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Das Geistliche Wort | 30.07.2017 | 08:35 Uhr

Mein Lebensgarten

Autor: Wir sitzen im Garten. Feiern den Sommer. Doch dann: Alle achtzehn Sekunden hören wir das hier:

O-Ton: Fiepen eines Maulwurfschreckes

Autor: Lästig. Nervig. Dieses Fiepen des solarbetriebenen Maulwurfschreckes aus dem Nachbargarten. Das sich stets wiederholende und in gleicher Frequenz surrende Gerät steht auf Friedhöfen und in Privatgärten oder anderen Grünanlagen, um den samtigen Moltewurf, also hochdeutsch: Erdwerfer von den eigenen Grünflächen zu vertreiben. Nicht sehr nett von den Menschen. Doch bevor Sie jetzt Mitleid haben: So richtig vertraut mit den Menschen werden die pelzigen Tunnelgräber gewiss niemals werden.

Musik 1: Track 2 Replay von CD Now, Komponist und Interpret: René Aubry, Label: René Aubry 2015, Bestellnummer: 8407922, Copyright (2016), LC-Nr. unbekannt.

Autor: Auch wir haben einen Maulwurf, oder zwei oder drei, in unserem Garten. Und immer, wenn wir gedacht haben, er hat sich ein anderes Revier gesucht, dann stellt er mit neuen, feuchten Maulwurfshügeln eindeutig unter Beweis: Ich bin noch da und halte euch die Treue. Irgendwann haben wir ihn dann Max genannt. Ja, Max mag unseren Garten. Wir aber mögen Max nicht. Klar, Sie könnten jetzt einwenden: Moment mal! Maulwürfe sind doch nützliche „Gartenhelfer“: Sie fressen Schädlinge wie Schnecken, Larven und Engerlinge. Sie lockern die Erde unter dem Rasen auf, legen Wasserspeicher an und vor allem: Sie verursachen kaum Schäden an Pflanzenwurzeln. Alles richtig. Aber: Meine „Gärtneraugen“ mögen den Anblick der dunkelbraunen Erdhügel ganz und gar nicht. Klar, habe ich Respekt vor seiner Leistung. Immerhin zaubert der pelzige Erdschaufler bis zu sechs Kilogramm Erde in kaum zwanzig Minuten unter dem Rasen hervor. Doch über diese Erdhügel wollen wir als Familie nicht beim Tischtennisspielen stolpern. Und der morgendliche Blick vom Balkon sollte nicht von immer neuen, hässlichen Maulwurfshügeln irritiert und verärgert werden. Mit anderen Worten: Max soll sich verkrümeln.

Musik 2: Track 4 Muss i denn zum Städtele hinaus (1:23) von CD Die schönsten Heimatlieder mit den Estetaler Harmonikas, Vol. II, Interpreten: Estetaler Harmonikas, Text / Musik: Volksweise, Label: WESPO; Copyright: ? European Music Group / Festival der Volksmusik (FDM) © Carinco AG 2008, ASIN: B002S5KAI2, LC: 07320

Muss i denn, muss i denn zum Städtele hinaus, Städtele hinaus und du mein Schatz bleibst hier.

Autor: Doch Vorsicht! So einfach ist es nicht, einen Maulwurf zu vergraulen. Es ist nach § 44 des Bundesnaturschutzgesetzes (1) ausdrücklich verboten, lebende Maulwürfe zu jagen, zu fangen, zu verletzen oder zu töten. Denn sie genießen einen besonderen Schutz. Also: Resignation und Kapitulation? Nicht ganz, denn Geräusche, Vibrationen und unangenehme Gerüche dürfen verwendet werden, um den kleinen Höhlengräber auf Dauer loszuwerden und ihn vom Grundstück zu vertreiben. Spielende Kinder, große Hunde, Blechdosen auf Stangen, Surr- und Fiep-Geräte, Benzinrasenmäher oder quietschende Windräder sind erlaubt, dem Maulwurf das Leben im Garten so schwer wie möglich zu machen.

Musik 3 = Musik 2

Muss i denn, muss i denn zum Städtele hinaus, und du mein Schatz bleibst hier. Wenn i komm, wenn i komm, wenn i wieder wieder komm, wieder wieder komm, kehr i ein mein Schatz bei dir.

Autor: Und wenn Max dann wirklich weg ist… Ist dann wirklich alles gut in unserem Garten? Kommt dann nicht alsbald der nächste Buddelprofi, vielleicht ein Moritz, und alles geht wieder von neuem los?

Im Grunde ist es doch so: Irgendwas stört immer: Wenn man in den Urlaub fährt, dann gibt es bei genauerem Hinsehen meistens etwas, das man so nicht gebucht hatte: Baulärm, schlechtes Essen, Quallen im Meer, kein warmes Wasser in der Dusche, Tang und Plastik am Strand… zu heiß, zu voll, zu dreckig.

