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Kirche in WDR 4 | 09.03.2015 | 08:55 Uhr

„Mir ist er Hirte“

Guten Morgen, liebe Hörerinnen und Hörer!

Weil er nicht schlafen konnte, habe er nachts in den Psalmen gelesen. So notiert es der Dichter Rainer Maria Rilke in seinem Tagebuch. Das biblische Buch der Psalmen ist ..

Sprecher: „eines der wenigen Bücher, in dem man sich restlos unterbringt, mag man noch so zerstreut und ungeordnet und angefochten sein“, so schreibt Rilke in einem seiner Briefe .

Was Rilke da sagt, spricht mich an. Dass man sich da restlos unterbringen kann, das kenne ich auch. Und obwohl die Psalmen mehr als 2500 Jahre alt sind, geht es auch heute noch vielen Menschen ganz ähnlich.

Einen Psalm kenne ich, der Unzähligen ans Herz gewachsen ist. Er beginnt mit den Worten: „Der Herr ist mein Hirte, nichts wird mir fehlen.“ In diesem 23. Psalm haben viele so etwas wie ein Zuhause gefunden: Einsame und kranke ebenso wie sterben-de, aber auch glückliche Menschen. Oft haben sie schon als Kinder gelernt, vor dem Einschlafen darin Ruhe und Frieden zu finden. Und wo sie durch Schicksalsschläge verstummt waren, hat ihnen dieser Psalm die Sprache zurückgegeben. Mich hat das als Krankenseelsorger immer wieder bewegt.

„Der Herr ist mein Hirte.“ Wer sich so ausdrückt, tut es durch ein Bild. Hirten gehörten ja zum Alltag biblischer Menschen. Die Israeliten waren ursprünglich ein Nomadenvolk, immer unterwegs mit den Herden. Sie wussten also, was zwischen Hirt und Herde geschieht: behüten und beschützen, führen und leiten, sich kümmern. All das wurde ihnen zu einem ansprechenden Bild auch fürs menschliche Miteinander.

Selbst Fürsten und Könige konnten es nicht besser ausdrücken, was sie sein wollten, als im Bild eines Hirten.

Aber ich denke: Hirte und Fürst, Hirte und König und erst recht Hirte und Herr: Wenn man diese Gestalten miteinander vergleicht, ist es für einen betenden Menschen von heute nicht leicht, auch G o t t wie einen Hirten zu sehen. Mag der biblische Mensch den Gott, an den er glaubte und dem er vertraute, wie einen Herrn erlebt ha-ben. Der Mensch von heute tut sich oft schwer damit, in einem

H e r r n seinen G o t t zu finden. Ich persönlich bin da jedenfalls skeptisch.

Ich habe daher Psalm 23 noch einmal in der ursprünglichen Sprache gelesen. Und da heißt es wortwörtlich „Jahwe ist mein Hirte.“ Jahwe - dieser geheimnisvolle Na-me des biblischen Gottes wird oft übersetzt mit: „Ich bin, der ich bin.“ Oder es heißt: „Ich bin da.“ Von einem Herrn ist da keine Rede. Für mich persönlich übersetze ich darum den Beginn des 23. Psalm gerne so: „Wer auch immer da ist. Mir ist er Hirte.“

Immer da? So wird mancher einwenden: Ist da einer immer da, wenn ich bete? Wie soll ich das glauben? Woran merke ich das? Wie spüre ich es?

Spüren kann ich, dass ich lebe, dass ich lebendig bin – und wie. Und wenn ich meine Lebendigkeit spüre, kann ich in mir das Leben selbst erahnen. Menschen, die so aufmerksam auf ihr Inneres achten, scheuen sich nicht zu sagen: “ Das Leben spricht zu mir. Es spricht mich an“. Vielleicht sagt es: „Ich bin da.“ Oder es sagt wie ein Hirte: „Pass auf - Vorsicht!“ Wenn ich mich so vom Leben selbst in meinem Inneren angesprochen fühlen kann, bin ich nicht mehr weit entfernt davon wie der biblische Mensch zu sagen: „Jahwe“: „Wer auch immer da ist, mir ist er Hirte.“ Einem Hirten will ich gerne vertrauen. Ein Herr dagegen kann mich gelegentlich auch das Fürchten lehren.

Dass Sie heute ihre eigene Lebendigkeit spüren und ansprechend finden, das wünscht Ihnen Friedhelm Mensebach, Pfarrer aus Köln.

Copyright Vorschaubild: Public Domain Pixabay

*Rainer Maria Rilke, Briefe, 247

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