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Kirche in WDR 4 | 20.08.2016 | 08:55 Uhr

Menschenskinder

„Menschenskinder!“: Viele kennen das als Anrede. Die wird zwar nicht gebrüllt, aber sie wird auch nicht gerade geflüstert. Sie wird gerufen – so, dass sie ankommt. So, dass sie wachrüttelt und Beine macht:

Menschenskinder, jetzt reicht´ s aber.

Menschenskinder, steht auf, setzt euch ein!

Menschenskinder, lasst euch nichts ins Bockshorn jagen!

Der Küster in meiner früheren Gemeinde konnte dieses Wort auf unvergessliche Weise sagen, wenn er ehrfürchtig staunte: „Menschenskind!“

In der Bibel lese ich: Wie köstlich ist deine Güte, Gott, dass Menschenkinder unter dem Schatten deiner Flügel Zuflucht haben! (Psalm 36,8)

Menschenkinder ist mehr als der Gattungsbegriff „Mensch“.

Menschenkinder, das sind Söhne und Töchter des ersten Menschen, den Gott, der Schöpfer, ins Leben rief – als Mann und als Frau.

Menschenkinder: Nachkommen derer, die vor uns waren.

Nicht in die Welt geregnet, sondern von Gott gewollt, jeder und jede mit einem wichtigen und unverwechselbaren Platz in einer langen Generationenfolge geliebter Geschöpfe.

Menschenkinder:

Ein liebevoller Ausdruck ist das.

Ein Begriff der unverlierbaren Würde.

Geradezu eine Auszeichnung, die uns zukommt – ohne, dass wir etwas dazu getan hätten.

Auch die Menschen, die unter schweren Bedingungen leben;

auch diejenigen, auf die kein Mensch mit Liebe gewartet hat;

auch diejenigen, die sich selbst nur schwer annehmen können – und ihr Leben so, wie es ist, erst recht nicht:

Alles Menschenkinder.

Söhne und Töchter. Von Gott gewollt und hoch geachtet, angesehen und geliebt.

Auch im Duden findet sich das schöne Wort. Recht bald danach finde ich: Menschenscheu - Menschenschinder - Menschenschlag. Und noch ein wenig später folgen Menschenstrom - Menschentraube - Menschentypus.

Diese sprachliche Umgebung stimmt nachdenklich.

Und das Wort Menschenkind wird gleich noch ein bisschen schöner.

Christen erinnert es an das biblische Wort Menschensohn. Und daran, dass Gott selbst Mensch wurde. Ja, als Christin glaube ich, dass mir in meinen Menschenbrüdern und –schwestern Gott selbst begegnet. Und nicht nur für Christen ist es von dem schönen Wort Menschenkind nicht weit zu dem schönen Wort Gotteskind.

In dem Wort stecken die gute Ahnung und die tiefe Sehnsucht danach, dass Gott – Vater und Mutter aller Menschen – ihnen allen Liebe und Würde schenkt, ihnen allen Freiheit und Recht schafft.

Diesen Glauben können – bei allen Unterschieden, die es gibt – Christen, Juden und Muslime miteinander teilen. Und wir tun es auch.

Wehren uns gemeinsam dagegen, dass Menschen in Arten, in Sorten, in diesen Menschenschlag und jenen Menschentyp eingeteilt werden wie in Schubladen. Wollen uns nicht scheu machen lassen vor Menschen, die anders sind. Auch und gerade jetzt nicht.

Menschenskinder, wir haben mehr und klügere Ratgeber als die Angst!

Vernunft zum Beispiel. Güte und Mut zum Beispiel. Gelassenheit. Selbstvertrauen und Fremdvertrauen zum Beispiel. Nicht zuletzt: Gottvertrauen.

Gott sei Dank.

Einen guten Tag wünscht Annette Kurschus, Präses der Evangelischen Kirche von Westfalen.

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