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Das Geistliche Wort | 04.06.2017 | 08:35 Uhr

„Lieber begeistert als geistlos“

GV Meiering:

Guten Morgen, ich bin Dominik Meiering, Generalvikar im Erzbistum Köln. Klar – was Pfingsten bedeutet – als Stellvertreter des Bischofs sollte man das wissen. Aber Theorie und Praxis, das ist was Unterschiedliches. Pfingsten ist die Herabkunft des Heiligen Geistes, also die Gegenwart Gottes bei den Menschen. Aber was mich interessiert, das ist die Praxis: Ob ich das heute auch noch erfahren kann, womit man das vergleichen kann, dass Gott da ist. Gott den niemand von Angesicht zu Angesicht gesehen hat. Und so habe ich mich auf die Suche gemacht, habe Menschen aufgesucht, um herauszufinden: Wie zeigt sich Gott im Heiligen Geist?

Als erstes bin ich in den Kölner Dom gegangen – denn, der liegt ja auch vor meiner Haustür. Und da habe ich den Domorganisten getroffen, Professor Bönig. Professor Bönig hat mich auf eine Spur gebracht, womit man den Heiligen Geist vergleichen kann, welche Zeichen es für den Geist Gottes gibt:

O-Ton: Windbrausen und Gespräch GVM mit Prof. Bönig.

GV Meiering: Ja, das Brausen, das man hier gerade Hören kann, ich find das begeisternd. Herr Professor Bönig, die Orgel hier im Kölner Dom, da ist doch richtig Wumm hinter.

Bönig: Ja, ja, das ist ja erst der Blasebalg, der die Pfeifen mit Wind versorgt. Da kommt noch viel mehr.

GV Meiering: Dann spielen Sie doch mal was.

Musik I: O-Ton: Orgelmusik und Fortsetzung Gespräch.

GV Meiering: Großartig! Das ist eine Erfahrung, die ich schon als kleiner Junge gemacht habe: das Brausen, das Klingen der Orgel. Wenn ich daran denke, mit acht Jahren bin ich damals in den Domchor gekommen und habe hier neben dieser Orgel gestanden und gesungen.

Bönig: Das war bei mir ganz ähnlich, auch als Junge hat mich das vom ersten Augenblick an gefesselt.

GV Meiering: Und für mich ist das heute noch Mal ein erhebender Augenblick: Hier in dem wunderbaren Dom, in der Weite des Raumes. Und dann dieser Orgel hier.

Für mich hat das auch etwas mit Gott zu tun – auch wenn mir das erst ein bisschen später aufgegangen ist –mit dem Heiligen Geist, mit dem Pfingstfest.

In der Bibel wird z.B. immer wieder erzählt von dem Wind, der plötzlich da ist. Da heißt es hier in der Lesung am Pfingstfest (Apg 2,2): „Da kam plötzlich vom Himmel her ein Brausen, wie wenn ein heftiger Sturm daherfährt, und erfüllte das ganze Haus.“ Oder im Alten Testament ist Gott da als leises Säuseln, als nämlich Gott dem Propheten Elija am Berg Horeb erscheint (Vgl. 1 Kg 19,12). Der Wind ist ein Zeichen für das Wirken Gottes.

Bönig: Und den Wind, den kennt die Orgel auch. Man spricht nämlich nicht von Luft, Luft ist was Stehendes, etwas Langweiliges. Aber der Wind ist das, was bewegt, was bei der Orgel den Klang macht und was eben dann auch ein Sinnbild sein kann.

GV Meiering: Und deshalb ist die Orgel ein „göttliches“ Instrument.

Bönig: Oder da wird vom Atem Gottes gesprochen. Und das hat auch wieder mit Wind zu tun. Gott haucht dem Menschen das Leben ein. Und wenn wir singen und mit unserer Stimme was zum Klingen bringen, ist das auch Wind, der benötigt wird, und der wichtig ist, damit alles überhaupt zum Klingen kommt. Wenn wir singen, strömt der Atem durch unsere Lungen und bringt Klang hervor.

GV Meiering: Ich finde das einen ganz wunderbaren Gedanken: Gott ist immer und überall gegenwärtig, so wie der Wind oder der Atem. Ich nehme ihn vielleicht gar nicht wahr, und ich kann ihn nicht fassen, aber er ist trotzdem da. – Und jetzt bitte, Professor Bönig, noch mal irgendwie etwas Ordentliches an der Orgel mit richtig Schmackes …

Musik II: O-Ton: Orgelmusik (Improvisation Prof. Bönig).

