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Kirche in WDR 2 | 01.10.2016 | 05:55 Uhr

Mit den Spatzen hüpfen

Kirche in WDR 2

Sendedatum: Samstag, 01.10.2016

Autorin: Kerstin Hanke

Sendetitel: Mit den Spatzen hüpfen

Podcasting: Ja

Tante Olga hat einen Goldfisch. Sie liebt ihn und versteht ihn, auch wenn sein schuppiges Maul nur Blubb macht. Käthe hat drei Katzen, Hanno züchtet Huskies, Marion liebt ihre Meerschweinchen. Und mein Neffe Gregor bettelt bislang vergeblich um einen Goldhamster.

Wer auch immer ein Haustier hält, eines ist sicher: Wir reden mit ihnen und schwören, sie verstehen uns. Ob gurren, maunzen, kläffen oder nur den Kopf schief legen und mit großen Augen den Besitzer betrachten - wir fühlen uns verstanden. Und es scheint in der Tat so zu sein, dass Tiere eine eigene Sprache für ihre Halter entwickeln. Eine skandinavische Forscherin untersucht gerade, ob Katzen eine universelle Sprache haben, oder ob sie in Dialekten maunzen können.

Aber eigentlich ist unsere Kommunikation mit Tieren recht einseitig. Es geht darum, ob der Fressnapf gefüllt werden soll, ob es Zeit für einen Spaziergang ist oder für eine Streicheleinheit. Manchmal erzählen wir unserem Tier auch von unserem Kummer. Aber reden wir mit den Haustieren über das, was wir glauben? Erzählen wir ihnen von Gott und unseren religiösen Gefühlen?

Einer hat das gemacht. Sein Name: Franziskus von Assisi.

Er predigte den Vögeln:

Sprecher:

“Ihr Schwalben, meine Schwestern, es ist jetzt Zeit, dass ich spreche; ihr habt genug geredet. Hört das Wort des Herrn und seid still und verhaltet euch ruhig, bis die Predigt vorüber ist!"

Und auch andere seiner Ordensbrüder folgten seinem Beispiel. Die Protestanten hingegen ließen sich lieber von den Vögeln predigen. So beispielsweise Martin Luther, der sagte:

Sprecher: “Darumb, wenn du eine Nachtigal hörest / so hörestu den feinesten Prediger.“

Zuhören ist das eine, aber Vögeln das Evangelium zu predigen, eine ganz andere Sache. Der Filmemacher Pasolini geht in einen wunderschönen Schwarzweiss Film der Sache auf den Grund. Hier sind es zwei Schüler des Franziskus von Assisi, die den Falken und den Spatzen von Gott erzählen sollen. Zunächst mit wenig Erfolg. Der gibt darauf schnell auf, der andere hält durch. Er sitzt da im stillen Gebet. Das Herbstlaub weht um ihn, Schnee fällt auf ihn. Dann ist es soweit – er spricht ihre Sprache, und unter Berufung auf die Kraft der Liebe ist es ihm ein Leichtes, die Falken zu bekehren. Bei den Spatzen aber versagt er. Wieder meditiert er. Laub, Schnee, Sonne….die Jahreszeiten wechseln. Dann springt er auf und hüpft. Denn er hat verstanden, dass die Spatzen sich nicht durch die Sprache, sondern durch ihren Hüpftanz verständigen.

Bei Pasolini geht die Bekehrung der Vögel nicht gut aus. Die Mönche laufen zu Franziskus zurück. Unterwegs sehen sie, wie ein bekehrter Falke einen bekehrten Spatz reißt.

OK. Die Welt ändert sich nicht, nur weil man von Gott hört. Das ist eine schmerzhafte Einsicht. Aber sie mag sich ändern, wenn man geduldig auf diese Schöpfung hört, sie betrachtet, in Kontakt mit Gott tritt. Das ist nichts, was schnell zu haben ist. Es braucht Geduld, Achtsamkeit, vielleicht auch Abgeschiedenheit. Es ist der Weg, den die Alten als den mystischen bezeichnet haben. Es ist die Saite in dir, die geschlagen wird, wenn du Gott begegnest und durch diesen Ton versteht du die anderen Töne des Lebens. Es eröffnet die Verbundenheit aller Kreaturen. Seien es Meerschweinchen, Goldfische oder Spatzen. Kann sein, dass es Dich zum hüpfen bringt.

Sprecher: Pfarrer Titus Reinmuth, Wassenberg

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