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Kirche in WDR 2 | 18.11.2016 | 05:55 Uhr

Mit dem Taxi zum Friedhof

Jetzt im November gehen viele Menschen auf den Friedhof. Beim Besuch der Gräber denken sie an die Beerdigung zurück; manche überlegen sich auch, wie sie selbst beerdigt werden wollen.

Nicht wenige erinnern sich dann daran, was passierte, als sich die Kinder trafen, um die Beerdigungskosten von Mutter oder Vater aufzuteilen.Mancher Ärger kommt da zusammen.

Und ich muss es so sagen: Auch Ärger über das kirchliche Bodenpersonal, also über uns Seelsorger. Das fängt bei der Taxifahrt an. Die Transportkosten des Pfarrers kosten oft extra. Da kommen schon mal 80 Euro für das Taxi zusammen. Rein rechnerisch ist das nicht zu viel, denn der Wagen wartet ja auf dem Friedhof, um den Pfarrer wieder nach Hause zu fahren. Der Taxifahrer macht also kein Bombengeschäft.

Aber trotzdem: Wer mit Beerdigungsunternehmern spricht, erfährt schnell, wie sehr sich die treuen Kirchensteuerzahler darüber ärgern oder zumindest stark wundern, dass der Transfer des Seelsorgers nicht inklusive ist. Man mag das für eine Lappalie halten, aber in der Wahrnehmung der Menschen ist es anders, bestätigen viele Bestatter. Vielleicht entlädt sich ja auch nur an den Taxikosten des Pfarrers der allgemeine Ärger über die hohen Kosten für eine Beerdigung. Man wollte sie schon durch die Beisetzung in einer Urne niedrig halten…

So wäre es zumindest ein Gesetz der Klugheit, auf die Taxifahrt zu verzichten. Wenigstens in Pfarreien mit Gering- oder Normalverdienern. Und wer es nur mit Reichen zu tun hat, kann ja klug auf die Frage der Angehörigen: "Warum sind Sie denn nicht mit dem Taxi gekommen?", antworten:

"Aber nein, die Verstorbene hat doch ihr ganzes Leben lang schon ein Vermögen an Kirchensteuer gezahlt!"

Die Taxifahrt führt auch leicht in eine andere Falle. Das Taxi will ja nicht lange vor Ort warten und kommt daher meist knapp. Wenn dann noch Stau ist, wartet die Trauergemeinde schon in der Trauerhalle versammelt. Die Botschaft ist dann: möglichst wenig persönlichen Kontakt mit der Trauergemeinde. Und das ist falsch.

Menschen würdig zu bestatten: das ist ein wichtiger Service der Kirche. Service heißt zu Deutsch: Dienst. Und dieser Dienst ist nach Kirchentradition eines der „Werke der Barmherzigkeit“. Ich weiß, dass Seelsorger heute viel zu tun haben. Und eine Beerdigung kostet Zeit und Kraft. Aber diesen letzten Dienst an den Verstorbenen, den sind wir Seelsorger jedem verstorbenen Mitchristen schuldig.

Meine Meinung: Seelsorger kommen nie mit dem Taxi, sind schon mindestens eine Viertelstunde vor Beginn an der Trauerhalle und bleiben am Grab, bis der letzte Trauernde dort war.

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