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Kirche in WDR 5 | 13.01.2014 | 06:55 Uhr

Lob der Langeweile

Guten Morgen, liebe Hörerinnen und Hörer,

haben Sie gut den Sonntag verbracht? Denken Sie bitte einmal kurz zurück, was gestern bei Ihnen los war. Hektik? Alltagstrott? Feiertagsstimmung oder vielleicht Langeweile?

Letztere plagte meine Mutter an Sonntagen. Sie ist heute 93 Jahre alt. Und früher hatte sie sich immer auf den Sonntag gefreut. Mit meinem Vater unternahm sie bei jedem Wetter Ausflüge in die Eifel. Mein Vater war ein leidenschaftlicher Autofahrer.

Der Tod meines Vaters zerstörte meiner Mutter den festen Ablauf des Sonntags. Sie stand plötzlich sonntags alleine. Solche Sonntage hatte sie bis dahin nie erlebt. Um dem Alleinsein zu entgehen, meldete sie sich kurz entschlossen im Eifelverein an. Er bot seinen Mitgliedern ein festes Sonntagsprogramm. Morgens um 9 stand der Bus bereit und brachte alle Wanderwilligen zu ihrem Ziel. Dort wurde gewandert, besichtigt, erzählt, und abends kam meine Mutter müde, aber zufrieden nach Hause. Die Wandergruppe half ihr, den Sonntag zu überbrücken.

Doch sie wurde älter und konnte nicht mehr mitlaufen. Da saß sie sonntags allein in ihrer Wohnung. Am Morgen hatte sie die übliche Hausarbeit flott erledigt. Auf der Straße blieb es ruhig, die Geschäfte hatten geschlossen, und sie schaute ab und zu auf die Uhr, ob die Zeiger sich nicht schneller drehten. Der Abend ließ auf sich warten. Nichts lenkte sie mehr ab. „Der Sonntag war wieder schrecklich,“ klagte sie am Montag jedes Mal, wenn sie mit mir telefonierte, „ich habe gestern keinen Menschen gesehen. Keiner hat bei mir angerufen. Der Tag ging überhaupt nicht vorbei. Nein, war der Sonntag langweilig.“ Ich konnte sie nicht beruhigen. Dabei ist für mich ist der Sonntag eine willkommene Gelegenheit, endlich einmal abzuschalten und die Langeweile zu genießen. Schon in der Woche zähle ich die Tage bis zum Sonntag. Der Freitag ist mir der liebste Werktag, weil der Sonntag vor der Türe steht. Sollte er langweilig werden, macht es mir nichts. Ich brauche kein Sonntagsprogramm. Denn die Langeweile hilft, mir auszuruhen und Kraft für die neue Woche zu tanken. Einmal nichts tun zu müssen und nur die Decke anzustarren ist für mich eine paradiesische Hoffnung. Ein langweiliger Sonntag hat für mich mit dem Paradies zu tun. Nach unserer Sprache ist die Weile eine Pause, in der der Mensch abschaltet. Daraus wurde dann die Zeitspanne, die zur Ruhe benötigt wird. Das Sprichwort „Gut Ding‘ will Weile haben“ heißt, dass zum Gelingen immer das Heranreifen gehört. Manchmal denke ich, die Weile kann nie lang genug sein, um zu einem vernünftigen Ergebnis zu kommen. Richtige Langeweile gehört zum Menschen. Sie ist eine gute Gabe Gottes. Deshalb hat er geboten, in der Woche einen freien Tag strikt einzuhalten. Der Mensch darf nur sechs Tage arbeiten, der siebte Tag ist ausschließlich für die Ruhe gedacht. 24 Stunden, eine lange Zeit, eine lange Weile! Es ist bedauerlich, wenn dem Menschen die Langeweile nicht mehr gegönnt wird und er sie nicht mehr als Geschenk annehmen kann.

Gott, Dir sei Dank für die Langeweile des Sonntags. Aber nun beginnt die Alltagswoche. Und von Herzen wünsche ich Ihnen sechs Werktage mit langweiligen Momenten.

Ihr Albert Damblon aus Mönchengladbach.

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