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Kirche in WDR 2 | 09.12.2016 | 05:55 Uhr

Liebe

Autor: Es wird erzählt, dass fünf Mönche in die Einsamkeit zogen, in eine Höhle tief im Wald. Dort wollten sie in Ruhe über eines der wichtigsten Gebote der Bibel nachdenken. „Liebe deinen Nächsten wie dich selbst“ aus dem Alten Testament. (3. Mose Kap. 19, Vers 18).

Mit dabei war der Abt, also der Klostervorsteher, und dessen Bruder und sein bester Freund. Dazu aber auch der ärgste Feind des Klostervorstehers – auch das soll es unter Mönchen geben. Und noch ein ziemlich unnützer Mönch. Einer, der die meiste Zeit pennte und nichts, eigentlich gar nichts beitrug zum Miteinander. Höchstens, dass er den anderen Geduld mit ihm beibrachte. Sie alle zogen sich nun zurück, um in Ruhe über die Liebe und Nächstenliebe zu meditieren.

Doch das Leben läuft manchmal anders. Verbrecher kamen in den Wald, wird erzählt. Sie waren auf der Flucht vor ihren Verfolgern. Und sie suchten sich gerade die Höhle der Mönche als Zuflucht aus. Die flüchtigen Verbrecher beschlossen nun rasch, alle Mönche zu töten. Doch der Abt verhandelte mit ihnen. Und er konnte erwirken, dass sie alle freiließen – bis auf einen. Der müsse sein Leben lassen, als Drohung, damit die anderen nicht das Versteck verrieten.

Wer sollte das nun sein? Wer war es wert, geopfert zu werden? Beziehungsweise muss die Frage wohl eher lauten: Wer war am wenigsten wert? Der persönliche Feind? Vielleicht auch der Faule? Oder ist es am Ende nicht am angemessensten, wenn der Ranghöchste, also der Abt sein Leben für die Mitbrüder lässt? Jeder Mönch dachte für sich selbst nach. Und gemeinsam diskutierten sie. Schwere Fragen …

Am Ende trat der Abt vor die Verbrecher und erklärte: „Wir haben uns auf keinen einigen können. Jeder von uns hat denselben Wert und da darf ich auch mich selbst miteinschließen. Wir haben das lange, von allen Seiten aus beleuchtet und können leider zu keinem anderen Ergebnis kommen.

Die Verbrecher, das mag erstaunen, ließen ab von den Mönchen. Es wird sogar erzählt, sie hätten sich dem Kloster angeschlossen. Das klingt ja fast zu schön, um wahr zu sein! Doch zum ersten Mal hatten sie in ihrem Leben etwas für sie ganz Neues erfahren: Es gibt auch ein Leben ohne die Unterscheidung, hier eindeutig die Guten, da die Schlechten. Und wer seinen Nächsten liebt – und jeder Mensch möchte ja irgendwann auch gerne mal seine Liebe einem anderen schenken –, der darf und sollte das auch für sich selbst in Anspruch nehmen. Eben: „Liebe deinen Nächsten wie dich selbst!“

DieVerbrecher hatten gespürt, und vielleicht auch das zum ersten Mal: Welche innere Freiheit der Mensch gewinnt, wenn er ein Gespür dafür bekommt, dass jeder Mensch wertvoll ist – und man selbst eben auch. Und noch etwas ganz Wichtiges: Keiner und schon gar nicht Gott schreibt dir vor: Du musst dich opfern, aufopfern für Deine Freunde, für deine Bande, für deine Familie.

Die Geschichte von den Mönchen klingt wie ein Märchen. Aber je mehr ich drüber nachdenke, desto mehr spüre ich, wie sehr sie mit mir zu tun hat. „Liebe deinen Nächsten wie dich selbst.“ Ja, welche innere Freiheit gewinnt der Mensch, wenn er sich auf dieses Denken einlässt!

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