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Kirche in WDR 3 | 17.04.2018 | 07:50 Uhr

Mein Widerspruch

Seit Jahrzehnten schleppe ich ein ungelesenes Buch mit mir herum. Als ich es kaufte, war mir klar, die 822 Seiten nicht in einer Woche zu schaffen. Dabei lädt der Umschlag ein, es zu lesen. Damals wurde uns jungen Kaplänen das Buch ans Herz gelegt. Es heißt die „Geschichte des Todes“. Von ihm versprach ich mir eine Hilfe für die vielen Beerdigungen. Das alltägliche Sterben belastete mich. Mit ihm musste ich mich als junger Mensch im Kopf auseinandersetzen. Eigentlich wollte ich mit dem Tod nichts zu tun haben. Dafür fühlte ich mich zu jung. Aber beerdigen musste ich. Also versuchte ich zu lesen, aber das Buch verschwand schnell aus meinem Blickfeld. Vor drei Jahren zog ich um, und ich ordnete meine Bücher. Alle konnten unmöglich mitziehen, weil die neue Wohnung zu wenig Platz bot. Plötzlich hatte ich die „Geschichte des Todes“ in der Hand. Mit der Vorstellung, sie nach dem Umzug endlich zu lesen, packte ich sie in einen Umzugskarton.

Inzwischen sind wieder drei Jahre vergangen. Vor einigen Monaten entdeckte ich die „Geschichte des Todes“ wieder in meinem Bücherregal. Ich nahm sie heraus. Jetzt wollte ich endlich die Lektüre fortsetzen. Es ging gar nicht mehr um meinen Beerdigungsdienst. Im Grunde war er abgearbeitet. Ich selbst kam ins Spiel, denn meine Zeit läuft ab. Wer 71 Jahre alt wird, ahnt die Nähe des Todes. Deshalb legte ich das Buch bewusst auf meinen Schreibtisch. Jeden Morgen erinnerte mich der Umschlag an meinen Vorsatz. Doch jeden Morgen vermied ich es, aufzublättern und zu lesen. Etwas hinderte mich. Immer dann, wenn ich lesen wollte, kam etwas dazwischen. War ich einst zu jung, fühle ich mich heute zu alt, um mich mutig mit dem eigenen Tod zu beschäftigen. Weil er schon anklopft, verweigere ich ihm den Zutritt. Nur der Kopf sagt mir, du hast keine Chance, ihm zu entkommen. Eines Tages öffnet der Sensenmann gewaltsam meine Tür. Zustimmend nicke ich, gleichzeitig freue ich mich, sobald das Telefon klingelt und ich die „Geschichte des Todes“ beiseitelegen darf. Mein Widerspruch zum Sterben ist groß, obwohl ich andere ermahne, sich auf den Tod vorzubereiten. Mein Herz will einfach nicht. Auf einer Berliner Hauswand las ich einmal einen Text, der meine Stimmung wiedergibt:

der Tod muß abgeschafft

werden, diese verdammte

Schweinerei muß aufhören.

Wer ein Wort des Trostes

spricht, ist ein Verräter

Trotzdem weiß ich, dass sich mit Auflehnung alleine nicht in Frieden leben lässt. Trost ist niemals Verrat. Dennoch werde ich wahrscheinlich das Buch über die Ge-schichte des Todes ungelesen mit ins Grab nehmen. Ihm bin ich dann dankbar, dass es mich immer wieder mit dem Tod konfrontiert hat.

Ich wünsche Ihnen einen lebensfrohen Tag. Albert Damblon aus Mönchengladbach

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