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Kirche in WDR 2 | 10.12.2016 | 05:55 Uhr

Luther und die Bannbulle

Autor: Was muss ich tun, damit Gott mich liebt. Damit er mir – wie Theologen sagen – gnädig ist. Liebevoll auf mich schaut, mich versteht und mir vergibt, wo ich schuldig geworden bin. Diese Frage haben sich Christen schon immer gestellt. Vor 500 Jahren viel dringlicher als heute. Da war klar, es gibt die Hölle. Als ultimative Strafe. Doch wie der Hölle entkommen? Die Antwort war ganz einfach. Du kannst Dich frei kaufen. Ja, und du kannst sogar verstorbene Seelen noch aus dem Fegefeuer holen …

Nein! So nicht, rief der Mönch Martin Luther. Gott schenkt seine Liebe jedem Menschen ohne Vorbedingung – und schon gar nicht gegen Knete an die Kirche. Der kleine Mönch aus Wittenberg gegen den Papst in Rom. Das gab richtig Ärger. Und das war absehbar. Der Papst wollte sich das nicht bieten lassen. Und da Luther nicht bereit war zu widerrufen, gab es Post aus Rom: Die Bannbulle. Also die Androhung, dass Luther aus der Kirche fliegt, wenn er sich weiter gegen den Papst und Lehre Roms äußert.

Heute, auf den Tag genau, im Advent am 10. Dezember 1520 verbrennt Luther diese Bannbulle – öffentlich. Und er setzt damit ein Zeichen: Ich glaube an einen Gott der Liebe. Und nicht an einen Gott der Angst verbreitet und bestraft. Und meinen Glauben lasse ich mir auch nicht von meiner eigenen Kirche vorschreiben, ich halte mich an die Bibel.

Keine Frage: Die Bannbulle zu verbrennen, das war eine Provokation. Allerdings: Kurz zuvor hatte Luther noch einen Brief an Papst Leo X. geschrieben. Sein Angebot zur Versöhnung. Der Brief hat den Titel „Von der Freiheit eines Christenmenschen“. Zwei Sätze stehen im Mittelpunkt. Die klingen allerdings sehr widersprüchlich. Erstens: „Der Christenmensch ist ein freier Herr aller Dinge und niemand untertan.“ Und dann, zweitens genau das Gegenteil: „Der Christenmensch ist ein dienstbarer Knecht und allen untertan.“

Mmh? Bitte was? Ob der Papst das damals verstanden hat? – Was Luther meint: In seinem Glauben an Gott darf man einem Christen nichts vorschreiben. In der Liebe zu anderen Menschen aber hat jeder seinen Dienst zu tun. Persönliche Freiheit und Nächstenliebe sind also kein Widerspruch. Sie sind das Kennzeichen eines Christen. Zwei Seiten der einen Medaille.

Erstaunlich modern klingt das, was Luther da vor fast 500 Jahren auf den Punkt gebracht hat. Papst Leo hat sein Schreiben wohl nie bekommen, sagen die Historiker. Am endgültigen Riss zwischen Luther und der Papstkirche hätte das aber wohl auch nichts mehr geändert.

So wirft der Reformator Martin Luther am 10. Dezember 1520 die Bannbulle von Leo X. ins Feuer. Vertreter Roms hatten zuvor auch schon Luthers Schriften verbrannt. Was dann folgte, war klar: Der Papst verhängte den endgültigen Kirchenbann. Luther war raus!

All das wirkt im Nachhinein gesehen konsequent und irgendwie auf beiden Seiten auch alternativlos. Das mag es damals gewesen sein. Heute ist es das nicht mehr. Evangelische und katholische Kirche haben gemeinsam geklärt, dass das, was Martin Luther von seiner Kirche damals trennte, im Grundsatz überwunden ist. Und dieser verbindende Geist, das wünsche ich mir, soll in den kommenden Monaten auch das Jubiläum „2017 – 500 Jahre Reformation“ prägen. Denn Bannbullen und Verteufelungen sind nicht nach Gottes Willen. Gott steht für Liebe und Versöhnung.

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