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Hörmal | 28.08.2016 | 07:45 Uhr

Lieber gut als perfekt

„Die Welt ist eine merkwürdiger Ort“, so heißt die Rubrik in einem politischen Magazin, das ich gerne lese. Eine klasse Idee, finde ich. Da werden von den Korrespondenten vor Ort Kuriositäten aus aller Welt ausgebreitet, lebensgroße Puppen als Maskottchen und Kinderersatz in Thailand zum Beispiel. Merkwürdig für uns, wenn Erwachsene einer Puppe so viel Liebe schenken, dort scheint es normal zu sein. Dafür gibt es bei uns andere Merkwürdigkeiten: Für mich ist das zum Beispiel die Sehnsucht nach Superlativen und dem Hundertprozentigen! Alles soll immer perfekt sein! Aber wieso eigentlich?

Der perfekte Urlaub für die angeblich schönste Zeit des Jahres, der perfekte Bikini-Body, den ich durch knallhartes Training bekomme, der perfekte Partner oder die Partnerin, die mir eine Agentur vermitteln will, Hauptsache die Matching Points stimmen! Und anschließend die perfekte Hochzeit. Was für eine Inflation! Wer weiß, ob nicht auch irgendein Beerdigungsunternehmen die perfekte Bestattung anbietet. Das ganze Leben eine Jagd nach Selbstoptimierung und Perfektion – wie soll das glücklich machen?

Ich glaube, das ist eine Illusion! Und was noch schlimmer ist: Sie entwertet den Alltag, den jeder und jede von uns hat, mit seinen schönen und schwierigen Seiten: es gibt Streit in der Familie und man versöhnt sich wieder, die Prüfung geht daneben und man macht einen neuen Anlauf, eine Beziehung scheitert und irgendwann hat man die Traurigkeit überwunden. Immer perfekt? So ist das Leben einfach nicht. Vor allem aber: Dieser Perfektionismus ist ein völlig unnötiges Korsett - da muss man sich überhaupt nicht reinpressen, um glücklich zu sein! Oder anerkannt. Oder geliebt. Ganz im Gegenteil!

Und wer bestimmt überhaupt, was perfekt ist? Ich finde, es lohnt sich, die Hollywoodbrille mal ein Weilchen abzusetzen. In der Bibel gibt es im 1. Buch Mose die Schöpfungsgeschichte. Da heißt es, nachdem Gott die Erde, Pflanzen und Tiere geschaffen hatte (Zitat): „Und Gott sah, dass es gut war.“ - Es war gut. Und das war genug. Auch wenn Naturwissenschaftler heute gerne davon sprechen, wie perfekt die Natur und das Ökosystem sind. Der Schöpfer selbst war da offenbar bescheidener.

Auch Jesus lässt sich nicht vor den Karren der Perfektionisten spannen. „Liebe deinen Nächsten wie dich selbst“, hat er gesagt. Wohl wissend, dass das schon schwer genug ist. Liebe war sein Thema, eine friedliche und gerechte Gesellschaft, in der alle Platz zum Leben finden. Er hat die Herzen der Menschen angeschaut und konnte dort ihre Schönheit erkennen. Egal ob jemand reich war oder halb verhungert mit einem Bündel Habseligkeiten, wie zur Zeit die Flüchtlinge am Mittelmeerstrand. Das ist bis heute so: Gott liebt die Menschen, die er geschaffen hat - perfekt oder unperfekt, gläubig oder nicht.

„Die Welt ist ein merkwürdiger Ort“, das ist sie ganz sicher und die Sehnsucht nach Perfektion ist eine dieser merkwürdigen Blüten. Aber wer sich mal traut, unperfekt zu sein, etwas auszuprobieren, Fehler zu riskieren, wird erleben, wie viel Kreativität das freisetzt. Und wie viel Freiheit es gibt. Aber auch, wie viel Nähe zu Gott, der überhaupt kein Perfektionist ist. Am Ende kann man dann vielleicht feststellen: „Und siehe, es ist gut.“ Das ist doch auch was!

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