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Choralandacht | 09.07.2016 | 07:50 Uhr

Morgenglanz der Ewigkeit (eg 450)

Musik 1: (Harfe – erster Teil)

Autor: Ich schaue in ein glänzendes Gesicht. Was für eine Ausstrahlung! Beeindruckend. Mit selbstbewusstem, vornehmem, klugen Blick schaut ein Mann mich an. Eine würdevolle Erscheinung. Die hoch aufragende Lockenperücke fällt in barocker Fülle auf das kostbare Gewand. Weiches Sonnenlicht lässt sein Antlitz schimmernd glänzen. Ein Portrait in Öl wie für die Ewigkeit gemalt mit einem goldenen ovalen Rahmen: Christian Anton Philipp Knorr von Rosenroth. (2) Geboren am 15. oder 16. Juli 1636 in Alt-Raudten in Schlesien, gestorben am 4. oder 5. Mai 1689 in Groß-Albershof bei Sulzbach in der Oberpfalz. (1)

Musik 2: Strophe 1

Morgenglanz der Ewigkeit, / Licht vom unerschaffnen Lichte,

schick uns diese Morgenzeit /deine Strahlen zu Gesichte

und vertreib durch deine Macht / unsre Nacht.

Autor: Wer war Christian Knorr von Rosenroth? Zu seiner Zeit auf jeden Fall ein glänzender Mann: eine Geistesgröße, ein Herr von Format und ein tief gläubiger evangelischer Christ.

Eine Geistesgröße war er aufgrund seines weiten wissenschaftlichen Horizonts: Er verkehrte mit dem großen Sprachtheoretiker Martin Opitz, der ihn bis in einzelne Formulierungen hinein stark beeinflusst hat. Eine akademische Bildungsreise in die Niederlande machte ihn, den Pfarrerssohn und Juristen mit dem Naturphilosophen Franziscus Mercurius van Helmont bekannt. Durch ihn lernte er die Kabbala kennen, eine mystische Bewegung des Judentums. Wichtige Teile des Buches Sohar, das in der Kabbala von großer Bedeutung ist, sollte er später ins Lateinische übersetzen.

Ein Herr von Format war er, weil er als Hof- und Kanzleirat im Dienst des Pfalzgrafen Christian August von Sulzbach Karriere gemacht hatte. Er war für die gesamte Pfalzgrafschaft verantwortlich, die noch unter den Folgen des dreißigjährigen Krieges litt. Durch den Abbau von Eisenerz versuchte er eine industrielle Entwicklung einzuleiten. (3)

Und dass er ein tief gläubiger evangelischer Christ war, lässt sich unschwer seiner geistlichen Dichtung entnehmen. Zahlreiche Lieder stammen aus seiner Feder. Bekannt ist sein 1684 erschienenes Liederbüchlein „Neuer Helicon mit seinen neun Musen, Das ist: Geistliche Sittenlieder“. Der Helicon galt in der griechischen Antike als die Stätte der Musen. Der „neue“ Helicon steht dagegen für die Schädelstätte Golgatha, den Berg der Kreuzigung Jesu. In diesem Liederbuch findet sich auch als Morgen-Andacht unser Choral „Morgen-Glantz der Ewigkeit“.

Musik 2: Strophe 2

Deiner Güte Morgentau / fall auf unser matt Gewissen;

Laß die dürre Lebensau / lauter süßen Trost genießen /

Und erquick uns, deine Schar, / immerdar.

Autor: 1656. Der dreißigjährige Krieg liegt, als Christian Knorr von Rosenroth dieses Lied dichtet, erst acht Jahre zurück. Das Hauen und Stechen von Christen gegen Christen war klein Glanzstück menschlicher Kultur, kein Glanzstück der Regierungskunst und schon gar kein Glanzstück des Glaubens. Nur allzu recht hatte Friedrich von Logau mit seinem Sinngedicht: „Luthrisch, Päpstisch und Calvinisch, diese Glauben alle drei sind vorhanden, doch ist Zweifel, wo das Christentum dann sei.“ (4)

Der Westfälische Friede brachte zwar das ersehnte Ende des Blutvergießens, aber er war doch letztlich nur ein Dokument der allgemeinen Müdigkeit und Erschöpfung, ein Kompromiss, auf den die kriegführenden Mächte sich einließen, weil keine von ihnen mehr weiter wusste. Was sollte auf lange Sicht werden aus den Menschen, aus den Kirchen, aus den Gemeinden? Man wird an den 23. Psalm erinnert: Und ob ich schon wanderte im Finstern Tal […] Du erquickest meine Seele. – So heißt es hier: „Und erquick uns, deine Schar, immerdar.“

Der 23. Psalm spricht aus einer Haltung des Vertrauens, hier ist alles noch Bitte: Schick uns Licht, erquick deine matte Schar, gib uns die Glut deiner Liebe, gib uns Freude, wenigstens am Jüngsten Tage und richte uns noch einmal auf, bevor wir vergehen müssen. Führ uns durch das Tränenfeld in das Land der Wonne.

