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Kirche in WDR 4 | 01.05.2017 | 08:55 Uhr

Maria und die kleinen Leute

Zugegeben: Marx und Engels drehen sich sicherlich im Grabe um, dass ich heute, am Tag der Arbeit über Marienerscheinungen spreche. Der 1. Mai ist ja der Arbeiterbewegung gewidmet, also den Anliegen derjenigen, die an den Fließbändern schuften und gerade zu Beginn der Industrialisierung ausgebeutet wurden. Ich sage nur: Schwerstarbeit und Hungerlohn.

Warum also Maria heute? Weil mit dem 1. Mai auch der sogenannte „Marienmonat“ beginnt. Der schönste aller Monate, wenn alles blüht und Leben in die Natur zurückkehrt, sollte Maria geweiht werden, die dem Gottessohn das Leben geschenkt hat. So jedenfalls die die kirchliche Tradition seit dem Mittelalter.

In Deutschland hat sich das Brauchtum im Frühlingsmonat Mai fast zur selben Zeit etabliert wie die Industrialisierung, also im 19. Jahrhundert. Dieses Jahrhundert wird in der katholischen Geschichtsschreibung – ohne Witz – auch das „marianische Jahrhundert“ genannt. Denn auf einmal explodierten quasi überall die Marienerscheinungen. Lourdes ist der vielleicht bekannteste Ort in Europa. An zweiter Stelle folgt gleich Fatima. Und dort feiern sie Mitte Mai das 100. Jubiläum der Erscheinungen – Papst Franziskus wird persönlich nach Portugal reisen. Das Spannende in Lourdes wie in Fatima – und eigentlich fast bei allen Marienerscheinungen: Die Mutter Gottes erschien ausgerechnet und fast ausschließlich Menschen, der sozialen Unterschicht, in Fatima waren das drei Hirtenkinder.

Man könnte meinen, Maria hätte eine Vorliebe gehabt für die, die sonst vom Leben eher einen Tritt verpasst bekamen. Und es ist längst nicht so, als hätten die, die eine Vision hätten, danach Jubelrufe geerntet. Vor allem nicht von Seiten der kirchlichen Obrigkeit. Es braucht lange, bis Rom seine Zweifel über eine Marienerscheinung ablegt – das ist auch gut so. Denn es gibt kirchlicherseits strenge Kriterien für offiziell anerkannte Marienerscheinungen. Spannend finde ich: Fast immer geht die Verehrung an einem Marienwallfahrtsort „von unten“ aus. Das einfache Volk zieht zu dem Ort und erwartet von Maria zumeist Tröstung oder gar Heilung.

Hier unterscheiden sich die Absichten klar voneinander: Die Arbeiterbewegung sucht Emanzipation, Revolution, Solidarität. Die Wallfahrtsbewegung sucht Trost, Heilung und ja, so etwas wie göttliche Solidarität.

Übrigens: in diesem Jahr feiert nicht nur Fatima ein rundes Jubiläum als Wallfahrtsort. Auch Kevelaer am Niederrhein feiert – immerhin einer der größten Wallfahrtsorte in Deutschland und für einen Besuch sehr viel näher gelegen. Hier begann die Wallfahrt mit einer Erscheinung, die ein armer Kaufmann namens Hendrik Busmann hatte. Mitten in den Wirren des 30-Jährigen Kriegs bekam er von Maria den Auftrag: „An dieser Stelle sollst du mir ein Kapellchen bauen“. Gleich dreimal hörte er den Aufruf. Und im Mai vor 375 Jahren wurde dann tatsächlich das Kapellchen gebaut. Sie können es heute noch besuchen. Die Pilgerzahlen heute gehen in die Millionen. Um das Kapellchen wurde schon früh eine größere Kapelle gebaut worden und gleich daneben eine riesige Basilika.

Was in Kevelaer gezeigt wird ist ein kleines Bildchen – mit der Muttergottes darauf und einem Satz: „Consulatrix Afflictorum, ora pro nobis“ – zu Deutsch „Trösterin der Betrübten – bitte für uns.“ Für viele ist sie noch heute eine Trösterin: Maria, die besonders diejenigen gern zu haben scheint, die am Rande der Gesellschaft stehen. Und ich bin mir sicher – so mancher Maiausflug wird heute nach Kevelaer führen – auch am Tag der Arbeit.

Bildrechte: Christian Kadluba (flickr) CC BY-SA 2.0

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