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Hörmal | 31.08.2014 | 07:45 Uhr

Lückentext

„Bloß keine Lücken im Lebenslauf! Das macht einen ganz schlechten Eindruck!“ So wurde es mir beigebracht, nein, eingebläut! … Ich habe auch wirklich versucht, mich daran zu halten … Aber mein Leben nicht! Da gab es so einige Lücken und die größte direkt nach der Schule:

Da wollte mich einfach kein Beruf in seinen Ausbildungsbann ziehen, die Studienlandschaft schien mir ebenfalls sehr übersichtlich, meine Eltern verzweifelten schon und ich bin zu allem Überfluss erstmal als Animateur in den Süden gezogen! Zurück in Deutschland wollte sich die Lücke aber nicht so leicht schließen lassen. Jetzt hatte ich nämlich die glorreiche Idee, Musiker zu werden und habe mich mit verschiedenen Nebenjobs über Wasser gehalten.

Kurz gesagt, das hat auch nicht funktioniert und so habe ich … mal schnell nachrechnen … eine knapp dreijährige Lücke entstehen lassen … und musste mir beim Lebenslauf schreiben immer schön was einfallen lassen.

Seit einigen Jahren füge ich die Lücke allerdings so fett in meine Vita ein, dass sie niemand übersehen kann: Ich bin regelrecht stolz auf diese Lücken! Denn: Was im Lebenslauf noch kaschiert werden kann, funktioniert im richtigen Leben sowieso nicht: Da gibt’s Brüche, Lücken, unvorhersehbare Wendungen, gute und weniger gute Überraschungen:

Da kommt auf einmal das langersehnte Jobangebot, auf das man so lange gewartet und das man am Ende schon fast abgeschrieben hatte.

Da flattert die Kündigung plötzlich ins Haus, aus heiterem Himmel und der Kredit ist noch lange nicht abbezahlt.

Da endet ein jahrelanger Streit zwischen zwei Menschen und sie können sich endlich wieder in die Augen schauen.

Da zerbricht eine Beziehung, die doch eigentlich lebenslang halten sollte und beide wissen eigentlich gar nicht, wie das passieren konnte.

Wie gehe ich damit um, wenn mein lückenlos geplanter Lebenslauf plötzlich Risse bekommt?

Diese Lücken gehören zu meinem Leben. Ich kann versuchen, sie zu ignorieren, sie totschweigen oder leugnen, aber dadurch verschwinden sie nicht einfach.

Ich mache es seit einigen Jahren so ähnlich wie in meiner beruflichen Vita: Ich verschweige es nicht. Ich haue einfach raus, was mich nervt. Und zwar ungefiltert. Wo ich mich ungerecht behandelt fühle, was ich nicht verstehe, aber auch das worüber ich mich freue, was mich glücklich macht.

Nicht in aller Öffentlichkeit, das ist dann doch unpassend. Und manche Lücken sind dann sogar für die Menschen in meinem engsten Umfeld zu privat! Ich mache das im Auto, wenn ich unterwegs bin, kein Mensch sonst da ist und mir doch jemand zuhört: Manchmal schreie ich, manchmal rede ich leise, manchmal singe ich und manchmal weine ich sogar. Manche nennen das einen Akt der Psychohygiene, ich nenne das Beten. Zu Gott. Von dem ich nicht weiß, warum dieses oder jenes passiert. Zu dem ich aber Vertrauen habe.

Denn ich glaube: Gott ist der Erfinder des Lebens. Und damit auch der Erfinder der Lebenslücken. Er ist unser Schöpfer. Und das nicht aus Spaß, sondern aus Liebe.

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