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Kirche in WDR 3 | 28.07.2014 | 07:50 Uhr

„Mitbauen am Himmel auf Erden“

Münster – eine Stadt auf dem Berg? Wohl kaum, dafür ist das Westfalenland ein wenig zu flach. Aber mich beeindruckt der Blick auf Münster jedes Mal, wenn ich in die Stadt hineinfahre und diese wuchtigen beiden Türme im Zentrum erblicke. Sie ragen nicht so hoch wie der Kölner Dom. Aber dafür steht Münsters St. Paulus Dom tatsächlich auf einem Berg.

Guten Morgen, verehrte Hörer und Hörerinnen,

zugegeben: ich rede von einem kleinen Berg, eher ein Hügel, dafür mitten in Münster. Der Dom liegt direkt im Zentrum, weil von hier die Geschichte der heutigen Stadt ausging. Ihm verdankt sie auch ihren Namen: „Münster“ kommt bekanntlich von „Monasterium“ und das heißt Kloster. Gemeint ist das Domkloster. Wenn Münster das Haupt Westfalens ist, dann ist der Dom dessen Herzkammer. Vor 750 Jahren wurde der heutige Bau geweiht. Aus Anlass des Domjubiläums werden in dieser Woche ganz unterschiedliche Autorinnen und Autoren den St-Paulus-Dom an diesem Sendeplatz in den Blick nehmen. Das Bistum Münster feiert das Jubiläum mit einem Motto, das zunächst vielleicht verwundert. Es heißt: “Willkommen im Paradies“. Das klingt nach einem gehörigen Anspruch, aber dieser ist schon im Bauwerk festzementiert, wenn man so will.

Wer den Dom durch das heutige Hauptportal betritt, wird durch eine Vorhalle geführt und die heißt „Paradies“!! Schon im Mittelalter wurde die Vorhalle "Porta coeli" genannt, eine Pforte des Himmels also. Man dachte, durch diese Pforte hindurch betritt man nicht nur das Innere des Doms, sondern gleichsam den Himmel!! Beim Eintreten in den hellen Kirchenraum spürt man: dies ist ein Raum, der mit seiner Weite und seinem Licht eine andere Welt eröffnet – eben so etwas wie den Himmel auf Erden.

Ich denke mir manchmal – Wahnsinn! – wenn ich unter diesem Himmelsgewölbe stehe und mir dabei die Bauleute vorstelle, die diesen Dom gebaut haben.

Ich habe Respekt vor diesen Bauleuten, die geduldig und in mühevoller Kleinarbeit Stein um Stein behauen haben, Tag für Tag, Jahr für Jahr. 40 Jahre hat das gedauert. Für damalige Verhältnisse mag das wenig gewesen sein. Und dennoch: Den Dom zu bauen war ein Lebensprojekt, von dem viele Bauleute wussten, dass sie es nie fertig sehen würden.

Diese Bauleute hinterlassen mir als Betrachterin ein Vermächtnis. Einen Anspruch und einen Zuspruch zugleich:

Der Anspruch: Der in Stein geschlagene Himmel auf Erden fordert mich auf, selbst zu einem lebendigen Stein zu werden. Sozusagen zu einer Baumeisterin am Reich Gottes – das Jesus auch nicht auf den Himmel verlegt hat; sondern von dem er sagte, dass es hier und jetzt schon anbricht.

Und der Zuspruch? Ich sag´s mal so: In meinem persönlichen Bauprojekt, in dem ich die Welt für mich und für andere wohnlicher machen möchte, kann ich dabei auf einen ganz besonders bauen: auf Jesus, den ersten Baumeister. Der legt für mich den eigentlichen Grundstein. Im 1. Petrusbrief heißt es darum: „Kommt zu ihm, dem lebendigen Stein, der von den Menschen verworfen, aber von Gott auserwählt und geehrt worden ist. Lasst euch als lebendige Steine zu einem geistigen Haus aufbauen.“ (1 Petrus 2,4-5)

Das klingt so groß – fast unmöglich. Aber: Wie der Dom in Münster, so ist das Reich Gottes ein Projekt, das nicht von heute auf morgen entsteht. Da geht´s langsam voran: Stein um Stein, Tag für Tag. Ich kann nicht wissen, worauf ich vielleicht am Abend des heutigen Tages oder einmal ganz am Ende meines Lebens zurückschaue; ich habe sicher nicht alles in der Hand und manches – auch heute – bleibt vielleicht wieder einmal unvollendet.

Aber ich habe einen Grund anzufangen und eine Ahnung, was Himmel auf Erden heißen kann, wenn ich nur heute schon mitbaue.

So grüßt Sie heute Morgen aus Münster vom Domplatz

Graciela Sonntag

Copyright Vorschaubild: Bönte, Dialogverlag

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