GV Meiering: Auf der Suche nach der Antwort: Wie zeigt sich Gott im Heiligen Geist habe ich auch Kinder interviewt.

O-Ton: Interview mit Kindern zum Heiligen Geist.

Verschiedenes Kinder:

Ich glaube ein Geist.

Etwas Schönes das halt in jedem ist.

Er ist auch sehr nett und es ist halt nicht so richtig eine Person sondern mehr so ein Geist.

Ich würde sagen, es ist Gott - also Gott, Jesus und der Hl. Geist.

Also, ich weiß, dass der Heilige Geist Jesus ist und wenn ich mich verletze oder so, dann hört es auch wieder auf, weil der mir dann hilft.

Also, ich weiß vom Heiligen Geist, das er in Jedem drin ist und... nur man kann ihn nicht sehen und fühlen. Der bringt auch oft Freude und er wird oft als Taube bezeichnet und als Frieden auch.

Ja, von Frieden oder das alle Menschen glücklich sind - oder so ungefähr.

GV Meiering: Sind diese Kinderstimmen nicht herrlich? Das sind Antworten auf die Frage: ‚Was ist das eigentlich, der Heilige Geist?‘ Wie unbekümmert die Kinder versuchen, Antwort auf diese schwierige Frage zu geben. Der Heilige Geist: ein Gespenst? eine Taube? Wer wie was, wieso weshalb warum?

Aus meiner Erfahrung früher als Jugendseelsorger kann ich sagen: Es ist nicht einfach, jungen Menschen zu erklären, dass der Heilige Geist keine Taube und schon gar kein Gespenst ist. Aber eines ist mir bei Jugendlichen immer gelungen: Ihnen zu erklären, dass der Heilige Geist – wenn er da ist – etwas bewirkt. Man kann den Heiligen Geist nicht sehen, aber seine Wirkungen wahrnehmen.

Das ist wie mit dem Licht. Man kann Licht nicht sehen. Was man sehen kann, ist die Reflexion des Lichtes!

Noch einmal: Man kann den Heiligen Geist nicht sehen, nicht festhalten, nicht begreifen so wie Kinder die Dinge sehen und begreifen wollen. Aber der Heilige Geist ist da. Ich kann aber seine Wirkung erkennen! Irgendwann hat mich mal ein Jugendlicher darauf gebracht. Der sagte zu mir: „Na klar, das ist wie Teamgeist“. Wenn man sich einig ist, wenn man eine gemeinsame Linie, eine gemeinsame Meinung hat. Wenn der eine für den anderen eintritt, dann haben sie Teamgeist, sie sind „eines Geistes“, sie haben „denselben Geist“. Klasse, wie dieser junge Mann etwas vom Geist verstanden hat.

Mir fällt dazu ein, was Jesus einmal gesagt hat: „Ich und der Vater sind eins.“ Sie sind eines Sinnes, eines Geistes. Sie sind in demselben Geist miteinander verbunden, dem Heiligen Geist. Anders formuliert: Jesus hat erkannt, dass dieser unendliche und ewige Gott nicht fern ist von den Menschen, sondern dass er ganz nah ist. Dass er im Menschen ist. „Gott ist Geist“ heißt es daher im Johannesevangelium (Joh 4,24). Mit seinem Geist ist Gott im Menschen da.

Und darum geht es den Christen an Pfingsten: Zu begreifen, dass jeder Mensch mit Jesus eines Geistes sein kann. Oder noch mal anders formuliert: Jeder Mensch kann nach dem Willen des Vaters im Himmel suchen. Es geht darum, dem göttlichen Geist nachzuspüren. Das ist die Art und Weise wie der dreifaltige Gott heute bei den Menschen ist: In den Menschen, die nach seinem Geist, nach dem Teamgeist Gottes fragen, der letztlich alle Menschen wie in einer Menschheitsfamilie wieder vereinen kann.

Damals an Pfingsten in Jerusalem bei den Jüngern Jesu scheint sich das wohl ereignet zu haben. Fünfzig Tage nach Ostern haben sich Menschen aus aller Herren Länder in Jerusalem versammelt. Und sie verstehen sich, obwohl sie eine unterschiedliche Kultur haben, unterschiedliche Sprachen sprechen, ja sogar unterschiedliche Religionen haben. In der Bibel steht (Apg 2,3), es seien „Zungen wie von Feuer“ über ihren Köpfen gewesen. Für mich bedeutet das: Da war ein Strahlen auf den Gesichtern der Menschen, da war feurige Begeisterung, geistvoll knisternde Stimmung. Die Menschen müssen damals verstanden haben: Gott ist nicht fern, sondern er ist gegenwärtig. Da, wo Menschen so denken, reden und handeln wie Jesus, wird Gottes Geist erlebbar.

