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katholisch

Hörmal | 19.01.2014 | 07:45 Uhr

Namen erzählen Geschichten

Wenn Sie nicht Meyer, Müller oder Schmidt heißen, sondern vielleicht Zielinski, wie meine Mutter mit Mädchennamen, oder d’ell Aquila, oder Manthurutill, oder Grounds: dann erzählt Ihr Name etwas von einer Bewegung. Migration klingt dabei immer etwas bürokratisch und abschätzig. „Immis“ sagt der Rheinländer. Und der muss es wissen: Solange im Rheinland gedacht wird, sind Menschen hierhin gezogen und dass das Rheinland etwas schneller mit Kultur beleckt war als das Westfalenland hat auch damit zu tun, dass die Römer hierher gezogen sind, einfach den Rhein herunter. Migranten eben. Das geht bis heute so und Migration kann eine echte Kraftquelle sein für ein Land: Arbeitskraft, Wissenskraft – aber auch Glaubenskraft können die Menschen bringen, die herziehen. Das erleben gerade die Länder in Skandinavien. In Oslo zum Beispiel platzen die katholischen Kirchen aus allen Nähten, weil die Menschen, die kommen, nicht nur ihren Arbeitswillen mitbringen, sondern auch ihren Glauben. Wer Kirche im Aufbruch erleben will, der sollte während eines Urlaubs in Skandinavien ruhig mal eine katholische Sonntagsmesse besuchen. In Oslo trifft man da Gläubige aus dutzenden Nationen.

Ich habe bewusst nicht angefangen, über Migration als Problem zu sprechen. Denn das wird schon viel zu oft in den politischen Debatten. Es ist doch sicherlich klar: Natürlich wandern nicht alle Menschen freiwillig aus. Wer verlässt schon gerne seine Heimat? Einer der häufigsten Gründe dafür ist: Krieg. Daher werden Migranten und Flüchtlinge zumeist in einem Atemzug genannt. So war das auch vor 100 Jahren. Seit 1914 gibt es den Welttag der Migranten und Flüchtlinge. Und ausgerufen hat den nicht die UNO, die gab es nämlich damals noch nicht. Ausgerufen hat den ein Papst:, Benedikt XV. Und er tat dies gleich zu Anfang des Ersten Weltkrieges. Dieser Krieg, der auch die „Urkatastrophe des 20. Jahrhunderts“ genannt wird, sollte gemeinsam mit dem 2. Weltkrieg die größte Wanderungsbewegung der Menschheitsgeschichte auslösen.

Seit 1915 denkt die katholische Kirche am dritten Sonntag im Januar an alle Menschen, die zurzeit auf der Wanderung sind, besonders an die, die flüchten müssen. Die UNO zog erst 2001 mit einem eigenen Gedenktag nach, dem Weltflüchtlingstag am 20. Juni. Etwas spät, wie ich finde.

Übrigens: Vielleicht haben Christen, Juden und Muslime für das Thema Migration ein besonderes Ohr, weil es da eine Geschichte gibt. Die von Abraham, der auch Stammvater dieser drei Religionen genannt wird. Er bekam nämlich eine Verheißung: „Brich auf in das Land, das ich Dir zeigen werde“. Abraham musste zwar nicht fliehen, aber er folgte diesem Ruf und das sollte ein Segen werden für sein Volk.

Dass in diesem Jahr, die Menschen, die zu uns kommen, auch ein Segen werden – ob an ihrer neuen Arbeit, in der Nachbarschaft, in der Kirchengemeinde, im Sportverein: das wünsche ich unserem Land an diesem Gedenktag. Und dass wir anfangen, von den Wanderungen unserer Familien zu erzählen, ausgehend vielleicht vom Nachnamen – mit dem oft eine Geschichte verbunden ist, von weit her.

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