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Kirche in WDR 3 | 03.08.2016 | 07:50 Uhr

Meinen Hass bekommt ihr nicht

Guten Morgen.

Da gab es einen Bauern, der säte Weizen auf seinen Acker. In der Nacht aber ging sein Feind hin und säte Giftpflanzen darunter. Ein heimtückischer, geradezu terroristischer Anschlag! Beide Saaten gingen auf, lange merkte keiner etwas. Dann aber entdeckten aufmerksame Knechte das Böse, das da aufging, und alarmierten den Bauern: Da wächst giftiges Kraut auf deinem Acker. Sollen wir hingehen und es ausreißen?

Die Geschichte ist vor der Erfindung von Glyphosat entstanden. Sie ist ein biblisches Lehrstück (1) und handelt nicht von Landwirtschaft. Es geht um die Frage: Wie geht man mit feindlichen Anschlägen und der Saat des Bösen um? Sollen wir hingehen und das giftige Gewächs ausreißen? Die klare Antwort: „Nein! Sonst reißt ihr zusammen mit dem Kraut auch den Weizen aus. Lasst beides wachsen bis zur Ernte.“ Erst dann soll es gesammelt und verbrannt werden.

Man möchte den Kopf schütteln. Es gibt gefährliche Saat, die darf man einfach nicht lange wachsen lassen. Natürlich muss man einen Anschlag vereiteln und die Gefahr unverzüglich unschädlich machen. Natürlich muss man Gewalttätern, Terroristen, Rechtsradikalen ohne lange zu fackeln das Handwerk legen.

Wie soll man da den Rat verstehen, die giftigen Halme vorerst sprießen zu lassen? „Sonst reißt ihr zusammen mit dem Kraut auch den Weizen aus.“, warnt der Bauer. Es ist nämlich so: Manchmal möchte man mit Gewalt das Böse vertilgen und bringt das Gute gleich mit um. Die Verwüstungen eifrigen Unkrautausreißens besichtigen wir ja gerade. In der Weltsicht des Islamischen Staates ist das Feld der arabischen Welt vergiftet: Vergiftet von den Demütigungen durch die westlichen Besatzungen und dadurch, dass sie die muslimischen Gläubigen gekränkt haben. Und so hat der Islamische Staat seine Knechte losgeschickt, um das Unkraut herauszureißen, und sie schneiden ihren Feinden die Köpfe ab.

Das westliche Unkrautvertilgungsprogramm heißt seit fünfzehn Jahren: Krieg gegen den Terror. Das funktioniert nun seinerseits so, dass man die anderen zum tödlichen Gewächs erklärt. Man wolle das Übel mit der Wurzel ausreißen, schwört man nach jedem Anschlag. Doch das giftige Kraut des Terrors ist weitergewachsen wie wild. Und es geht es weiter und weiter mit diesem Programm. Der Weizen, der auf den Feldern des Friedensprozesses im Nahen Osten wuchs, ist mit ausgerissen worden. Und hierzulande wird gerade am respektvollen Umgang mit Muslimen gerissen.

Das Gleichnis vom Unkraut unter dem Weizen lehrt: Reagiere auf Bedrohung mit Vernunft. Nicht mit Reflexen. Wer die Saat des bösen Feindes ausreißen will, muss jeden Halm unter die Lupe nehmen. Damit steht jeder Halm in Verdacht, giftig zu sein. So wird man im Zweifel auch den harmlosen rausreißen. Für das Feld des menschlichen Zusammenlebens ist so etwas tödlich. Es tötet das Lebensmittel jeder Gemeinschaft, das Vertrauen heißt.

Dieses Vertrauen – allem Bösen zum Trotz -, das beschwört in diesen Tagen Antoine Leiris. Er hat seine Frau, die Mutter seines kleinen Sohnes, beim Terror in Paris verloren. Natürlich müsse der Islamische Staat bekämpft werden, sagte er, aber auf besonnene Art und Weise. „Meinen Hass bekommt ihr nicht.“ heißt sein Buch, ein Protokoll seiner Trauer und zugleich der menschlichen Klugheit und Wärme.

Einen guten Tag wünscht Ihnen Silke Niemeyer, Pfarrerin in Lüdinghausen.

(1) Matthäus 13, 24-30. Für „Unkraut“, wie Luther übersetzt, steht im Griechischen „zizania“. Dies ist der Taumel-Lolch, der im ersten Wachstumsstadium wie Weizen aussieht, aber giftig ist.

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