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Kirche in WDR 5 | 13.05.2015 | 06:55 Uhr

Max

Guten Morgen! Ob Max heute Morgen auch zuhört? Ich hoffe es sehr. Max ist aufgeschlossen und lernbereit. Hätte man nicht gedacht, damals, als er geboren war und die Ärzte sagten: „Trisomie 21, Down-Syndrom, tut uns leid.“

Max hatte mit „leid tun“ nichts im Sinn, er ist das fröhlichste Familienmitglied geworden. Er hat ein unbestechliches Gespür dafür, ob jemand es ehrlich mit ihm meint. Jede Schauspielerei durchschaut er. Seine eigenen Reaktionen sind direkt und unverstellt. Seine Gefühle kann er nicht verbergen. Er schämt sich auch nicht für sie. Überhaupt spart er nicht mit Gefühlen und Gefühlsausbrüchen. Auch nicht, wenn er sich ärgert. Dann ist seine Schwester Clara ihm manchmal eine Hilfe. Sie erklärt nicht lange, sie zeigt Max etwas, lässt ihn etwas sehen.

Wie kürzlich. Max ärgert sich über seinen Freund Florian. Max behauptet: An der Bushaltestelle hat ein kalter, scharfer Wind geweht. Aber Florian behauptet: Stimmt doch gar nicht! - Der lügt! beschuldigt ihn Max daraufhin. Clara hört es sich an. Dann meint sie: „Komm, Max lass uns mal zum Kirschbaum auf der Wiese gehen“ Dort legen sie sich unter seine Äste und schauen nach oben in die Spitze. „Na, ist der vielleicht groß, der Baum?“ „Sehr groß!“ „Stimmt. Und jetzt komm mal mit, kleines Wettrennen, wer zuerst auf dem Balkon ist!“ Außer Atem kommen sie an. „Jetzt guck doch mal! Da im Garten. Siehst du den Kirschbaum in der Mitte? Fast noch ein Bäumchen, oder? Vorhin war er aber groß. Da lagen wir darunter und der Baum war viel größer als wir beide zusammen. Aber jetzt sind wir hier oben und der Baum kommt uns viel kleiner vor.“ „Ja, und was willst Du mir damit sagen?“ „Vielleicht war das mit dem Wind auch so: Du hast gewartet und schon länger im Wind gestanden. Da kam er dir kalt und scharf vor. Aber Florian kam gerannt und schwitzte fast. Da hat er sich über den frischen Wind gefreut. Für ihn war der gar nicht scharf.“

„Ja, hast recht“, sagt Max nach angestrengtem Überlegen. Sein Ärger verfliegt und plötzlich hat er ein Leuchten im Gesicht. Er schaut Clara an und meint: „Das ist auch wie der Mond.“ „Wie der Mond?“ „Ja, wie der Mond! Weißt du nicht mehr, wie du davon gesungen hast? Ich hab das in der Schule auch mal gelernt: Der Mond ist nur halb zu sehn und ist doch rund und schön.“

„Dass dir das jetzt einfällt! Aber du hast recht. Genau so ist es. Und das ist bei vielen Sachen so. Ganz oft sehen wir nur ein Stückchen oder eine Seite. Und dann muss man mal weitergehen, auf die andere Seite, dann sieht es ganz anders aus.“

„Aber beim Mond kannst du nicht auf die andere Seite, brauchst du gar nicht. Musst du nur abwarten, bis wieder Vollmond ist, dann siehste es.“

„Stimmt, aber die Menschen wollen oft nicht abwarten. Sie wollen gleich dahintergucken, wollen die Dinge anschieben und machen so viel dabei kaputt. Keine Geduld, kein Warten, keine Ehrfurcht.“

Max zieht die Augenbrauen hoch. Das versteht er nicht ganz. Dann muss er plötzlich grinsen: „Aber den Mond, nein, den können sie nicht anschieben. Da müssen sie einfach warten, die Menschen. Und das ist gut.“

„Ja, das ist gut, Max. - Und wie ist das jetzt mit Florian?“

„Oh, den ruf ich jetzt gleich an und erzähl ihm das. Und entschuldige mich.“

„Selig sind die reinen Herzens sind; denn sie werden Gott schauen“ höre ich Jesus dazu sagen.

Aus Bonn grüßt Sie Pfarrer Eko Alberts.

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