Musik 2: Strophe 3

Gib, daß deiner Liebe Glut / unsre kalten Werke töte, /

Und erweck uns Herz und Mut / bei entstandner Morgenröte,/

Daß wir, eh wir gar vergehn, / recht aufstehn.

Autor: Umso wunderbarer und glanzvoller muss es Christian Knorr von Rosenroth angesichts der Verheerungen seines Landes vorgekommen sein, wenn er erleben durfte, wie überwältigend schön ein Tagesanbruch ist, wenn das unerschöpfte Licht vom himmlischen Horizont her die Berge und Täler, Wiesen und Wälder von Sulzbach mit mildem, weichem Glanz überzog. Der Zauber dieses Glanzes überwältigt jedes menschliche Gemüt bis heute.

Was sagen mir schon die meteorologischen Messdaten und der computeranimierte Film zum Wetterbericht im Fernsehen? Sie können nicht von Ferne diese tiefe Wahrheit vermitteln, die der Morgenglanz mir erschließt: Vor meinen Augen vergeht die Nacht, und – was auch immer mich sonst umgibt und hinter mir liegt – die Welt erscheint in einem Glanz, der alle Finsternis vertreibt, seinen Schimmer auf mein Gesicht legt, die Seele erhellt und den Leib entspannt.

Musik 2: Strophe 4

Ach du Aufgang aus der Höh, / gib , daß auch am Jüngsten Tage/

Unser Leib verklärt ersteh / und, entfernt von aller Plage, /

Sich auf jener Freudenbahn / freuen kann.

Autor: Christian Knorr von Rosenroth – so wunderlich uns dieser Name erscheint, so wunderlich ist auch die mystische Welt, in die er uns versetzt.

Da sehen wir dann vor unserem inneren Auge, wie der Morgentau der Güte auf ein mattes Gewissen fällt. Wir werden Zeugen, wie die dürre Lebens-Au süßen Trost genießt. Wir erleben, wie die Glut der Liebe kalte Werke tötet. Dann erweckt die Glut der Liebe Herz und Mut und uns lässt uns aufstehen zu einem neuen Leben. Und wenn der Jüngste Tag anbräche, so müssten wir doch nicht vergehen. Vielmehr würde unser Leib verklärt, so dass er sich - fern von aller Plage - auf einer Freudendbahn freuen kann. Denn die Gnadensonne selbst würde ja leuchten in jenem Land der süßen Wonne, wo die Lust, die uns erhöht, nie vergeht.

Erfüllt, ganz erfüllt und inspiriert von diesem goldenen Moment des Anfangs – so stelle ich mir das vor - begibt sich nun Christian Anton Philipp Knorr von Rosenroth wieder an seine Arbeit, geht in seine Kanzlei, widmet sich seinen Amtsgeschäften, kümmert sich um den Erzbergbau in der Oberpfalz, schreibt ein weiteres Gedicht, arbeitet an einer Übersetzung und lässt sich portraitieren, beleuchtet von jenem schimmernden goldenen Licht, das ihn selbst innerlich erfüllt und von dem er auch etwas ausstrahlt.

So nahe sind sie beieinander – die finstere Nacht und die glanzvolle Ewigkeit Gottes an jedem einzelnen neuen Morgen, den ich erleben darf.

Was steht jetzt bei Ihnen an? Gehen Sie in die Kanzlei oder lassen Sie sich in Öl portraitieren oder haben Sie etwas anderes zu tun? Mancher hat von der Ewigkeit keinen blassen Schimmer, auf Ihnen aber ruht jetzt der Morgenglanz der Ewigkeit. Ist das nicht schön? Nehmen Sie ihn mit in diesen Tag.

Musik 1: Harfe

(1) http://www.deutsche-biographie.de/sfz43376.html, 27.04.2016

(2)https://www.google.de/search?client=opera&q=Christian+Knorr+von+rosenroth&sourceid=opera&ie=UTF-8&oe=UTF-8, 27.04.2016

(3) Stein, Albert: „Morgenglanz der Ewigkeit“ (EG 450). Auf dem Weg zu Gottes ewigem Licht, in: Wintzer, Friedrich (Hg.): Liedpredigten zu neuen und alten Liedern, 1997.

(4) http://www.operone.de/spruch/logau.php, 27.04.2016.

Musikinformationen:

Musik 1:

CD: Morgenstimmung

Titel: Morgenlanz der Ewigkeit

Komponist: Johann Rudolf Ahle 1662, Halle 1708

Interpret: Anne-Sophie Bertrand

Verlag: Verlag Kreuz GmbH; Stuttgart

Label: KreuzPlus: Musik

LC-Nr.: 06190

Best.Nr.: 9783783182741

EAN: 4014241828749

Musik 2:

CD: Wach auf, mein Herz, und singe

Titel: Morgenglanz der Ewigkeit

Komponist: Johann Rudolf Ahle 1662

Texter: Christian Knorr von Rosenroth (1654), 1684 teilweisen nach

Martin Opitz 1634

Chor: Wilhelmshavener Vokalensemble

Leitung: Ralf Popken

Verlag: Hansisches Druck- und Verlagshaus, Hamburg

Label: edition chrismon

LC-Nr.: 16005

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