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Choralandacht | 27.05.2017 | 07:50 Uhr

Morgenlicht leuchtet (eg 455)

Autor: Wie alles anfing? Aus der Kneipe sind sie gegangen, als letzte und dann an den Strand. Stundenlang nur geredet. Über sich, die Liebe und Gott und die Welt. Über das Leben, das jetzt noch frisch und jung vor ihnen lag und auch darüber, wie es mal enden könnte, das Leben. Und was dann sein würde. Gespräche, halb geflüstert, über die Liebe, das Leben und den Tod. Wie es halt so geschieht, wenn die Magie des Augenblicks jede Faser des Körpers durchdringt, wenn man noch auf der Erde schon nicht mehr von dieser Erde ist.

„Wie schmeckt wohl die Auferstehung?“, hat er unvermittelt ins noch Dunkel hinein gefragt.

„Nach heißen Waffeln mit frischen Erdbeeren und einem Klecks Sahne.“

Er hat gelacht. Und in sein jungenhaftes Lachen hinein wurde es langsam hell. Sie schauten über das Meer hinaus zum Horizont. Wo langsam die Lichtstreifen orangefarben wurden und mehr und mehr Lichtfunken sich über die Wellen wagten.

„Nein“, sagte sie, „besser noch: Auferstehung schmeckt wie heiße Waffeln mit frischen Erdbeeren und einem Klecks Sahne bei Sonnenaufgang, wenn das Morgenlicht leuchtet nach einer glücklichen Nacht, nach einer Nacht wie dieser.“

Sie schaute ihn ernst und doch leicht an.

„Und was hörst du dann“, fragt er sie.

„Ein Lied.“

„Ein bestimmtes?“

„Ja.“

Musik 1

Sprecherin:

Der Morgen bricht an / Wie am Anfang der Schöpfung,

Die Amsel hebt an / Wie zum ersten Gesang.

Preiset ihr Singen, / Preiset den Morgen,

Preiset, wie sie geboren / Neu in die Welt.

Süß fällt der Regen / Funkelnd vom Himmel

Wie früher Tau / Morgens aufs Gras.

Preiset das Wunder / Des taufrischen Gartens,

Vollkommen entsprungen / Aus Seiner Spur.

Mein ist die Sonne, / Mein ist der Morgen,

Geboren vom Licht, / Das auch Eden erhellt.

Preiset mit Wonne, / Preist jeden Morgen

Gottes Erwecken / Des neuen Tags.

Autor: Jahre gingen ins Land. Viele Jahre. Ihn gab es nicht mehr. Schon lange nicht mehr. Die Wundernacht an der gälischen Küste konnte dem Alltag nicht standhalten. Das gälische Lied hatte seinen Beschwörungscharakter verloren. Nur dieses Frage-und-Antwort-Spiel ist geblieben, nach der Auferstehung, dem Augenblick, wo alles neu wird. Diesem magischen Moment, wo alles ist wie am Anfang, wenn das ganze Leben noch vor einem liegt, wie das Morgenlicht und sein Leuchten. Wie das wohl schmeckt, wie es aussieht, wie es sich anfühlt, anhört. Nie wieder hatte sie Gott so gespürt wie damals. Gebetet hat sie auch in jenem magischen Moment, hat sich von Gott gewünscht, dieser Augenblick solle nie vorübergehen. Und weil sie wusste, das würde nicht gehen, hat sie Gott gebeten, er möge dafür sorgen, dass sie diesen Moment nie vergisst. Diese Bitte hat er ihr erfüllt.

Musik Nr. 2: (Strophen 1-3)

Morgenlicht leuchtet, rein wie am Anfang / Frühlied der Amsel, Schöpferlob klingt.

Dank für die Lieder, Dank für den Morgen, / Dank für das Wort, dem beides entspringt.

Sanft fallen tropfen, sonnendurchleuchtet. / So lag auf erstem Gras erster Tau.

