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Kirche in WDR 2 | 03.08.2015 | 05:55 Uhr

Nächstenliebe - als (ein) Akt der Selbstliebe

Emma ist groß, schlank und blond. Sie hat blaue Augen und ein bezauberndes Lächeln. Und: Sie sagt gerne ja. Immer dann, wenn Hilfe gebraucht wird.

Wer macht das Catering bei den nächsten Schwimmmeisterschaften. Natürlich sie. Nicht allein. Zusammen mit zwei Freundinnen. Dann kaufen sie freitags ein und belegen am Wochenende 2000 halbe Brötchen. Die verkaufen sie dann und mindestens das Doppelte an Getränken.

Zwei Wochen später das nächste Fest. Diesmal ist es die Schule, die helfende Hände sucht. Für das Treffen der Ehemaligen, den Begrüßungsabend der Neuen, die Verabschiedung der Klassenlehrerin (und und und)

Doch Emma ist nicht nur Spezialistin für Feste. Aus irgendwelchen Gründen ist sie die absolute Matheexpertin. Das hat sie zwar nie studiert, aber es gibt niemanden, der in Mathe so gut nachhelfen kann, wie sie. Innerhalb kürzester Zeit schreiben auch die Fünfer Kandidaten plötzlich zweien. Natürlich macht sie das alles unentgeltlich.

Abends besucht Emma ihre Nachbarin – da ist der Mann gerade gestorben – den hat sie in seinen letzten Stunden begleitet. Außerdem arbeitet sie am Telefon – natürlich ehrenamtlich – und berät Menschen in schwierigen Lebenssituationen. Wie das geht, muss man lernen. Deshalb besucht sie am Wochenende Seminare – fernab von zu Hause. Und zwischendrin gießt sie ihre Blumen in ihrem riesigen Garten. Das tut sie allerdings äußerst ungern. Da ist man so alleine. Mit sich und den Blumen. Aber Gott sei Dank gibt es das Handy.

Ich kenne niemanden, der so viel simst und whats appt wie Emma. Klar, wer viel hilft, muss gut vernetzt sein, aber auch wer Hilfe sucht. Jetzt meldet sich der Verein für Flüchtlinge. Sie suchen für die Neu-Ankömmlinge Matratzen, Betten und Teppiche, Kleidung und Spielzeug. Innerhalb von Stunden hat Emma alles organisiert. Mit Hilfe ihres Smart phones.

Die übertreibt doch, werden Sie jetzt denken. Die Pastorin. So etwas wie die Emma gibt es doch gar nicht. Im Gegenteil: Ich habe untertrieben. Ihr Engagement ist noch viel größer! Aber dafür - ist meine Sendung zu kurz.

Sich zu engagieren - Emma kann es sich leisten. Ihr Mann verdient genug Geld, ihre Kinder sind schon groß und selbstständig.

Was ich an Emma so eindrücklich finde, ist nicht ihr Engagement, sondern wie sehr sie dafür belohnt wird. Sie lernt überall spannende Menschen kennen - in der Schwimmhalle und der Schule, bei der Nachhilfe und in der Nachbarschaft, bei der Flüchtlingshilfe und bei dem Beratungstelefon - führt oft intensive Gespräche, ist beeindruckt, bewegt, begeistert vom Leben der anderen. Das relativiert auch das, was in ihrem eigenen Leben schwer ist. Viele sind ihr sehr dankbar, die Kinder sagen: „Das ist meine Emma. Auf die kann ich mich verlassen.“ Emma ist stolz darauf. Sie weiß: Ich werde gebraucht. Ich bin wichtig. Mein Leben macht Sinn.

Nächstenliebe ist also nicht nur ein Dienst am Anderen, sondern mindestens im gleichen Maß ein Dienst an mir selbst. Ich tue mir Gutes, wenn ich Anderen helfe.

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