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Sonntagskirche | 13.12.2015 | 08:55 Uhr

Liebes-Brief

Guten Morgen!

Adventszeit ist Briefezeit. Schmuckkartenzeit. Weihnachts- und Neujahrsgrüßezeit. Jedenfalls war das in meiner Kindheit noch so. Und gerne wurden die vielen bunten Karten Besuchern gegenüber stolz präsentiert. Meine Eltern reihten die Weihnachtsgrüße auf dem Bücherschrank im Wohnzimmer auf. Unsere Nachbarn spannten ein Seil zwischen zwei Zimmerecken und ließen die Karten darauf wie Reiter tanzen.

Aber das Schönste an all den Briefen und Karten war gar nicht einmal so sehr ihr farbenfrohes Glitzern. Das Wunderbarste in ihrer ersten Zeile war nämlich das Wörtchen „Lieber“ oder „Liebe“. Diese Anrede kam auch von Menschen, mit denen man sich im normalen Alltag nicht unbedingt duzen würde. Die Frau von der Sparkasse, die Hotelverwalterin, der Tankstellenpächter – sie alle hatten sich – offensichtlich nach reiflicher Überlegung – gegen ein „Sehr geehrter oder geehrte“ entschieden und stattdessen im Blick auf die kommenden Festtage der Liebe eine Chance gegeben.

Liebe hieß ja in diesem Zusammenhang nicht „brav“ oder „kindlich“. In diesem Fall drückte die Anrede aus: Danke für Ihr Vertrauen als Kundin oder als Hotelgast. Auch im kommenden Jahr - nicht nur zur Weihnachtszeit – werden wir alles tun, um Sie glücklich zu machen. Jemand, der einen auf diese Art „lieb“ hatte, hatte ganz bestimmt nichts Böses mit einem vor. Also würde die Frau von der Sparkasse mich nicht zu einem faulen Kredit überreden. Die Hotelverwalterin würde mir schon jetzt für den Sommer das Zimmer mit Seeblick reservieren. Der Mann an der Tankstelle würde mir beim nächsten Ölwechsel sagen, ob sich der Erhalt meines Autos überhaupt noch lohnt. Alles selber liebe Leute, deren Vertrautheit, ja gar Zuneigung zu mir die Zukunft leichter machen würden.

Natürlich spielt in diesem Zusammenhang das Christfest eine nicht ganz unbedeutende Rolle. Kurz gesagt geht’s ja hier darum, dass Gottes Liebe vom Himmel her wie Strahlen auf seinen Sohn fällt; damit dann auch die Menschen an der Krippe in seinem Licht liebenswert werden. Und diese nun wiederum dem lieben Gott so dafür danken, dass sie anfangen, die Nachbarn im Stall und darüber hinaus auch selber lieb zu haben.

Und so sprach man sich z.B. an mit „Josef, lieber Joseph mein“. Eingetaucht in das Licht der Liebe Gottes wurden die Hirten, die Vermieter von Maria und Josef und die drei Weisen aus dem Morgenland. Vom Heiligen Abend kamen sie her, sie leuchteten und strahlten. Und brachten von dort als ihr Geschenk eine ganz und gar menschliche, liebevolle Sicht auf die Menschen um sie her mit nach Hause.

Nun ist das erste Lichterfest inzwischen ziemlich lange her. Und auch unsere Christfestpost hat sich gerade in den letzten Jahren rasant verändert. Ich jedenfalls bekomme in dieser Zeit immer weniger Post. Na, das stimmt nicht ganz. Der elektronische Briefkasten in meinem Computer bordet fast über. Zum Teil sind es sogar meine alten Bekannten, die sich nun auf diesem Wege bei mir melden. Aber die Anrede hat sich verändert.

„Guten Morgen“, steht dann dort zu Beginn, oder „Hallo!“ Und unter der Hand ist die Liebe verschwunden. Selbst Weihnachtsgrüße werden geschäftsmäßig-sachlich gehalten: „Guten Tag!“. Ob meine Brieffreunde nicht merken, dass uns beiden dabei etwas verloren gegangen ist, nämlich ein liebevoller Blick, der menschliches Zusammensein erst richtig schön macht? Manchmal antworte ich deshalb meinen Emailpartnern und schreibe dann trotz allem immer noch: „Liebe Frau Mayer. Lieb, dass Sie an mich gedacht haben. Das wollen wir uns doch auch für die Zukunft altmodisch erhalten, nicht wahr?“ Herzliche Grüße von Ihrem Pfarrer Max Koranyi aus Königswinter.

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