Dank für die Spuren Gottes im Garten, / grünende Frische, vollkommnes Blau.

Mein ist die Sonne, mein ist der Morgen, / Glanz, der zu mir aus Eden aufbricht!

Dank überschwänglich, Dank Gott am Morgen! / Wiedererschaffen grüßt uns sein Licht.

Autor: Fromm war sie ja immer schon gewesen. Gespräche über Gott und den Glauben waren für sie nichts Ungewöhnliches. Aber jene Nacht und jener Morgen damals – nichts hatte sie später so intensiv gelebt. Einmal hat sie gesagt: „Damals bin ich zum zweiten Mal geboren worden.“ Auch das Bild von „ihrer“ Auferstehung hatte sie dann gerne benutzt. Wie sie plötzlich einen klaren Blick bekam für das, was sie glaubte tun zu müssen, wie sie glaubte, fortan leben zu sollen. Das Morgenlicht damals hatte etwas erhellt, was bei ihr noch verdunkelt war und doch schon in ihr schlummerte. Wach geküsst hat sie das Licht nach jener Nacht und ihr eine neue Richtung gegeben.

Sie geriet in Krisen und befreite sich daraus. Ihre Träume starben, und sie träumte neue. Und wenn es ganz hart kam, träumte sie sich zurück. Dieser Ort, dieser Moment ist ihr geblieben und das Frage-und-Antwort-Spiel von damals, das sie seitdem begleitet, getröstet und aufgerichtet hat und ihren Glauben nie blutleer, sondern immer handfest werden ließ: Wie schmeckt die Auferstehung? Gnade und Barmherzigkeit? Nach was riecht das? Vergebung? Was höre ich? Gottes Zuneigung? Wie fühlt sich das an?

Musik Nr. 3: (Harfe)

Autor: Sie sitzt etwas zusammengesunken in dem inzwischen viel zu großen Sessel. Sie weiß, sie wird bald sterben. Ihre müde gewordenen Augen schauen mehr nach innen. Ich spüre, wie sie durch die Jahrzehnte hindurch sieht. (Das Leben hat es nicht nur gut mit ihr gemeint. Zwei Ehen hat sie geführt und ist jetzt trotzdem allein. In ihrem Zustand nicht so einfach. Die Kinder weit weg. Die knotig gewordenen Hände gefaltet auf ihrem Schoß.)

„Gebetet hab ich ja immer. Auch damals.“

Sie träumt und ist wieder an jenem magischen Moment angekommen, als an der gälischen Küste alles so einfach schien.

Musik Nr. 1

„Gott schützt die Liebenden“, sagt sie unvermittelt und eher zu sich.

„Ja“, sage ich, „Gott schützt die Liebenden“.

„Wenn auch nicht immer so, wie wir es uns wünschen.“

„Ja“, sage ich, „nicht immer so, wie wir es gerne hätten.“

„Die Welt ist schön und das Leben.“

„Ja“, sage ich, „Gott schützt die Welt und das Leben.“

„Und jeden Morgen weckt er alles neu. Das Leben, die Liebe, die ganze Welt.“

„Ja“, sage ich.

„Jeden Morgen Auferstehung, ist das nicht schön?“

„Es ist wunderbar“, sage ich.

Sie schaut mich an und doch durch mich hindurch. Und wieder lebt sie ihren magischen Moment. Ein Lächeln stiehlt sich in ihr Gesicht.

„Wie schmeckt die Auferstehung?“

„Nach heißen Waffeln“, sage ich, „mit frischen Erdbeeren und einem Klecks Sahne.“

„Ja, genau“, sagt sie.

Ich klinke mich ein in ihr Spiel.

„Und was hörst du“, frage ich.

„Ein Lied“, sagt sie.

„Ein bestimmtes?“

„Ja.“

Musik Nr. 1: Morning has broken, like the first morning / Blackbird has spoken, like the first bird / Praise for the singing, praise for the morning / praise for the springing fresh from the word.

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