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Kirche in WDR 2 | 06.10.2016 | 05:55 Uhr

Logik ohne Vergeltung

Theo Padnos hätte alles Recht gehabt, Vergeltung zu fordern. Der amerikanische Journalist war eine Geisel in Syrien. Zwei Jahre lang.

Die al-Nusra-Front, ein Ableger al-Qaidas, hatte Padnos im Herbst 2012 nahe der türkisch-syrischen Grenze gekidnappt. Zwei Jahre schleppten ihn die Entführer kreuz und quer durch Syrien. Mit täglicher Folter und der Ungewissheit, da jemals wieder rauszukommen. Niemand würde ihm Hass verübeln, wenn ihm nur noch danach wäre, Rache zu üben.

Aber: Nach seiner Heimkehr und Genesung, nahm Theo Padnos Kontakt mit seinen Folterern auf: Nicht, um sie mit seinem Hass, den er hatte, zu überschütten, sondern um herauszufinden, wie es ihnen geht, was sie antreibt, wie sie mit ihrem „Job“ zurecht kommen.

Gefragt, ob er keine Wut verspüren würde, sagte er in einem Interview: „Doch, aber nicht, weil ich im Gefängnis war. Ich bin aufgebracht, weil sie sich noch immer gegenseitig umbringen, weil es so viel Leid gibt.“

Padnos bezeichnet sich selbst nicht als Christ. „Aber ich glaube an eine wichtige christliche Lehre, und die lautet: Liebe deinen Feind. Ich glaubte das damals und ich glaube das heute. ... Ich weiß, das klingt naiv, aber das ist der einzige Weg.“

Wow. Davor ziehe ich meinen Hut. Ich weiß nicht, ob ich das so nach 22 Monaten in Haft und Folter auch sagen könnte. Vielleicht würde ich nur noch Vergeltung wollen?

Schließlich ist das nur natürlich und konsequent. Trotz 2.000 Jahre Bibel: Die Antwort auf Gewalt ist doch meist: Gewalt. Strafe für die Feinde, die es verdienen.

Das ist eine mögliche Logik. Von dieser Logik hören sie gleich sicherlich wieder in den Nachrichten. Sie wird ja täglich weltweit praktiziert. Immer gibt es jemanden, der alles Recht hat, Vergeltung zu fordern. Diese Kettenreaktion setzt sich fort: im eigenen Haushalt, am Nachbarzaun, in der großen Politik.

Wenn aber jemand wie Theo Padnos die Größe hat, auf dieses Recht zu verzichten, dann kann eine andere Logik greifen: Vergebung. Und Feindesliebe ist so etwas wie der ultimative Erweis dieser Logik.

Vor 20 Jahren setzte Nelson Mandela in Südafrika die Versöhnungskommission ein. Sie ging vor mit der Logik der Vergebung, nicht der Vergeltung. Denn manches Unrecht, manches Leid wie das der Apartheid, ist so groß, dass es keine angemessene Vergeltung geben kann. Voran geht es dann eigentlich nur noch mit Vergebung.

Das Problem bei dieser Logik: Es braucht Menschen mit starkem Willen und klarer Einsicht. Denn zu vergeben ist die größere Willenstat als Gleiches mit Gleichem zu vergelten. Vergebung kann nicht erzwungen werden. Und die Einsicht muss reifen, dass anders kein Friede möglich wird.

Vergebung lernen wir durch starke Vorbilder. Sie sind die schlagenden Argumente dieser Logik. Umso mehr müssen wir von Menschen wie Theo Padnos erzählen: Gute Nachrichten eben, auch zur Hauptsendezeit, und nicht nur die schlechten Nachrichten von den blutigen Taten der Vergeltung.

* In: chrismon 07 (2016), 40.

** In: chrismon 07 (2016), 38.

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