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Kirche in WDR 2 | 25.11.2014 | 05:55 Uhr

Mit dem Leben, was übrig bleibt!

Es geschah am 18. November 1995 auf der Bühne des Lincoln Centers in New York. Der Geigenvirtuose Itzhak Perlman gibt ein Konzert . Mit nur vier Jahren erkrankte er an Kinderlähmung. Seit dem kann er sich nur noch mühevoll fortbewegen - mit Hilfe von Beinstützen und zwei Krücken.

Auch an diesem Abend, bei seinem Weg über die Bühne zu seinem Stuhl, bewegt er sich langsam und offensichtlich unter Schmerzen. Bei seinem Stuhl angekommen lässt sich vorsichtig nieder, legt die Krücken ab und bückt sich, um die Klammern von seinen Beinen zu lösen. Er bringt seine Beine in Positur, nimmt die Geige hoch und setzt sie ans Kinn. Er gibt dem Dirigenten ein Zeichen. Die Instrumente setzen ein, aber diesmal geht etwas schief. Nach nur wenigen Takten, erfüllt ein lauter Knall den Konzertsaal. Eine Saite auf der Violine ist gerissen. Alle wissen, was der Musiker jetzt tun muss. Sie erwarten, dass er jetzt wieder die Stützen an seine Beine klammert, die Krücken aufnimmt und den langen Weg über die Bühne zurückgeht. Entweder, um eine neue Saite auf sein Instrument zu spannen oder eine neue Geige zu holen.

Aber nichts von dem passiert. Der Mann wartet einen Moment, schließt die Augen, und dann signalisiert er dem Dirigenten, dass er wieder einsetzen soll.

Das Orchester beginnt und Itzhak Perlman spielt mit dem, was noch übrig geblieben ist von seinem Instrument. Und er spielt so gut, leidenschaftlich und kraftvoll, wie er nie zuvor spielte. Noch nie spielte jemand eine Symphonie mit nur drei Saiten. Musikkenner hätten dies bis zu diesem Zeitpunkt auch für unmöglich gehalten. Doch Itzhak Perlman weigert sich an diesem Abend, diese Sicht der Dinge zu akzeptieren. Er moduliert das Stück in seinem Kopf für seine übrig gebliebenen Saiten. Als die letzten Töne verklingen , ist es mucksmäuschenstill. Eine besondere Stimmung hängt über dem Publikum.

Und dann bricht es aus den Besuchern heraus. Sie springen von ihren Plätzen und klatschen voller Begeisterung. Er lächelt, wischt sich den Schweiß von den Augenbrauen, hebt den Bogen und bittet damit um Ruhe. Dann sagt er ganz bescheiden und ruhig:

"Wissen Sie, manchmal ist es die Aufgabe des Künstlers, herauszufinden, wie viel Musik man noch machen kann mit dem, was einem noch übrig geblieben ist."

Perlman ist ein begnadeter Musiker. Doch nicht nur er, wir alle sind begnadet, beschenkt von Gott. GOTT findet uns gut, so wie wir sind und so behandelt er uns auch. Wir neigen dazu, eher die Defizite zu sehen und im Laufe eines Lebens werden es immer mehr. Aber trotzdem können wir mit dem, was ist, Großartiges bewirken. Auch wenn wir bestimmte Fähigkeiten verloren haben oder mit Einschränkungen leben müssen. Zwar müssen wir dann umdenken und das Leben anders angehen, aber es kann trotzdem einzigartig und gut werden. Das Glück, die Zufriedenheit hängt nicht von einer perfekten Ausgangssituation ab, das hat der Weltklasse-Geiger bewiesen. Werden wir zum Lebensvirtuosen, indem wir mit dem gut leben, was übrig bleibt.

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