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Kirche in WDR 4 | 20.11.2017 | 08:55 Uhr

Mit Lust über die Grenze

Guten Morgen,

„Hier kommt keiner durch“, so heißt das Kinderbuch von Isabel Minhos Martins und Bernardo Carvalho aus Portugal. Auf den linken Buchseiten sieht man Menschen. Mit bunten Filzstiften gezeichnet; darunter eine Sportgruppe, ein Liebespaar, eine schwangere Frau begleitet von Mann und Kind, eine Mutter mit ihren fünf rotgelockten Kindern, zwei Jungen, die Fußball spielen, ein Mädchen im gelben Kleid und mit blondem Pferdeschwanz, ein Eisverkäufer, ein Koch aber auch zwei Außerirdische: das Gespenst Huhu und das Kaninchen Luis, das dem Hut eines Zauberers entsprungen sein kann. Sie alle drängeln sich hier auf den linken Buchseiten – und die rechten bleiben zunächst leer. Zwischen den Seiten steht ein olivgrün gekleideter Aufpasser mit Maschinenpistole und bewacht die Grenze zwischen linker und rechter Buchseite. Warum? fragen die gemalten Leute, die nach rechts drängen, Besteht Lebensgefahr? Werden wir angegriffen? Gibt es eine Demo?

Die Antwort: Weil der General es so bestimmt hat. Er will so die Freiheit haben, immer wann er will, in die Geschichte hineinzukommen Sein Wahlspruch lautet: “Von jetzt an und für immer. Ich bin der Bestimmer“. Dabei haben die Leute alle Gründe, warum sie auf die rechte Seite müssen: Telefonieren, nach Hause kommen, ein Kind zur Welt bringen, Leute erschrecken…

Die Menge staut sich an der Grenze. Wird immer dichter. Druck baut sich auf wie in einem Dampfkochtopf.

Bis er sich auf Seite 16 ganz leicht löst: Den fußballspielenden Jungen gerät ihr roter Ball über die Grenze. Er rollt einfach rüber. „Können wir,…. können wir..“ , fragen sie den Aufpasser, „können wir…?“ Bevor sie die Frage beendet haben, sagt der: „Na gut, aber nur dieses eine Mal“. Damit ist der Bann gebrochen, die Jungen jubeln und rennen nach drüben. Und dann wollen alle rüber: „Herr Aufpasser, darf ich, kann ich“ bestürmen sie ihn und er winkt sie über die Grenze. Schnell füllt sich die rechte Buchseite - da erscheint der General, hoch zu Ross mit Soldaten im Schlepptau. In einer feurigen Sprechblase fragt er: „Was zur Hölle ist hier los?“ Der Aufpasser soll verhaftet werden. Doch die Menge protestiert: „Das ist ungerecht, er ist unser Held, dieses Buch gehört uns; wir sind auch ein Teil der Geschichte“. Das Pferd wirft den General ab, galoppiert wiehernd nach rechts. Der General ist so empört, dass er die Geschichte verlässt. Wer will schon der Held in einem Kinderbuch sein, fragt er?

Lustvoll und lustig zeigt dieses Buch, wie sinnlos eine Grenze ist, die einer selbstherrlich zieht und damit andere aus der Geschichte drängt. Alle in ihrer Buntheit und Individualität sind Teil der Geschichte. Auf den Einbandseiten sind alle Personen gezeichnet und ihre Namen stehen dabei. Nur der General und der Aufpasser haben außer ihrem Titel keinen Namen. Der Aufpasser allerdings macht sich einen Namen: Er sieht ein, welch sinnlosem Befehl er gehorcht. Weil er ungehorsam ist, rufen die Grenzgänger ihn zum Helden aus. In einer Geschichte, in der für alle Platz ist, nur nicht für den, der sich selbst ausschließt.

Buch: Hier kommt keiner durch!, Isabel Minhós Martins und Bernardo P. Carvalho, aus dem Portugiesischen von Franziska Hauffe, August 2017, ISBN 978-3-95470-145-2

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