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Kirche in WDR 5 | 02.08.2016 | 06:55 Uhr

Meine Heimat ist in mir

Guten Morgen!

„Meine Heimat ist in mir.“ So heißt eine Ausstellung, die im Moment in unserer evangelischen Kirche in Lüdinghausen zu sehen ist. Zu sehen sind Bilder von Otto Pankok. Es sind Gesichter. In eindringlichem Schwarzweiß. Viele Frauen und Kinder. Ernst. Melancholisch. Auch verwegen. Würdevoll in ihrer Armut. „Zigeuner“, so nannte Pankok sie unbefangen, die Sintifamilien, die er Anfang der dreißiger Jahre kennenlernte und die seine Freunde wurden. Er malte am liebsten die heimatlosen Menschen. Das machte ihn selbst über Jahre zum Heimatlosen. Denn als die Nazis an die Macht kamen, erhielt er Berufsverbot wegen seiner so genannten entarteten Kunst und zog sich in ein Versteck in der Eifel zurück. „Meine Heimat ist in mir“ – mit diesem Satz trotzte Pankok diesen Erfahrungen.

Heimat ist ein Halt, ein Geborgensein, eine Gewissheit, die man tief in sich trägt. Heimat ist die Liebe, mit der man geliebt wurde, die Überzeugung, die in einen gesät wurde, das Vertrauen, in dem man wurzelt. Man erfährt diese Heimat an bestimmtem Ort, aber sie ist nicht dieser Ort.

„Meine Heimat ist in mir.“ Wir haben unserer Ausstellung diesen Titel gegeben, weil wir das Wort Heimat nicht dem Hassmund der Hetzer und Heimatverteidiger überlassen wollen. Heimat – das ist kein Ort, den man mit Grenzwächtern schützen kann; Heimat ist nicht Blut und Boden. Die Bibel kennt das Wort Heimat nicht, aber sie kennt diesen Ort sehr wohl. Im Garten Eden, im Paradies, gibt Gott Adam und Eva ein Zuhause. Das Paradies ist die Heimat der Menschheit. Dort bewegen sie sich nackt und ohne Angst, frei und ohne Scham. Da müssen sie sich nicht rüsten und verteidigen, sich nicht verstecken. Im Paradies arbeiten sie, und können die Früchte ihrer Arbeit genießen. Dieses Paradies, das in keinem Atlas zu finden ist, es ist die Heimat, in der noch niemand war und wohin doch jeder zurückmöchte. Es ist das Bild davon, wie das Leben sein sollte. Die Paradiesgeschichte ist keine Erinnerung an eine frühere bessere Welt. Sie ist eine Vision. Sie wurde erzählt, weil das Leben eben noch nie paradiesisch heimelig war, sondern unsicheres Dasein in einer brutalen Welt. Deshalb ist die Paradiesgeschichte eine Protestgeschichte: So wie es jetzt ist, so will Gott das nicht. Die Welt kann Heimat für alle sein.

Viele Menschen fühlen sich heute heimatlos und haben Angst, fremd im eigenen Land zu werden. Das liegt aber nicht so sehr an den Fremden, die ins Land kommen. Es liegt daran, dass vielen die innere Heimat abhandenkommt. Das wundert nicht, wo doch alles auf Beschleunigung, Flexibilität und Konkurrenz getrimmt wird. Wo die soziale Sicherheit verloren geht, wo man Lebensorte nur noch als Standorte bezeichnet, da geht auch die Heimat verlustig. Es ist recht, darüber traurig und zornig zu werden. Wenn aus der Trauer und dem Zorn doch bloß nicht so viel Hass wüchse!

Die Bibelgeschichte vom Paradies erzählt von der verlorenen Heimat, ohne jeden Kitsch. Sie weckt Hoffnung, dass die Welt wieder zur Heimat und das Leben wieder heil werden kann. Denn das Paradies ist keine versunkene Welt. Nur das Tor zu ihm ist versperrt. Der Maler Otto Pankok war einer von denen, die es mit ihrer unbeirrbaren Menschenliebe und Friedensliebe einen Spalt zu öffnen vermögen. Von solchen braucht es mehr.

Einen guten Tag wünscht Ihnen Silke Niemeyer, Pfarrerin in Lüdinghausen.

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