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Kirche in WDR 3 | 06.04.2015 | 07:50 Uhr

Mahlgemeinschaft

Guten Morgen!

Ostern haben wir als Klostergemeinschaft erst gestern Abend gefeiert. Dann erst haben nämlich alle Mitbrüder Zeit, um im Kloster zusammenzukommen von den unterschiedlichen Einsatzorten in Kirchengemeinden in und um Duisburg. Nach dem feierlichen Abendgebet in der Kirche gab es einen Stehempfang und dann ein Festessen: mehrere Gänge, leckeren Wein und zum Abschluss einen Kaffee und/oder Verdauungsschnaps.

Was sonst im Alltag oft zu kurz kommt, bei einem Festessen wird mir das immer wieder deutlich: Essen ist doch mehr als bloße Nahrungsaufnahme. Das fängt beim Einkauf und der Zubereitung an und endet mit der Erfahrung der Tischgemeinschaft. Wer hat sich nicht alles schon Gedanken gemacht über Zutaten, Speisefolgen und Getränke? Wie viel Zeit steckt dann hinter dem Kochen der Speisen, die oft in einem Bruchteil der Zeit verzehrt werden, die zur Vorbereitung benötigt wird? Und welche Gespräche ergeben sich dann bei Tisch, abhängig von denjenigen, die da unmittelbar zusammensitzen?

Gemeinsam am Tisch zu sitzen und das Essen miteinander zu teilen, das ist immer schon mehr als bloße körperliche Sättigung. Gemeinsam ‚Mahl zu halten‘ schafft ein Mehr an Vertrauen, ein Mehr an gemeinsamer Erfahrung und Identität, aber auch ein Mehr an Wissen und Klarheit um sich selbst und die anderen am Tisch. Kein Wunder, dass Staatsbankette zu den vertrauensbildenden Maßnahmen im politischen Geschäft zählen und schwierige Verhandlungen oft erst nach dem Essen geführt werden, weil dann die Gemüter etwas besänftigter sind.

Nun ist ja Ostern. Und in den Berichten über den auferstandenen Jesus spielt das Essen auch eine Rolle. Egal ob nun Jesus tatsächlich körperlich dabei war oder auch nicht – oder wie immer man sich die Auferstehung Jesu vorstellt: Beim gemeinsamen Mahl gewinnt er an Gegenwart, ist er scheinbar mitten unter den Anwesenden.

Für mich wird das nachvollziehbar bei dem gemeinschaftlichen Essen im Anschluss an eine Beerdigung: Die Gespräche am Tisch über den oder die Verstorbene machen ihn oder sie förmlich wieder lebendig: „Weißt Du noch, die letzte Begegnung, die Worte, die Taten?“ Manchmal enden diese Mahlgemeinschaften auch mit einem Lachen und mit der Freude, sich wiedergesehen zu haben.

Ich weiß: All das sind keine Beweise für eine Auferstehung nach dem Tod, aber es sind Bilder und Erfahrungen, die eben auf ein Mehr hinweisen, ein Mehr an Leben über den Tod und das faktische Hier und Jetzt hinaus.

Bemerkenswert für mich ist schließlich die bekannte Mahlszene am Ende des sogenannten Emmausganges im Lukasevangelium, das heute in vielen Kirchen vorgelesen wird: Zwei Jünger erkennen den auferstandenen Jesus erst, als er mit ihnen das Brot bricht. Dann sehen sie ihn nicht mehr. Warum gerade im Brot – und dann noch im gebrochenen? Nun, er tat da ja auch beim letzten Abendmahl. Aber mehr noch: Das Brot selbst ist das Produkt von mehrmaligem Vergehen und Werden, Sterben und Leben. Weizenkörner müssen begraben werden, um neue Ähren zu bilden. Die Körner der Ähren müssen zerrieben, zerstört werden, um das Mehl freizugeben, um Brot zu backen. Das Brot muss geteilt werden, damit viele davon essen und leben können. Im Brechen des Brotes wird also auch etwas von dem Mehr der Mahlgemeinschaft erfahrbar.

Das Mahl am Ende dieser Kette von Vergehen und Werden ist wie ein Bild für mehr Leben, für neues Leben. Beim Mahl am Ende des Emmausganges erkannten die Jünger Jesus als Auferstandenen. Warum nicht? Denn bei jedem gemeinsamen Essen geht es um mehr als nur um bloße Sättigung.

Pater Philipp Reichling, Duisburg

Copyright Vorschaubild: Von Abraham Bloemaert wikipedia

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