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Sonntagskirche | 07.05.2017 | 08:55 Uhr

Mailand - Abendmahl mit Armani

Guten Morgen!

Sie glauben ja gar nicht, wie sehr ich mich auf den Frühling freue. Also, auf einen richtigen, nachhaltigen Frühling. Jetzt ist Mai, und da hätte ich es bitteschön sonnig, duftig und lebenslustig. Aber ob das klappt?

Wissen Sie was? Wir machen uns einfach Frühlingsgedanken und verreisen. Eine Ohrenreise nach Italien - dazu lade ich Sie im Mai hier in der Sonntagskirche ein. Genauer gesagt: in die Lombardei, im äußersten Norden Italiens. Auch, weil viele die Gegend gar nicht kennen. Zu Unrecht!

Mailand zum Beispiel. Mailand will geknackt werden wie eine Auster. Viele verbinden mit der Stadt vor allem die großen Modelabel wie Gucci und Dolce&Gabbana, Prada und Armani. Oder Alpha Romeo und Pirelli, und Fußballfans denken an den AC oder Inter Mailand. Aber diese Stadt hat noch viel mehr - auch mehr an kirchlicher Kultur als das berühmte Letzte Abendmahl von Leonardo da Vinci, das man allerdings nur noch nach sehr früher Anmeldung sehen kann.

An einem Ort aber öffnet sich die Auster bereitwillig und präsentiert die funkelndste Perle der Stadt: auf der großen Piazza del Duomo. Marmorweiß liegt dort die Kathedrale Santa Maria Nascente.

Wirklich überwältigend wird es drinnen: pure Gotik - schon das ist selten in Italien. 157 Meter lang und 109 Metern breit, getragen von einem Wald aus 52 Säulen - für jede Woche im Jahr eine. 1700 Quadratmeter Glasfenster, die wie ein leichter Seidenmantel mit 3600 abgebildeten Personen den Chorraum umgeben. Ein besonderer Höhepunkt im Wortsinn: Diesem Dom darf man aufs Dach steigen - und sollte das unbedingt tun! Die Aussicht von hier oben ist sagenhaft! Selbst, wenn der Aufstieg etwas in die Knochen geht.

Echte Knochenarbeit aber gibt es ganz in der Nähe, in San Bernardino alle Ossa zu bestaunen. Ziemlich schaurig: die kleine Kirche ist ringsum bis zur Decke kunstvoll geschmückt mit hunderten von Schädeln. Seit 800 Jahren wurde die Kirche immer reicher ausgestattet mit den Knochen von Menschen. A propos Knochen: In Sant’ Eustorgio sollen einst doch glatt die Gebeine der Heiligen Drei Könige aufbewahrt worden sein, bevor sie Kaiser Barbarossa nach Köln bringen ließ. Einen Sarkophag aber gibt es in Sant’ Eustorgio bis heute - inklusive einer Inschrift, die auf die Drei Weisen hinweist.

Sie merken schon: In Mailand begegnet Ihnen Christentumsgeschichte auf Schritt und Tritt – egal, ob Sie die Stadt nun in teuren Designer-Tretern begehen oder mit bequemerem Schuhwerk. Übrigens nennen sich die Mailänder gern „Ambrosianer“. Sie sind nämlich sehr stolz auf ihren Bischof Ambrosius, der im vierten Jahrhundert lebte. Als damals ein Bischof gewählt wurde, soll Ambrosius noch als Politiker mit einer Rede größere Tumulte verhindert haben. Er muss ziemlich überzeugend gewesen sein, denn die Leute wählten einfach ihn zum Bischof - obwohl der noch nicht einmal Christ war, sondern sich erst auf die Taufe vorbereitete. Und bis heute gilt er als einer der klügsten Köpfe der Kirchengeschichte.

So kann das gehen, wenn man sich auf Neues, Unbekanntes einlässt - auf einen ungetauften Bischof zum Beispiel oder auf eine unbekannte Schönheit namens Mailand. Für mich riecht das sehr nach Frühling.

In diesem Sinn wünsche ich Ihnen einen duften Sonntag! Aus Münster verabschiedet sich Markus Nolte.

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