Für mich heißt das: Wo Menschen im Heiligen Geist miteinander unterwegs sind, da wird Gott ganz konkret erlebbar. Da kriegt Gott Hand und Fuß. In jedem, der den Heiligen Geist ergreift, wird Gott greifbar.

Musik III:

GV Meiering: Ich habe mich oft gefragt: Warum fahren die Menschen eigentlich am liebsten in die Berge oder ans Meer in den Urlaub? Mir geht es übrigens genauso. Ich mag eigentlich beides ganz gern. In den Bergen, da steige ich gerne auf einen hohen Gipfel. Und wenn ich dann völlig erschöpft oben ankomme lasse ich den Blick schweifen in die Ferne: ein großartiges Gefühl. Oder am Meer, das ist ja mehr als bloß Schwimmen und Plantschen – das geht nämlich auch im Schwimmbad. Am Meer ist es die Weite des Raumes, der Horizont, der unendlich erscheint, die Größe des Himmels. Für mich ein Ewigkeitsmoment!

Ich mache mich innerlich frei von allen Begrenzungen und fühle mich plötzlich unendlich und ewig. Ich spüre eine neue Gelassenheit und Freiheit, die mich befähigt, als neuer Mensch durch diese Weltgeschichte zu wandern. Ich bin plötzlich ein anderer Mensch.

Und genau diese Erfahrung der Weite des Himmels lässt mich erahnen, worum es auch beim „Vater unser“ geht. Dem Gebet, das Jesus mit seinen Wegbegleitern gesprochen hat. ‚Vater unser im Himmel‘ heißt es da. Den Vater – also Gott – verstehe ich wie den Himmel: unendlich und ewig und gleichzeitig überall gegenwärtig. Und damit auch auf Erden.

Den Himmel erden, den Himmel auf die Erde holen. Und darum geht es auch Pfingsten. Der ewige und unendliche Gott wird plötzlich als gegenwärtig empfunden, wird im hier und jetzt erlebbar. Den Himmel erden.

Musik IV:

GV Meiering: Noch eine Erfahrung, die mir das Pfingstfest, die Gegenwart Gottes im Heiligen Geist näher bringt: Ist das nicht großartig, wenn man in begeisterte Gesichter schaut. Zum Beispiel im Fußballstadion oder bei einem Konzert oder bei einer Geburtstagsfeier. Menschen, die einfach begeistert sind. Da steckt das Wörtchen „Geist“ drin. Das heißt: Da ist gerade irgendwie ein Geist da, der das Herz zum Schwingen und zum Beben bringt, der irgendwie etwas auslöst, etwas Freudenvolles, etwas Überspringendes, etwas, was den Alltag durchbricht. Und genau darum geht es an Pfingsten. Es geht um einen Geist, der eben den Alltag durchbricht, der wirklich Freude schafft, Frieden schafft, der ein Fest ermöglicht. Und stark finde ich dabei: Egal was das für Menschen sind, ich spüre: Es gibt einen Geist, der durch diese Menschen wirkt – so unterschiedlich sie auch sein mögen.

Manchmal schaue ich auf mich und auf die Christen unserer Tage. Und ich frage mich: Was wäre, wenn wir heute nur mit halb so viel Begeisterung unterwegs wären, wie die Apostel damals. Ich denke manchmal: Die Christen unserer Zeit sind müde geworden und von Begeisterung ist nur hier und da etwas zu spüren. Für mich ist das ein Stachel im eigenen Herzen. Wie lebe ich meinen Glauben? Bin ich wirklich noch begeistert oder ist mein Glaube nur eine Gewöhnung oder eine eingeübte Pflicht? Oder gibt es wirklich Augenblicke und Orte wo ich merke, da bin ich begeistert? Da habe ich das Gefühl, diesen Geist der Freude und der Begeisterung in mir, da brennt was?

Heute, an Pfingsten ist so ein Tag, an dem ich den Geist in mir neu entfachen will – Gott sei Dank für seinen Geist.

Es grüßt Sie aus Köln

Ihr Generalvikar Dominik Meiering

Musik V:

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