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Kirche in WDR 5 | 06.06.2017 | 06:55 Uhr

Lied der frühen Vögel

Guten Morgen,

unglaublich, wie laut die Vögel jetzt morgens singen. Und wie früh! Wenn das Schlafzimmerfenster auf Kipp steht, piepen sie mich schon vor dem Wecker raus. Und neulich, als ich noch im Dunkeln los musste, fiel mir auf: Sie singen schon lange bevor es hell ist – oder wer weiß? Vielleicht gerade da.

Unsere Straße und die Stadt sind noch ganz still, aber in der Heckenrose und in den Hainbuchen, da ist schon Rock’n Roll. Und zwar richtig laut.

Fast alle Vogelarten, lese ich im Internet, fangen weit vor Sonnenaufgang an zu singen. Am frühesten die Gartenrotschwänzchen, fast eineinhalb Stunden vor Sonnenaufgang. Das ist im Moment so gegen 4.00 Uhr morgens. Eine Dreiviertelstunde später ziehen die Amseln nach. Und dann - zehn Minuten bevor es ganz hell ist- kommen die Buchfinken.

Bei all dem – sagt die Biologie – geht’s natürlich mal wieder um Konkurrenz und Revierkämpfe, um Wettbewerb und Balzen. Kennt man ja. Und darum, die Kinder satt zu kriegen und fett für den Winter, die eigenen wohlgemerkt. Auch auf Kosten der anderen. Survival of the fittest. Das alte Lied eben. Da will man am liebsten sofort wieder einschlafen.

Und gleich, wenn die Sonne rauskommt, wird sie auf dieselbe Straße, auf dieselbe Stadt und auf dieselbe alte Welt scheinen. Kämpfen, Balzen und sich Aufplustern, und nur ja nicht zu kurz kommen.

Bloß, wenn ich den Heckenrosenrockern so zuhöre – dann klingt es so gar nicht nach Überlebenskampf. Es klingt nach Lebenslust und Hoffnung. Und es klingt auch nicht danach, dass immer alles so weiter geht, sondern danach, dass es anders werden könnte. Mit vielen kleinen Stimmen auch im Stockfinstern. Und es klingt danach, dass es hell werden wird in der Welt – bestimmt.

Leonard Cohen besingt in seinem Lied Anthem diese Ahnung und diese Hoffnung. Es fängt so an:

„Die Vögel sangen

Im Morgengrauen

Fang nochmal an

Hörte ich sie krächzen

Verweile nicht bei dem

Was vergangen ist

Oder noch kommen wird.“

Doch dann geht es nicht harmonisch weiter. Leonard Cohen beschreibt auch, wie unwahrscheinlich der Friede ist und wie verletzlich die Hoffnung. Wie real alles das ist, was auch heute wieder gegen die Hoffnung sprechen wird – wie gestern und vorgestern und davor auch.

Und trotzdem besingt Cohen in diesem Lied die Hoffnung, so wie die Vögel im Dunkeln ihr Lied singen. Er singt davon, dass Hoffnung nicht die perfekte Tat und das große Opfer braucht. Sondern dass sie aus dem wenigen wächst, was jetzt möglich ist und dass daraus wirklich Neues und Anderes werden kann.

Die Hülle des Alten ist überall angeknackst und schon jetzt blitzt Neues und wirklich Anderes hindurch. „There is a crack in everything, that’s how the light gets in“ ‚Da ist ein Riss in allen Dingen, durch den kommt das Licht herein’ singt Cohen.

Das klingt so als sei der entscheidende Anfang schon gemacht, als sei das neue Lied schon angestimmt, lange bevor ich auf den Beinen bin. Wie die Vögel, die schon seit vier Uhr morgens in der Hainbuchenhecke singen.

Als ich ins Auto steige merke ich, dass ich vor mich hin pfeife. Und das mitten in der Nacht! Und mir fällt ein, was Jesus von Gottes neuer Welt gesagt hat: Sie fängt an wie ein winziges Samenkorn. „Aber sie wird groß wie ein Baum und alle Vögel des Himmels werden darin wohnen“ (Lukasevangelium 13,19).

Infos:

Die Vogeluhr vom NABU (Naturschutzbund):

https://www.nabu.de/nabu_vogeluhr2/index.php

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