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Kirche in WDR 4 | 10.11.2016 | 08:55 Uhr

memento mori

Guten Morgen,

der schwedische Autor und Pastor Tomas Sjodin erzahlt einmal von der lustigen Nachbarin seiner Mutter. Nachdem seine Mutter und die Nachbarin sich eine Weile unterhalten hatten, erzahlte die Nachbarin, wie sie ihren Tag beginnt: „Als Erstes geh ich raus und hole die Zeitung. Noch neben dem Briefkasten uberfliege ich die Todesanzeigen, um zu schauen, ob meine dabei ist. Wenn nicht, geh ich rein und koche Kaffee.“

‚Memento mori‘. So haben das die Monche des Mittelalters genannt, und das war vermutlich eine Verballhornung der lateinischen Übersetzung von Psalm 90: “Memento moriendum esse“ – „Bedenke, dass du sterben musst“ (Psalm 90,12a). Fur die Monche war dieses Erinnern an das Sterbenmüssen eine tagliche Ubung. Und so auch für die Nachbarin. Morbide? Nein! Sie und ich - wir wissen vielleicht, dass wir sterben mussen. Aber haben wir es verinnerlicht? Ich schiebe es meist aus meinem Blickfeld – weil es mein aktives Leben zu stören scheint. Ans Sterben denken, wenn der Tag nach pulsierender Aktivität verlangt – das passt doch wohl nicht, oder?

Letztens besuchte ich eine alte Dame aus der Gemeinde. Weit über 80 und immer noch fit im Kopf. Doch nun reibt in der Hüfte Knochen auf Knochen und jeder Schritt wird zur Qual. Sie lässt mir ausrichten: „Christof, komm vorbei, ich möchte etwas Ernstes besprechen!“ Ich sehe ihr letztes Stündchen gekommen (obwohl ich mir das nicht denken kann) und nur kurze Zeit später fahre ich zu ihr hin. Um was geht es? Nicht ums Sterben - oder besser gesagt: nicht direkt. Es geht um ihr Testament. Jetzt wolle sie endlich eins machen… mit über 80 keine schlechte Idee, aber sie war so fit und mitten im Leben gewesen die ganzen Jahre, dass sie das völlig verdrängt hatte. Wie gut, so lange ein erfülltes Leben zu genießen, aber auch wie tragisch, wenn dann erst durch Schmerzen das Thema Tod ins Leben platzt.

Denn das Nachdenken uber das Sterben und den Tod weckt meist unangenehme Gefühle. Wenn ich mich aber jeden Tag einübe in den Gedanken daran, dass ich sterben muss, kann mich das Thema nicht mehr plotzlich eiskalt erwischen. Das Bedenken des Todes und der vielen kleine Tode im Leben – zum Beispiel wenn Traume sterben, Menschen enttäuschen und Freundschaften oder Partnerschaften enden oder auch nur wenn ich merke, dass ich schwacher werde – das Bedenken dieser Tode lehrt mich, den Augenblick wertzuschatzen und als kostbar zu empfinden. Und nicht nur das: Als Christ glaube ich, dass mit dem Tod nicht alles vorbei ist, sondern dass ich in der Ewigkeit des liebenden Gottes aufgehoben bin. Memento mori - das hilft mir zu leben und klar zu werden. Prioritäten zu setzen. Und vielleicht im Hier und jetzt schon manches loszulassen, das ich umklammere, das aber nicht trägt. Und das dient letztlich einem lebendigen Leben!

Also: Wie die lustige Nachbarin - öfter mal in die Todesanzeigen schauen und damit rechnen, ich könnte dabei sein. Und wenn nicht: Dann freu ich mich und lebe diesen Tag ganz bewusst. Ihr Pastor Christof Lenzen aus Gera.

Geschichte aus: Tomas Sjödin: Warum Ruhe unsere Rettung ist; SCM R.Brockhaus, Witten, 2016, S.111.

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