempel erst hat finden müssen. Wie er dort erkannt hat, dass er ein besonderer Sohn eines ganz besonderen Vaters ist.

Morgen ist Mittwoch und die nächste Stufe des Lebens erreicht. Das ist so etwas wie der Mittag, der Höhepunkt des Lebens. Inzwischen sind Weisheit und Tugend gereift. In der Lebensmitte haben wir Erfahrungen gemacht mit Menschen, mit Aufgaben, mit Herausforderungen, mit uns selbst. Wir können manche Erfolge vorweisen und wir schauen auf Unvollkommenes zurück. Jesus ist nicht sehr alt geworden. Nur 30 Jahre etwa. Doch von dem, was er gelebt und getan hat, spricht man bis heute. Er machte froh und heilte. Er half Menschen, die richtigen Wege zu finden. Und sorgte dafür, dass es gerecht zugeht.

Aber auch diese seine Lebensblüten welkten eines Tages. Der Donnerstag in der Karwoche ist traditionell dem Thema des Abschiednehmens gewidmet. Wenn etwas zu Ende geht: unsere Arbeit, Hoffnungen, Beziehungen zu Menschen, dann sind das oft schmerzhafte Trennungen. „Es muss das Herz bei jedem Lebensrufe / Bereit zum Abschied sein und Neubeginne, / um sich in Tapferkeit und ohne Trauern / In andere, neue Bindungen zu geben.“ So beschreibt Hermann Hesse diese abschiedlichen Zeiten als eine Mischung aus Trennung und Aufbruch. Ja, am Gründonnerstag ist auch Jesus tapfer. Er ahnt, was auf ihn zukommen wird. Und so verschenkt er sich selbst in einer Mahlzeit an seine Freunde, die er zurücklassen muss.

Dann der Freitag, der Karfreitag, der liebe, wichtige, hohe Tag, an dem das Wachsen und Reifen zunächst ihr Ende finden. Wenn ein Menschenleben zu Ende geht, stirbt eine ganze Welt, sagen wir dann. Und grausam geht es dabei manchmal zu auf den Hügeln dieser Welt. Jesus hat gelitten und geschrieen auf dem Hügel Golgatha. Und Gott antwortete nicht. Am Samstag noch immer nichts als Grabesruhe. Es wäre schön, wenn auch wir uns am Samstag diese Zeit der Stille und des Nachdenkens nehmen würden. Noch ist nichts sichtbar von der Auferstehung, und doch schlummert schon im Verborgenen ein Keim neuer Hoffnung.

Und da läuten auch schon am Sonntag in aller Herrgottsfrüh die Osterglocken, und ein Grab öffnet sich und ein Duft neuen Lebens streicht über unser ganzes Leben und verändert es in etwas Ewiges. Dann sind wir zu Hause. Dann ist alles erfüllt. Dann lebt Jesus und wir mit ihm. Und Hermann Hesses Gedicht endet deshalb nicht ohne Grund mit den Zeilen: „Und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne, / Der uns beschützt und der uns hilft, zu leben.“

Es verabschiedet sich von Ihnen Pfarrer Max Koranyi aus Königswinter, der Sie gerne auch weiterhin auf dem Weg durch diese Woche begleitet.

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