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Hörmal | 01.03.2015 | 07:45 Uhr

Luthers Ausbruch

Es muss heute in den frühen Morgenstunden gewesen sein. In aller Herrgotts Frühe. Ein Pferd soll gewiehert haben, heißt es. Sonst habe man nichts gehört. An diesem ersten Sonntag im März im Jahr 1522 verlässt der Reformator Martin Luther die Wartburg. Als wenn es eine Flucht wäre. Verkleidet als Ritter, damit ihn bloß keiner erkennt.

Der Ausbruch aus der Wartburg nahe Eisenach in Thüringen sei geradezu tollkühn und wahnwitzig gewesen, sagt der große Luther-Biograph Richard Friedenthal.

Die Wartburg war der einzige Ort, wo Luther sicher war. Kurfürst Friedrich der Weise von Sachsen, Luthers Gönner und Förderer, hatte ihn dorthin entführt.

Luther wurde verfolgt, weil er die katholische Kirche massiv kritisierte. So sehr, dass es später zu einer Kirchenspaltung kam und die evangelische Kirche gegründet wurde. Die Wartburg war eine Art Schutzhaft vor den Häschern des Kaisers.

Hier sollte er nach Wunsch seines Fürsten im Verborgenen ausharren, bis sich die Wogen um ihn geglättet hätten. Luther tat das, fast ein Jahr lang. In dieser Zeit übersetzte er das Neue Testament ins Deutsche. „Damit ein jeder, auch der Bauer und der Knecht, verstehe, was die Heilige Schrift ihm sagt“, so Luther. Außerdem verfasste er in dieser Zeit wichtige Aufsätze. „Das Wort darf nicht nur Buchstabe sein, dann ist es tot“, schreibt er. „Gottes Wort muss gelebt werden und gepredigt sein. Nur dann kann es seine fröhliche Kraft entfalten.“ Er wird diese Schrift nachher als sein „bestes Buch“ bezeichnen.

Doch das Leben draußen, es bleibt nicht so friedlich. In Wittenberg droht die Anarchie. Die Reformation, die Auflehnung gegen die Machenschaften und die Lehre der katholischen Kirche ist in vollem Gang. Menschen stürmen Kirchen, verbrennen Bilder, soziale Unruhen flammen auf. Martin Luther hat große Sorge, die Reformation - die Kirchenerneuerung - werde im Chaos untergehen und will retten, was zu retten ist. Er flieht deshalb von der Wartburg, verzichtet auf seine Sicherheit und steht acht Tage lang, jeden Tag, auf der Kanzel der Wittenberger Schlosskirche. Dort wirbt er mit mächtigem Wort dafür, dass der Glauben die Menschen befreien will, aber nicht zerstören. „Gewalt und Zwang sind mit Gottes Wort nicht zu vereinen! Gott stiftet Frieden und Versöhnung!“ Luthers Worte haben Gewicht.

Die Flucht von der Wartburg und das Einschreiten in Wittenberg hat die Reformation vor dem Untergang bewahrt. Das sagen die Historiker heute. Wieder einmal in der Weltgeschichte hat der Mut eines Einzelnen viel bewirkt.

Unterwegs nach Wittenberg schreibt Luther in aller Eile noch seinem Kurfürsten Friedrich dem Weisen einen bemerkenswerten Brief: „Eure Kurfürstliche Gnaden! Haben Sie Dank, wie Sie um mich sorgen. Aber ich verzichte fortan auf allen weltlichen Schutz. Kein Schwert mag mir helfen. Nur Gott allein vermag es. Möge viel eher mein Glauben ihrem Leben ein Schutz sein!“

Der Mensch wächst mit den Aufgaben. Dafür steht Martin Luther. „Mit meinem Gott kann ich über Mauern springen“ heißt es in Psalm 18 in der Bibel. Luther mag an diesen Bibelvers gedacht haben, zumindest hat er ihn gespürt, als er am heutigen Sonntag 1522 im Morgengrauen die Wartburg verlässt – und die Reformation rettet.

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