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Kirche in WDR 3 | 23.12.2016 | 07:50 Uhr

„Liederzeit“

Guten Morgen. Adventszeit ist Liederzeit. Selbst wenn ich sonst nicht viel singe – jetzt hab‘ ich vielleicht Lust auf „Macht hoch die Tür, die Tor macht weit“, „Morgen, Kinder, wird’s was geben“ oder „Tochter Zion“ oder was sonst noch so im Erinnerungskoffer meiner Kindheit mit der Adventszeit verbunden ist. Vielleicht hat Oma mir „Stille Nacht“ beigebracht und Tante Ida „Fröhliche Weihnacht überall“ geschmettert.

Lieder gehören in die Advents- und Weihnachtszeit hinein wie die Kerzen, die Plätzchen, die Post und die Geschenke. In Liedern drückt sich mehr aus als in bloßen Worten. Melodie und Klang berühren mich und vermitteln etwas von dem, was größer ist als ich. Vielleicht hat Maria, die Mutter Jesu, deshalb einen großen Lobgesang angestimmt, das sogenannte „Magnificat“. Dort heißt es: „Meine Seele preist die Größe des Herrn, und mein Geist jubelt über Gott, meinen Retter.“ (Einheitsübersetzung, Lukas 1, 46) Maria – unverheiratet schwanger. Die sehr junge Frau sorgt sich um ihre Zukunft. Gerade dort, wo Not und Traurigkeit an der Tagesordnung sind, wird oft gesungen. Bisweilen bilden Lieder eine Art Fluchtweg oder Ausweg. Die Sklaven Nordamerikas sangen ihre Hoffnungslieder, ihre Gospels, um sich inmitten aller Unterdrückung noch eine Perspektive zu erhalten. Das gemeinsame Singen, die Lieder – sie waren Licht im finsteren und manchmal lebensgefährlichen Alltag. Die Sklaven wurden wie Nichtmenschen behandelt und wollten Menschen bleiben. Größer, weiter und tiefer als alles, was sie in der Gegenwart erlebten, waren ihre Hoffnung und ihr Glaube an eine bessere Zukunft. Und so brachten sie ihr aktuelles Leben in unmittelbare Verbindung zu Gott. Sie holten Luft und sangen. Wie Maria. Auch sie gehörte zu denen, die nicht gerade privilegiert waren. Doch sie sang trotzdem nicht: „Meine Seele ist zu Tode betrübt“ – obwohl das jeder, der ihre schwierige Lage kannte, verstanden hätte. Nein, Maria stimmt ein Loblied an: „Meine Seele preist die Größe Gottes!“ Sie singt der dunklen Wirklichkeit die Hoffnung auf eine bessere Welt zu. Gott ist es, der helfen kann. Da ist sich Maria sicher.

Auch heute hofft so mancher auf eine bessere Welt, auf ein besseres Leben. Und nicht selten fließen dann Tränen. Und doch stehe ich an jedem neuen Morgen wieder auf, organisiere mit meinen Liebsten den Tag, sorge für einen Nachbarn, der Hilfe braucht, und stehe wieder meine Frau oder meinen Mann, so gut es eben geht.

„Neuer Tag, neues Glück“, sagen die einen. Andere erklären sich das so: „Ich bin eben kein Kind von Traurigkeit.“ Christinnen und Christen sagen zuweilen: Gottes Kraft erweist sich gerade dann, wenn ich mir schwach vorkomme. In der Stunde, in der ich mich von Gott und der Welt verlassen fühle. Viele finden dann Kraft gerade in den alten und vertrauten Liedern zu Weihnachten.

Morgen ist Heiligabend. Vielleicht bin ich kein großer Sänger wie David mit der Harfe oder Miriam mit ihrer Schilfmeertrommel, von denen wir in der Bibel lesen können. Vielleicht finde ich auch keine Worte wie Maria im „Magnificat“. Aber vielleicht singt es doch in mir. Und es erklingt ein Lied, ein Lied vom Retter Marias und seiner Liebe zu den Menschen. Dann ist Weihnachten. Ihr Pfarrer Michael Opitz aus Düsseldorf.

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