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Kirche in WDR 2 | 13.04.2016 | 05:55 Uhr

Man sieht nur die im Licht

Die Gegend hieß Galiläa. Eine armselige, dunkle Provinz am Rande der Welt – kurz vor dem Bretterzaun. Die Provinz war bekannt dafür, dass dort Menschen lebten, die es mit dem Gesetz nicht so genau nahmen. So wie es in jeder Stadt Straßenzüge und Stadtteile gibt, in denen man besser nicht wohnt, wenn man Arbeit sucht. Jeder kennt sie, und manche sagen „Ghetto“ dazu.

Heute wie damals machen die Leute Witze über so eine Gegend. Witze können helfen, sich zu distanzieren: „Was kann aus Galiläa – Was kann aus Köln-Chorweiler, was kann aus Duisburg-Marxloh schon Gutes kommen?!“

Galiläa – eine gottverlassene Gegend!

Als eines Tages Johannes, ein Freund Jesu, von der Polizei verhaftet wird, flüchtet Jesus in diese Provinz, um unterzutauchen. Von hier aus forderte er die Menschen zum ersten Mal öffentlich auf, die Welt mit anderen Augen zu sehen.

Warum ausgerechnet Galiläa?

Warum fing Jesus nicht in der Hauptstadt an, seine Visionen zu entwickeln?

Im Zentrum der Macht? Wenigstens im Tempel? Warum versuchte er nicht dort Überzeugungsarbeit zu leisten, wo die Weichen gestellt werden? Warum ausgerechnet Galiläa? Früher brachte ihn das verdächtig in die Nähe von Terroristen, bis heute gilt er vielen als Revolutionär. Warum dieser Weg?

Weil Gott dort Licht ins Dunkel bringt, wo die politisch und wirtschaftlich Mächtigen nichts Gutes erwarten. An Orten und zu Zeiten, die der Gottlosigkeit verdächtigt werden. Dort taucht Gott unter.

„Bei euch, die Ihr am Ort und im Schatten des Todes sitzt, bei euch wird ein Licht aufgehen!“ so schrieb bereits 800 Jahre zuvor der Prophet Jesaja, ein Mann, der laut – unbequem laut – seine Visionen von der Zukunft träumte.

Am Rande der Welt geht das Licht Gottes auf. Und auf einmal erscheint alles in einer anderen Perspektive, mit einer neuen Tiefenschärfe. Unsere üblichen Maßstäbe von hell und dunkel geraten durcheinander. Die Letzten sind plötzlich die Ersten.

Was wäre, wenn Gott sich heute nicht im sogenannten „christlichen“ Abendland vorstellt, sondern in den zerschossenen Häuserschluchten Aleppos? In den Dörfern des Sudans, in Mali oder Afghanistan? Was wäre, wenn die toten Flüchtlingskinder an den Stränden Griechenlands und der Türkei mehr über Gott erzählten, als wir in unseren Kirchen? Was wäre, wenn er sich zwar in Europa „outet“, aber nicht auf Facebook oder Youtube, nicht durch Börsenkurse oder Bundesligaergebnisse, sondern auf der Palliativstation eines Klinikums oder im Wuppertaler Jugendknast?

Der Mittelpunkt christlichen Glaubens findet sich am Rand. Die angeblich „gottverlassene Gegend“ Galiläa entpuppt sich als Hochburg Gottes.

„Man sieht nur die im Licht, die im Dunkel sieht man nicht“ So hat es Bertold Brecht einst formuliert. Jesus von Nazareth, der Mann aus Galiläa, zeigt etwas anderes: Unerwartet geht das Licht Gottes auf bei denen, die auf der Schattenseite des Lebens leben. Gott fordert uns auf, die Welt in seinem Licht zu betrachten.

Um Gottes willen? Um unseretwillen.

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