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Kirche in WDR 5 | 27.02.2014 | 06:55 Uhr

Maria und die Weiber

Maria und die Weiber! Der Erzengel Gabriel hat uns das eingebrockt. „Du bist gesegnet unter den Weibern“, soll er gesagt haben, wenn man der Bibel glaubt. Wobei: Das W-Wort sollte man ja eigentlich nicht mehr in den Mund nehmen. Klingt zu abschätzig. Aber heute geht das, heute ist Weiberfastnacht – und als Mann bekommt man sowieso den Schlips gekappt.

Und dass die Frauen heute am Zug sind, hat etwas mit Gewäsch zu tun. Und zwar mit Beueler Gewäsch. In Bonn-Beuel fing das vor genau 190 Jahren an. Der Donnerstag vor Karneval war der Tag, an dem die Frauen in den Wäschereien von Beuel frei hatten. Und just diesen freien Tag nutzten die Wäscherinnen 1824 und erstritten sich, beim traditionellen Herrenkarneval ein Wörtchen mitzureden, bzw. mitzufeiern. Gleichberechtigung im Karneval!

Damals war das so eine Art Frauenbewegung. Und auch heute wird in Beuel – und mittlerweile fast flächendeckend in NRW – das Rathaus gestürmt und die Frauen übernehmen das Regiment, die Männer sind für einen Tag entthront. Naja, eher noch „entmannt“ – denn was anderes soll das Zeichen denn bedeuten, dass den Herren der Schlips abgeschnitten wird? Die althergebrachten Verhältnisse sind auf den Kopf gestellt – das ist Weiberfastnacht!

Und was hat das jetzt mit Maria zu tun? Es geht um folgenden Satz: „Er stürzt die Mächtigen vom Thron und erhöht die Niedrigen“! Das ist der Satz von Maria, der mir persönlich besonders am Herzen hängt. Der steht in der Bibel und der beeindruckt mich immer wieder. Das Witzige: In der Kirche wird der jeden Tag gebetet – nämlich im Magnifikat, wenn die Mönche, Priester und Nonnen das Abendlob beten. Der Satz klingt wie eine rebellische Ansage: „Er stürzt die Mächtigen vom Thron und erhöht die Niedrigen!“ und das ganze Lied hat diesen Unterton. Das ist das Lied einer jungen, schwangeren Frau über ihren Gott, der auf der Seite der Armen steht: „Mein Geist jubelt über Gott, meinen Retter!“. Da steckt Power drin, Frauen-Power. Und ich sehe Maria daher eher nicht so, wie sie viel zu oft in Kirchen dargestellt wird: als blaue Erscheinung mit gütiger Mine, fast elfenhaft. Maria, das wird eine Frau gewesen sein, die mitten im Leben stand, mit Schwielen an den Händen und einer klaren Meinung im Kopf. Die jedenfalls ist im Magnifikat mehr als deutlich zu lesen.

Da halte ich es mit Dietrich Bonhoeffer. Der hat einmal geschrieben: „Dieses Lied der Maria ist das leidenschaftlichste, wildeste, ja man möchte fast sagen revolutionärste Adventslied, das je gesungen wurde.“ Und wenn ich auch weiß, dass heute in den Karnevalshochburgen andere Lieder gesungen werden. Das Magnifikat kann da gut mithalten. Maria wäre sicherlich auf der Seite der Wäscherinnen und der Frauen, die sonst keine Stimme haben.

Darum: Aus vollem närrischem Herzen für diesen Tag, an dem alles etwas anders ist: „Gegrüßet seist Du, Maria, unter den Weibern“ und „Heilige Maria, Mutter Gottes, bitte für uns arme Sünderlein – jetzt und in der Stunde unseres Todes, Amen“.

1Zitat in: Hartmut Handt und Armin Jetter, Voller Freude. Liedandachten zu den Sonntagen und Festen des Kirchenjahres, Strube Edition 9044, München 2004, 1. Aufl., S. 20

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