Und wenn wir uns endlich mal über die knallige Sonne und den blauen Himmel freuen können, dann höre ich schon das Wort „Ozonloch“ und „bitte nicht wieder über 30 Grad“. Und auch im Garten haben wir es ja einerseits mit den wunderschönen und nützlichen Blumen, Büschen, Obst und Sträuchern zu tun, aber ebenso auch mit so genanntem Unkraut und davon nicht zu wenig. Neben der vielen Arbeit, die ein Garten braucht, kämpfen wir auch gegen Ungeziefer, Pilzbefall, Dürre und nicht zuletzt gegen Maulwürfe und Wühlmäuse an. Und das ist manchmal in der Tat eine Sisyphusarbeit.

Musik 4: Track 9 La mia casa 2 von CD: Now, Komponist und Interpret: René Aubry, Label: René Aubry 2015, Bestellnummer: 8407922, Copyright (2016), LC-Nr. unbekannt.

Autor: Der Garten steht für das ganze Leben. Und Leben – das heißt umgehen mit Herausforderungen, Einschränkungen und vielen Widrigkeiten. Egal, womit ich es zu tun habe, was ich in Zukunft erwarten darf oder muss: Ich muss damit umgehen. „Et hätt noch emmer joot jejange“ behauptet da flapsig der Rheinländer. Und gut ausgegangen ist es doch oft erst nach einem steinigen und schwer zu ertragenden Weg voller Hindernisse und Fallgruben. Alle Rosen haben auch Dornen, sagt der Volksmund und es ist nicht alles Gold, was glänzt, heißt es schon in der Bibel (Sprüche 6,14). Will heißen: Viel zu viel muss ich auf meinem Lebensweg ertragen, hinnehmen, wegstecken, was mich manchmal daran hindert, das Schöne und Gelungene gebührend bewundern zu können. Oder anders gesagt: Jeder schöne Garten hat seine Schattenseite. Mal ist es ein Maulwurf, mal ein Pilzbefall oder Moos im Gras, oder Schnecken, oder Wühlmäuse oder Brennnesseln, oder alles erstickende dornige Brombeerranken vom Nachbargarten.

Musik 5: Track 1 Mein kleiner grüner Kaktus von CD Comedian Harmonists. Die großen Erfolge 3, Interpreten: Comedian Harmonists 15.11.1934, Text und Musik: R. Marbot, B. Reisfeld, EMI Electrola 1994, Bestellnummer 724382922629, LC: 4077.

Autor: Unser Leben währet siebzig Jahre, und wenn's hoch kommt, so sind's achtzig Jahre, und was daran köstlich scheint, ist doch nur vergebliche Mühe; denn es fähret schnell dahin, als flögen wir davon. - Herr, lehre uns bedenken, dass wir sterben müssen, auf dass wir klug werden. (Psalm 90,10.12)

Musik 6: Track 16 Passing Time, von CD Now, Komponist und Interpret: René Aubry, Label: René Aubry 2015, Bestellnummer: 8407922, Copyright (2016), LC-Nr. unbekannt.

Autor: Diese Worte lese ich in einem Gebet der Bibel. Der hier betet, weiß wovon er spricht. Sein Lebensgarten ist vermutlich auch von Anfang an voller Steine gewesen. Oder aber voller Wühlmäuse und Maulwürfe. Er wird wissen, welche Mühen er auf sich genommen hat, um überhaupt 70 oder 80 Jahre alt werden zu können. Mühen des Lebens. Nicht enden wollende Irrwege oder Sackgassen. So manche Beziehung läuft auseinander, manche Krankheit führt in den Tod, mancher Streit hinterlässt unheilbare Narben. War hier alle Mühe wirklich vergeblich?

Musik 7 = Musik 6

Autor: Mein Garten als Lebenslehrmeister zeigt mir: Rose und Dornen gehören untrennbar zusammen. Und ein vermeintliches Unkraut kann ein gutes Heilkraut sein. Die Brennnessel zum Beispiel, auch der Löwenzahn. Gute Ernte setzt mühevolle Arbeit voraus. Doch kann die Arbeit es nicht allein schaffen, dass alles gut wächst und gedeiht. Wetter, die innere Kraft der Pflanze – vieles trägt dazu bei, dass wirklich etwas wird aus dem, was ich gepflanzt habe. Das Gedeihen ist und bleibt auch ein Wunder. Im Lebensgarten gibt es vieles, das habe ich nur zum Teil in der Hand, das muss ich letzten Endes meinem Gott anvertrauen. Wachstum und Gedeihen liegt in des Himmels Hand, heißt es in dem alten Erntedanklied: „Wir pflügen und wir streuen“. – Der Lebensgarten: Hege und Pflege. Nicht immer läuft es da nach Plan. Nicht immer blüht auf, um was man sich so bemüht hat. Dafür blüht etwas anderes. An anderer Stelle. Kann ich es sehen?

