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Kirche in WDR 2 | 16.04.2016 | 05:55 Uhr

Nachbarn

Nachbarn: Wenn der Paketdienst kommt, nehmen sie bereitwillig an, was wir mal wieder leichtsinnig bestellt haben, wenn wir ein paar Tage wegfahren, gucken sie nach den Katzen, wenn’s abends zum Sport geht, nehmen sie unsere Tochter mit. Manchmal sitzen wir zehn Minuten zusammen am Küchentisch und sprechen über die Arbeit, die Liebe oder die Kinder. Im Sommer gibt’s das große Straßenfest, jeder bringt was mit und dann wird gegrillt und gequatscht. Wir kennen uns nicht wirklich gut. Wir sind keine Freunde. Aber Nachbarn. Die in der Nähe kennt man etwas besser, die andern trifft man wenigstens beim Brötchen holen oder samstags im Vorgarten. Man grüßt sich und weiß so ungefähr, was der andere macht. So etwa ist das bei uns heute in dem Neubauviertel am Rande der Kleinstadt, da wo die Grundstücke günstig sind, die Kinder auf der Straße spielen und die Sonne über den Feldern untergeht.

Früher war das anders. Da hatten wir diese Wohnung in Köln. Nachts mussten wir ab und zu die Polizei rufen, wenn diese Verrückte über uns wieder ihre Technomusik aufdrehte. Sie hatte einen Kampfhund. Wir kannten eigentlich nur den Schauspieler auf dem Flur gegenüber flüchtig, aber der war nie da. Deshalb hatten wir seine Handynummer und seinen Wohnungsschlüssel, falls mal was ist. Er hat uns einfach vertraut. All die andern? Keine Ahnung. Die junge Familie im vierten Stock, die den Kinderwagen unten im Treppenhaus parkte, die wirkte ganz nett. Kennengelernt haben wir uns nie.

WirNachbarn.com, Nachbarschaft.net und Nebenan.de sind neue Portale im Internet, die Nachbarschaft fördern wollen. Nach dem Motto: Auf der Straße ansprechen kostet etwas Überwindung, aber im Netz anklicken, das geht. Kennt jemand einen guten Klempner oder eine zuverlässige Babysitterin? Wer leiht mir eine Heckenschere? Kommt jemand mit aufs Konzert? Der Nutzen liegt auf der Hand. Das Ziel: Man trifft sich wirklich und lernt sich kennen. Dann stellt sich auch bald raus, wem man im Urlaub die Wohnungsschlüssel gibt.

Studien zufolge hat die Idee Zukunft. Eine Umfrage der TU Darmstadt hat gezeigt, dass 50% der Mieter in Deutschland keinen ihrer Nachbarn mit Namen kennen, aber 35% durchaus engeren Kontakt wünschen. Die ganz große Mehrheit, 81% sind sofort bereit, den Nachbarn zu helfen.

Das Vorbild für die neuen Nachbarschaftsportale kommt aus den USA. Nextdoor.com gibt es schon seit 2011, seither sind fast 90.000 aktive Nachbarschaften im ganzen Land entstanden. Vor allem in den Ballungszentren könnte auch hierzulande die Idee zünden. Wie wär’s wenn statt der üblichen Werbung der Großen sich die Geschäfte, Vereine und Einrichtungen vor Ort beteiligen – vom Elektrofachhandel bis zur Kirchengemeinde, vom Eiscafé bis zum Hospizverein. So könnte in der Nachbarschaft ein kleines Netzwerk entstehen, dass das Miteinander fördert und am Ende vielen nutzt.

Sicher, man muss seine Daten preisgeben. Den richtigen Namen und die echte Adresse. Die neuen Anbieter versprechen, sich nach den strengen Datenschutzregeln in Deutschland zu verhalten – und einsehbar für andere ist das Ganze nur von den Nutzern im eigenen Kiez. Das sind dann vielleicht 43 oder 57. Also nicht die ganze Welt, sondern die Nachbarn, die man fortan auch mit Namen kennt. Ich finde es eine richtig gute Idee. Denn alles, was das Miteinander fördert, ist gut.

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