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Sonntagskirche | 06.04.2014 | 08:55 Uhr

Nachruf auf den Sonntagsbraten

Guten Morgen, liebe Hörerinnen und Hörer. Ganz still und leise ist er irgendwann von uns gegangen. Kaum einer hat etwas gemerkt. Es gab keine Trauerreden, niemand hat ihm eine Träne nachgeweint. Und doch fehlt er. Mir zumindest. Ich bin mit ihm groß geworden, in meinem jungen Leben hatte er eine besondere Rolle, die jetzt eigentlich niemand mehr ausfüllt: Der Sonntagsbraten.

In diesen Minuten war es Sonntag für Sonntag soweit: Er wurde aus dem Keller oder dem Vorratsraum geholt, wo er seit seinem Anbraten am Samstagnachmittag auf seinen großen Auftritt gewartet hatte. Mal besser, mal weniger gut – egal wie – er war Sonntag für Sonntag zumindest für kurze Zeit Thema in der Familie. Und nun ist er verschwunden. Sein Name ist hier und da noch bekannt – geläufig schon lange nicht mehr. Das macht mich nachdenklich und auch ein wenig traurig. Er war schon etwas Besonderes – es gab ihn eben nicht jeden Tag – den Sonntagsbraten.

Es gibt Menschen, die mit mir dem Sonntagsbraten hinterhertrauern. Die mit mir nach-denklich werden angesichts der Tatsache: Es gibt ihn mittlerweile in vielfacher Form, für jeden Tag. Er ist nichts Besonderes mehr. Gesund ist das nicht, sagen viele. Zuviel Fleisch ist nicht gesund – weder für uns Menschen, noch für unsere Umwelt – darin sind sich mittlerweile fast alle einig.

Das ist die eine Begleiterscheinung. Die andere: Mit dem Sonntagsbraten ist auch eine Art Sonntagsmitte verlorengegangen. Kaum ein Treffpunkt mehr der Familie an dem einen Tisch. Der Sonntag wird immer mehr zerfleddert – Sport, Familienbesuche, Ausschlafen nach der langen Party-Nacht, Vorbereitungen für die nächste Woche, Freizeitaktivitäten, vielleicht auch Gottesdienst. Der Sonntag ist kein Ruhetag mehr, der sich um den Sonntagsbraten herumgruppiert. Kein Tag mehr, an dem man die Seele baumeln lassen kann. Am Sonntag gibt es keine Zeit mehr, sich zu besinnen. Freizeit will gut geplant sein – regelrechtes Management wird erforderlich, alleine schon, wenn man den immer komplexer werdenden Familienverhältnissen Rechnung tragen möchte.

Früher war das anders, irgendwie einfacher. Da gab es einen festen Ablauf, der kaum hinterfragt wurde. Gottesdienst, vielleicht ein kurzer Frühschoppen, dann der gemeinsame Mittagstisch, an dem die ganze Familie zusammenkam. Oft genug mehrere Generationen. Ein „Event“, zu dem man sich gegebenenfalls auch auf weitere Wege machte. Dass es da schon etwas Besonderes geben musste, ist klar – den Sonntagsbraten eben. Ich habe mich als Kind Woche für Woche darauf gefreut.

Was ist von alledem geblieben? Was hebt den Sonntag noch aus dem grauen Alltag her-aus? Ich fürchte, wir sind dabei, uns von unseren Höhepunkten im Leben zu verabschie-den. Vielleicht auch deshalb, weil wir sie immer und zu jeder Zeit haben können – nicht nur am Sonntag. Dabei wäre es so wichtig, an einem Tag in der Woche einen bewussten Punkt zu setzen. Einen Punkt, den niemand wirklich hinterfragt oder gar verzweckt. Den Sonntagsbraten eben – den Punkt, an dem wir die hektische Woche hinter uns lassen, uns etwas Gutes tun, ohne wieder in ein Hamsterrad von Verpflichtungen und Terminen zu geraten. Gewiss, der Sonntagsbraten ist nur ein Symbol. Vielleicht kann er aber auch zu einer Erinnerungsmarke werden. Vielleicht kann er auch ersetzt werden – aber einfach fehlen darf er doch nicht.

Ich sehne mich zurück nach jenem „Sonntagsgeruch“, der in den Tagen meiner Kindheit das ganze Haus schon am Vorabend erfüllte. Untrügliches Zeichen dafür, dass etwas Besonderes bevorstand. Und vielleicht haben sie ihn ja auch wieder in der Nase bei diesen Gedanken zum Sonntag. Vielleicht entwickelt sich aus diesen Erinnerungs-gedanken auch ein neuer Sonntagsduft. Aber einer, der das Besondere des Sonntags hervorhebt.

Eine feine Nase für einen guten Sonntag wünscht ihnen Pfarrer Ulrich Clancett aus Jüchen.

Copyright Vorschaubild: Orangem Public Domain CCO Pixabay

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