Musik 8: Track 5 The Woman and the Tree von CD Now, Komponist und Interpret: René Aubry, Label: René Aubry 2015, Bestellnummer: 8407922, Copyright (2016), LC-Nr. unbekannt.

Autor: Am allereinfachsten wäre es ja: Wir wären noch im Paradies. Garten Eden wird es auch genannt. Doch als Adam und Eva von dort vertrieben wurden, da ahnten sie schon: Von nun an ist das Leben nicht nur leicht und frei und sorgenlos, sondern zugleich beschwerlich, abhängig und sorgenvoll. Und so ist es ja auch bis heute geblieben. Selbst bei dem Anblick eines nahezu perfekten Gartens kann man sich vorstellen, wie viel Mühe und Arbeit dahinter steckt. – Natürlich bin ich oft genug kraftlos und unfähig, den schwierigen Situationen in meinem Leben zu begegnen oder sie anzugehen. Aber vielleicht manchmal, dann und wann, in bestimmten Situationen spüre ich doch plötzlich: Es geht weiter. Von irgendwoher wächst mir Kraft für den Moment zu. In einem Gebet in der Bibel heißt es: „Gott, bei dir ist die Quelle des Lebens und in deinem Lichte sehen wir das Licht“ (Psalm 36,10). Und Jesus sagt in seiner berühmten Bergpredigt: „Darum sorgt nicht für morgen, denn der morgige Tag wird für das Seine sorgen. Es ist genug, dass jeder Tag seine eigene Plage hat.“ (Matthäus 6,34) Das ist dann das Gottvertrauen, mit dem ich den „Maulwürfen“ in meinem Garten mit mehr Gelassenheit begegnen kann, mit dem ich Steine aus dem Weg räume und endlich wieder einmal ein „Lobet den Herren“ anstimme möchte. Denn was aus meinen Mühen wächst, ob ich wirklich immer das Beste will oder ob mir Maulwurf, Brennnessel und Co. nicht doch auch einen Gefallen tun – das kann ich nie im Voraus ahnen. Und deshalb kann ich viel tun und es dann – nach getaner Arbeit – auch gut seinlassen und den Rest Gott überlassen.

Was also mache ich nun mit meinem Lebensgarten, mit dem Unkraut und den Baustellen in meinem Leben?! Ich versuche allem zu begegnen. Die nicht so geliebten Situationen genauso anzunehmen wie die angenehmen. Die Maulwürfe wie die schönen Blumen. Denn - das alles gehört nun mal zusammen. Wenn ich den Riesen-Hibiskus und die wundervollen Rosen bestaunen will, dann muss ich mich zuvor um das Unkraut und die wuchernden Gewächse kümmern, die meinen schönen anderen Pflanzen Licht und Wasser nehmen.

Mein Leben – widersprüchlich und herausfordernd – wunderschön und geheimnisvoll. Max Maulwürfshügel mag ich immer noch nicht. Aber wenn ich denke, dass auch er nur seine Aufgabe erfüllt… dann wird er noch immer nicht mein Lieblingstier… aber ich habe Respekt vor ihm. Auch sein Leben ist Gottes Schöpfung. Wir atmen und leben, wir mühen uns und ruhen uns zufrieden aus. Der Hibiskus und die Rosen in unserem Garten, liebevoll von meiner Frau gehegt und gepflegt, beschnitten und gewässert – einfach paradiesisch.

Musik 9: Track 6 Lobet den Herren, alle die ihn ehren (4:12) von CD A tribute to Paul Gerhardt, produziert und arrangiert von Dieter Falk, Interpret: Dieter Falk, Komponist: Johann Crüger 1653/1662, Verlag: Gerth Medien, 2006, LC 13743.

Autor: Manchmal hilft mir das wunderschöne Bild aus der Bergpredigt, wo Jesus sagt: „Seht die Vögel unter dem Himmel an: Sie säen nicht, sie ernten nicht, sie sammeln nicht in die Scheunen; und euer himmlischer Vater ernährt sie doch. … Und schaut die Lilien auf dem Feld an, wie sie wachsen: Sie arbeiten nicht, auch spinnen sie nicht … Darum sorgt nicht für morgen, denn der morgige Tag wird für das Seine sorgen.“ (Matthäus 6,26ff)

Mal fünfe gerade sein lassen, Müßiggang, Chillen, zurücklehnen. Den Garten bestaunen und nicht immer gleich das wuchernde Unkraut sehen und die Maulwurfshügel. Das wünsche ich mir, das wünsche ich Ihnen. Vor allem heute einen gesegneten und wundervollen Sommertag, Ihr Rainer Withöft aus Remscheid-Lüttringhausen.

Musik 10 = Musik 9

( 1 ) http://www.gesetze-im-internet.de/bnatschg_2009/__44.html

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