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Kirche in WDR 2 | 30.09.2016 | 05:55 Uhr

Nächstenliebe to go

Latte Machiato, Crema, mit Vanillearoma, oder einfach heiss und schwarz. Der gute alte Bohnenkaffee kommt heute mit vielen Finessen in die Tasse. Aber kennen Sie schon den „schwebenden“ Kaffee? Caffé Sospeso , der schwebende, oder auch der aufgeschobene Kaffee, ist eine italienische Spezialität. Erfunden wurde sie in Neapel. Hier gibt es hunderte kleiner Bars mit den zischenden Kaffeemaschinen. Die Menschen zelebrieren ihren kleinen Stopps. Ob auf dem Weg zur Arbeit oder in der Pause…ein Kaffee geht immer.

Wer es sich leisten kann, bestellt eben nicht nur für sich, sondern ordert 2 oder 3 oder mehr…und zwar als Caffé Sospeso. Der Kaffeekünstler an der Bar notiert sich das in einem Notizheft. Und wenn dann ein Mensch, der etwas vom Schicksal gebeutelt ist, diese Bar aufsucht, reicht eine einfache Frage: Gibt es einen schwebenden Kaffee? Dann nickt der Barbesitzer, macht ein Häkchen in sein Notizbuch. Und ein dampfender Kaffeebecher steht auf dem Tresen. Und jemand geniesst ihn, ohne dafür bezahlen zu müssen.

Wer hat, der gibt, und wer nicht hat, bekommt etwas. Ohne dafür betteln zu müssen, ohne Leid und Armut zur Schau stellen zu müssen, ohne eine tränenselige Geschichte. Dieser Brauch wurzelt in der Zeit als es noch keine sozialstaatlichen Leistungen gab. Und die Menschen füreinander sorgen mussten. Auch für die, denen es eben schlecht ging.

Damit haben die Neapolitaner ein Jesuswort sehr ernst genommen. „Wenn du aber Almosen gibst, so laß deine linke Hand nicht wissen, was die rechte tut“. Ziemlich schwer sich selbst auszutricksen. Kann ich so Almosen geben? Weiss ich doch eigentlich immer ganz genau, warum ich etwas spende, für wen, für welchen Zweck. Aber mit dem Caffé sospeso ist das kinderleicht. Ich gebe etwas ab, ohne zu wissen, wer davon profitiert.

Sicher. Einige werden gleich misstrauisch unken. Wer bekommt das? Sind Almosen, Unterstützung nicht für die wirklich notwendigen Sachen im Leben da? Also etwas zu essen, zu trinken und ein Dach über den Kopf. Und wer noch misstrauischer ist, mag vielleicht versucht sein, gleich Schindluder zu vermuten. Da kann ja jeder kommen, auch wenn er es nicht nötig hat und kriegt einen Kaffee, für den ich hart arbeiten muss.

Ja. dieses Risiko besteht. Es gibt immer Menschen, die so etwas ausnutzen. Aber es geht um das Symbol. Mir geht es gut, ich genieße mein Leben und meinen Kaffee und ich gebe diesen Genuss weiter. Es ist das Symbol für eine Gesellschaft, die auch mit den Armen die schönen Seiten teilt und ihnen Respekt zollt. Ich lebe lieber unter Menschen, die diese Haltung teilen, als auf Misstrauen und Unterstellungen zu treffen. Mit gefällt die Freigebigkeit der Neapolitaner, die nicht auf den Missbrauch schielt. Das ist Nächstenliebe to go.

Übrigens: Seit der Eurokrise nehmen diese Tradition auch andere europäische Staaten ernst. Um so schöner, dass auch in Deutschland einige Cafés diesen Brauch aufgegriffen haben. Unter http://www.coffeesharing.com kann man sich informieren, ob es auch in der Nähe Läden gibt, die diese Idee unterstützen.

Sprecher: Pfarrer Titus Reinmuth, Wassenberg

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