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Kirche in WDR 3 | 01.08.2016 | 07:50 Uhr

Montag

Guten Morgen!

Der 1. August 1966, heute vor fünfzig Jahren, war auch ein Montag. Da erstach der Student Charles Whitman seine Mutter und seine Frau. Danach erschoss er vom Turm der Universität aus 17 Menschen, bevor er selbst erschossen wurde. (1)

Es war wieder ein Montag viele Jahre später. Da schoss die 16jährige Brenda Spencer über sechs Stunden auf die Grundschule gegenüber. Sie tötete zwei Menschen. Warum? Brenda sagte: „I don’t like Mondays.“ – Ich mag keine Montage. (2)

Am Montagabend vor zwei Wochen verletzte der 17-jährige Riaz vier Menschen bestialisch mit der Axt. Am vorletzten Freitag tötete der 18-jährige David neun Menschen. Und es geht weiter. Noch viele Namen gehören in diese Parade des Mordrausches.

Die meisten Täter sind tot. Sie leben im Töten etwas aus. Und oft wollen sie sogar getötet werden, weil es nach diesem Ausleben sinnlos ist weiter zu leben. Das Dämonische an den Taten ist nicht nur die Grausamkeit, sondern die Sinnlosigkeit.

Warum töten sie? I don’t like Mondays, sagt die eine, Allahu Akbar schreit der andere. Einer zieht sich ein Ninjakostüm (3) an, ein anderer malt sich eine IS-Flagge. Es sind Plattitüden, nachgeplapperte Formeln ohne Sinn und Verstand. Was genau steckt dahinter?

Was nun, wenn gerade die Sinnlosigkeit Teil der Erklärung wäre? Vielleicht kommt das, was wir „sinnlose Gewalt“ nennen, genau aus diesem Lebensgefühl: Dass das Leben nichts als sinnlos ist. Die Mutter des Amokläufers Robert Steinhäuser, berichtet: „Ein paar Monate vor der Tat saß Robert am Küchentisch und sagte: ‚Es hat alles keinen Sinn.’ Ich habe nur geantwortet: ‚Was redest du für einen Quatsch?’ Heute sage ich mir ständig, dass ich nur ein einziges Mal hätte reagieren müssen.“ Das erzählt sie voller Trauer ein Jahr nachdem ihr Sohn im Erfurter Gutenberg-Gymnasium 16 Menschen und dann sich selbst erschossen hatte. (5)

Woran du dein Herz hängst, das ist dein Gott, hat Martin Luther gesagt. Jeder braucht etwas, woran er sein Herz hängt, einen Gott, einen Sinn, einen Halt. Was aber, wenn das Herz sich an nichts mehr hängen kann. Der Sinn des Lebens ist nichts Abstraktes. Dass das Leben sinnvoll ist, lernt man mit Herz und Sinnen. Man lernt es von der Hand, die einen schützt, von dem Wort, das einen tröstet, von dem Ohr, das einem zuhört, von den Augen, die einen mit Aufmerksamkeit betrachten. Jeder Mensch braucht jemanden, der ihn bedingungslos annimmt. Es gibt Menschen, die in entscheidenden Momenten davon zu wenige Erfahrungen machen oder nicht erreichbar dafür sind. Bei ihnen kann der Hass ein Einfallstor finden, der Wahn, sie müssten andere umbringen, um Ansehen zu bekommen.

Was tun?

Unbeirrt in der Nächstenliebe bleiben. Dabei nicht fragen, ob fremd oder Freund. Sich nicht zum Hass hinreißen lassen. Riaz hat Menschen gehabt, die so mit ihm umgegangen sind. Sie sind nicht gegen den Hass angekommen, der ihn beherrschte. Sie sind bitter enttäuscht und verstehen Gott und die Welt nicht mehr. Wie sollten sie?

Aber es ist auch so: Manchmal ist es ein barmherziges Wort im richtigen Moment, manchmal ist es ein Mensch zur rechten Zeit, der liebt und Interesse hat, der einen anderen Riaz, einen anderen Robert davon abbringt andere umzubringen. Manchmal ist es ein solcher Moment, ein solcher Mensch, der ohne es zu wissen, anderen das Leben rettet.

Einen guten Tag wünscht Ihnen Silke Niemeyer, Pfarrerin in Lüdinghausen.

(1) https://de.wikipedia.org/wiki/Charles_Whitman

(2) https://de.wikipedia.org/wiki/Brenda_Ann_Spencer

(3) http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-22328709.html

(4) http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-26950117.html

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