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katholisch

Hörmal | 06.03.2016 | 07:45 Uhr

Mehr als ein Foto, mehr als ein Stück Brot

Vielleicht gehören Sie auch zu denjenigen, die im Portemonnaie immer ein Foto ihrer Lieben dabei haben: seien es die Eltern, die Kinder, oder ein Bild von der Partnerin, vom Partner.

Stellen Sie sich mal vor, ich würde Sie nun auffordern, das Bild aus dem Portemonnaie zu nehmen, es noch mal anzuschauen und dann auf drei: zu zerreißen.

Sie würden mir wohl den Vogel zeigen – zu Recht! Ich wette, das bekäm keiner hin ohne größten Skrupel.

Wobei – ganz nüchtern betrachtet: Was Sie in den Händen halten, ist ja erst einmal nichts weiter als ein Stück festeres Papier mit etwas Druckerfarbe oben drauf. Aber für denjenigen, dem die Personen auf dem Foto etwas bedeutet, ist das eben nicht nur ein Foto ... und schon gar nicht nur einfach Papier mit Farbe – das ist etwas substanziell Anderes! Das Foto meiner Mutter zerreißen zu müssen, zum Beispiel, das wäre, als würde ich ihr Gewalt antun. Das Foto im Portemonnaie, es ist aufgeladen mit Emotionen, mit Erinnerungen, mit Identität. Es ist eben mehr als nur ein Foto.

Warum ich davon gerade heute erzähle? Weil morgen die katholische Kirche einen Denker feiert, der auch hier in Köln seine Spuren hinterlassen hat und der wohl zu den größten Theologen aller Zeiten gehört: Thomas von Aquin heißt er. Morgen ist sein Todestag und die Kirche feiert ihn als Heiligen und Kirchenlehrer.

Der Aquinate, so nennen ihn die Katholiken ehrfurchtsvoll, hat in Köln und Paris gelehrt, im 13. Jahrhundert.

Und zu den größten Lehren, die ihm zugeschrieben werden, gehört die Erklärung, wie es geschehen kann, dass in der Heiligen Messe Brot und Wein in Leib und Blut Christi gewandelt werden. Transsubstantiationslehre nennen das die Theologen und umschreiben damit etwas, was man gar nicht genau erklären kann. Was aber Thomas von Aquin da zu erklären versucht, hat für mich viel mit dem Foto im Portemonnaie zu tun. Denn auch hier geht es um eine Art Wandlung. Laut dem Aquinaten ändert sich die sichtbare Materie bei und nach der Wandlung nicht, sondern bleibt äußerlich gleich: Genau so wie das Foto im Grunde Farbe auf Papier ist und bleibt. Aber für den, der mit den dargestellten Personen etwas verbindet, gewinnen die Fotos eine ganz andere Bedeutung. Und so ist das auch bei den katholischen Christen: Bei der Mahlfeier mit Brot und Wein feiern sie etwas substantiell anderes als nur einen kleiner Snack. „Tut dies zu meinem Gedächtnis“ hatte Jesus gesagt beim letzten Abendmahl, als er Brot und Wein in die Hand nahm. „Das ist mein Leib und mein Blut für Euch“. Das ist so aufgeladen mit der Anwesenheit von Christus, dass dieses Brot und dieser Wein einfach viel mehr ist als eine Sättigungsbeilage. Und jetzt kommt’s: Jesus hat den Christen aufgetragen, dieses Brot sogar zu essen. Es soll ihnen Nahrung sein und nicht einfach ein Dekorationsgegenstand wie ein Foto, das man lange aufbewahrt.

Wobei: Die Katholiken betrachten das gewandelte Brot dann doch manchmal wie ein Foto im Bilderrahmen – ausgestellt in einer Monstranz. Und dann singen sie ganz oft die Zeilen, die Thomas von Aquin schon vor 700 Jahren dichtete:

„Gottheit tief verborgen, bebend nah ich dir. Unter diesem Zeichen, bist Du wahrhaft hier. Sieh, mit ganzem Herzen, schenk ich dir mich hin, weil vor solchem Wunder ich nur Armut bin“.

Wie gesagt: Dieses Wunder, von dem Thomas von Aquin spricht, dass Brot zum Leib Christi wird und Wein zu dessen Blut, das ist letztlich Glaubenssache, ähnlich wie die Bedeutung von dem Foto im Portemonnaie: Für die einen bedeutet so ein Foto enorm viel, für andere nichts. Und für die Katholiken sind in einem Gottesdienst Brot und Wein, diese beiden einfachen Zeichen, etwas substanziell anderes als nur: Brot und Wein, für sie ist da Christus gegenwärtig.

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