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Kirche in WDR 2 | 25.07.2016 | 05:55 Uhr

Mitmenschlichkeit

Vor knapp zwei Wochen: Der Morgen nach der Nacht von Nizza. Auf dem Weg zur Arbeit sitze ich in der vollgepackten U-Bahn. Wie die meisten starre ich auf mein Handy. Ich lese die neuesten Nachrichten und schaue mich um in den sozialen Netzwerken. Wieder brennen auf meiner Facebook-Timeline Kerzen. Wieder Fassungslosigkeit und all die Fragen nach dem „warum“: Jetzt sogar ein Lastwagen als Mordwaffe. Wann hört das endlich mal auf? Irgendwie nimmt das gar nicht mehr ab, ob in Europa, in den USA oder im Nahen Osten: Immer mehr Menschen sterben, immer brutaler wird das Töten. Ich habe das Gefühl: Die Mitmenschlichkeit geht so ziemlich flöten.

Und dann steigt Einer mit Rollator in die Bahn. Und ich muss den Platz wechseln, denn ich saß bis grad auf dem Behindertenplatz. Platz ist nur noch etwas weiter hinten. Da sitzen zwei Obdachlose, zu denen sonst keiner geht. Also zwänge ich mich denen gegenüber: Ein Schwarzer und ein junger Kerl in einem ziemlich abgeranzten Partyoutfit. Die beiden unterhalten sich – sie sind die einzigen, die in der U-Bahn gerade sprechen und ich höre zu, während ich weiter auf mein Handy starre.

Der junge Kerl erzählt dem Schwarzen hastig, dass er erst seit Anfang des Monats auf der Straße ist. Job in Frankfurt weg. Keine Kohle mehr. Aber er wollte unbedingt zum CSD nach Köln. Jetzt ist er hier gestrandet. Hat nix außer seine Partyklamotten und einem kleinen Turnbeutel. Ich lauere vom Handy hoch und mustere ihn etwas verlegen. Tatsächlich: Der ist noch verdammt jung für einen Obdachlosen und er scheint echt nicht vorbereitet auf dieses Leben. Das ist doch viel zu dünn, was er da trägt, bei dem Regenwetter.

Und während ich das noch denke, greift der Schwarze in seinen Rucksack und zieht eine Regenjacke hervor: „Hier Bruder. Kannste haben. Is nicht viel, aber reicht erst mal.“ Der junge Kerl fängt fast an zu heulen.

Ich sitze gegenüber, schaue dem Schwarzen in seine Augen hinter den Dreadlocks. Und ich bin beschämt: Der weiß offensichtlich besser als ich, wie Mitmenschlichkeit auch in harten Zeiten nicht flöten geht.

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