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Kirche in WDR 5 | 02.01.2016 | 06:55 Uhr

Menschen auf der Suche nach Heil

Guten Morgen!

Sie kommen aus aller Herren Länder. Sie sind aufgebrochen und haben ihre Heimat hinter sich gelassen. Sie nehmen verschiedene Routen. Sie sind getragen von einer Hoffnung auf Heil. Sie suchen nach dem richtigen Weg. Und sie erreichen das verheißene Ziel.

Ich rede nicht von den Menschen auf der Flucht, die nach Deutschland kommen. Ich rede von den drei Sterndeutern aus der Bibel, von denen das Matthäusevangelium berichtet. Reisende mit einer Verheißung, den neugeborenen König der Juden zu finden. Sie leben offenbar auf dieses Ziel hin, weil sie sich davon mehr versprechen, als zu Hause zu bleiben. Sie kommen beim Jesuskind an und beten es an: der zweite Akt des Weihnachtsfestes, den die Kirche am 6. Januar besonders feiert.

Die Ähnlichkeit der Bewegungen zwischen der Reise der Sterndeuter und den Wegen der fliehenden Menschen ist doch verblüffend. Mehr noch, es gibt sogar eine Ähnlichkeit zu jedem menschlichen Leben, also auch zu meinem eigenen: Aufbruch, Sehnsucht nach Heil, Suche mit Irr- und Umwegen, Finden eines Zieles. All das sind innerliche Bewegungen die wahrscheinlich jeder kennt. Deswegen sind diese „Heiligen Drei Könige“, zu denen die biblischen Sterndeuter im Laufe der Jahrhunderte geworden sind, wohl auch bis heute so populär.

Mich hat immer besonders die Herkunft der drei Männer fasziniert. In der Überlieferung repräsentieren sie die drei damals bekannten Erdteile: Europa, Asien, Afrika. Das heißt also: Die ganze Welt war aufgebrochen, um Jesus zu suchen und ihn zu finden. Damit war verbunden, die Entdeckung von Gottes Liebe, die Heil schenkt. Anders formuliert: Christentum versteht sich von Anfang an global. Wie wichtig es ist, sich diese Dimension immer wieder in Erinnerung zu rufen, zeigt sich doch gerade in den letzten Monaten, wo Globalität vor der eigenen Haustür als Wirklichkeit erfahren wird. Hinter jedem Flüchtling, der an die Tür klopft, steht ein persönliches Schicksal mit eigener Sehnsucht und eigener Suche. Wie die Sterndeuter sind sie aufgebrochen, um ihr Heil zu finden. Die Sterndeuter aus der Bibel erweitern gerade heute den Horizont und erinnern daran, dass Gottes Heil für alle Menschen erfahrbar werden soll – mehr noch: dass das Heil gefunden werden kann. Es kommt aber darauf an, dass dieses Heil durch andere Menschen vermittelt wird, letztlich durch mich und dich.

Deswegen ist im Bild der Drei Könige die größte weltumspannende Hilfsaktion von Kindern für Kinder entstanden: die Sternsingeraktion. Mich hat sehr berührt als ich vor zwei Jahren bei einem Besuch in Afrika im Senegal war. Dort habe ich zufällig an der Wand eines Pfarrsaales ein Wandgemälde entdeckt mit einem Sternsinger-Jungen und der deutschen Aufschrift „Dreikönigssingen“. Der afrikanische Pfarrsaal dort war eine Art Gemeinde-Lebens-Raum, ermöglicht, weil Menschen in deutschen Gemeinden, Kinder und Erwachsene, bereit waren, ihren Horizont zu weiten und den Bau finanziert haben. Jede dieser Hilfeleistungen trägt dazu bei, dass Menschen Heil finden können, gerade auch in ihrer Heimat.

Auch in den kommenden Tagen ziehen wieder viele Jungen und Mädchen verkleidet als drei Könige durch die Straßen. Übrigens: Immer seltener muss einer der drei Könige schwarz angemalt werden, um das afrikanische Herkunftsland deutlich zu machen. Denn verschiedene Hautfarben sind bei den Kindern längst in echt vertreten. Ich finde das wunderbar! Sie alle sammeln für konkrete Projekte, die mehr Leben ermöglichen wollen und zwar auch in den Ländern aus denen heute die Flüchtlinge kommen.

Die Sternsinger ziehen von Haus zu Haus. Dabei sprechen sie für die besuchten Menschen einen Segen aus, der in einem Kürzel über die Haustür geschrieben wird: „C + M + B“, „Christus mansionem benedicat“, „Christus segne dieses Haus“. Segen von Gott empfangen, Segen sein durch eigenes Handeln und auch Segen erfahren durch fremde Menschen, die bei uns ankommen. Um das zu entdecken, muss man manchmal danach suchen und wie die Sterndeuter vielleicht sogar weite Wege gehen. Aber ich bin davon überzeugt: Manchmal kann ich ein Stück Heil auch direkt vor meiner Haustür finden. Ich muss einfach nur mal genauer hinschauen.

Aus Hüsten grüßt Sie Pfarrer Dietmar Röttger

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