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Kirche in WDR 2 | 30.05.2014 | 05:55 Uhr

Menschen mit Möglichkeiten

Andre Zimpel ist Psychologe und Professor, kritischer Geist und Mutmacher. Seit mehr als 20 Jahren lehrt und forscht er an der Uni Hamburg im Bereich der Sonderpädagogik. In diesem Jahr wurden er und sein Team dem Moritz 2014 geehrt. Eine Auszeichnung für Menschen, die sich – in besonderer Weise für Menschen mit Down Syndrom engagieren.

Und in der Tat: Zimpels Team hat in den letzten Jahren mit mehr als Eintausend betroffenen Menschen gearbeitet, hat ihre Aufmerksamkeit, ihre Wahrnehmung und ihr Lernverhalten erforscht. Sein Antrieb ist die Überzeugung, dass Menschen mit Down Syndrom weit mehr können als man ihnen gemeinhin zutraut. Dabei gab es in den vergangenen Jahrzehnten schon Menschen mit Down Syndrom, die von sich reden machten.

In den 70er Jahren veröffentlichte in Großbritannien ein Junge sein Tagebuch, sprich: Er konnte lesen und schreiben. Das war damals eine Sensation. In den 80er Jahren machte eine Schülerin in Schweden das Abitur, und vor einiger Zeit wurde Pablo Pineda bekannt, weil er als erster Europäer einen Hochschulabschluss machte und als Grundschullehrer sein Geld verdient.

Alles Erfolge von Menschen mit Lernschwierigkeiten. Denn Fakt ist: Menschen mit Down Syndrom leben neurobiologisch unter erschwerten Bedingungen. Kleinkinder müssen mehr Energie aufwenden, um sprechen und laufen zu lernen. Ihre Gefühle dauern länger an. Sind sie einmal für etwas begeistert, sind sie begeistert. Auf der anderen Seite wirkt auch Frustration länger nach.

Und: durch Trisomie 21 hat man ein kleineres Aufmerksamkeitsfenster. "Diese veränderte Aufmerksamkeit ist nicht nur eine Schwäche, sondern auch eine Stärke", sagt Zimpel. Menschen mit Trisomie 21 neigen zum abstrakten Denken. Deshalb lernen manche schon mit zwei oder drei Jahren Lesen und Schreiben. Ziel muss es deshalb- laut Zimpel - sein, diese neurobiologischen Bedingungen genauer zu erforschen, um Bildungschancen für Menschen mit Down Syndrom zu verbessern.

Entwicklungsbedarf sieht der Pädagoge auch bei der gesellschaftlichen Akzeptanz. Nach vielen Jahren intensiver Arbeit und Begegnung hat er einen kritischen Blick entwickelt. Er stößt sich an dem Wort „I-Kinder“ für Kinder, die in der Schule einen Integrationshelfer haben, ebenso wie am Begriff Down Syndrom. Zimbel spricht konsequent und wertfrei von „Menschen, die unter den Bedingungen von Trisomie 21“ leben. Der Professor kritisiert einen "Intelligenz-Kult", eine Umwelt, die geringschätzig mit Menschen umgeht, die angeblich weniger intelligent sind.

So entsteht ein Klima von Unwissenheit, Ängsten und Ablehnung, das möglicherweise auch Einfluss hat auf die Entscheidungen werdender Eltern. 90 % der Schwangerschaften werden heute abgebrochen, wenn durch einen Bluttest, der sehr früh möglich ist, die Chromosomenabweichung festgestellt wird.

Zimpel hofft, „dass sich in Zukunft mehr Menschen für ein Kind mit Trisomie 21 entscheiden.“

Deshalb wird er nicht müde auf Vorträgen für die Entwicklung einer Willkommenskultur zu werben. Einer Kultur, in der Menschen, die anders sind, mit Respekt und Offenheit begegnet wird, in der sie erfahren, dass sie gewollt und wichtig sind.

Ich meine, gerade auch in der Kirche. Als Christen glauben wir, dass der Mensch Ebenbild Gottes ist. Jeder Mensch. Das ernst zu nehmen heißt, sich selbst und den anderen nicht an Idealbildern zu messen, sondern sich und andere aus Gottes Perspektive zu sehen und ihn dabei zu erkennen; den Wert jedes Menschen. Es heißt, sich stark zu machen für eine tolerante Gesellschaft, die Zeit und Mühen auf sich nimmt, um Chancen für alle zu entwickeln. Einer Gesellschaft, die die Menschen mit Gottes Augen sieht; mit ihren Schwächen und mit ihren oft ungeahnten Möglichkeiten.

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